Mit einem Gottesdienst am Jahrestag seiner Priesterweihe verabschiedet sich Pfarrer Günter Hasenbein. FOTO: AK
+
Mit einem Gottesdienst am Jahrestag seiner Priesterweihe verabschiedet sich Pfarrer Günter Hasenbein. FOTO: AK

Eine letzte Predigt

  • vonAndrea Kipp
    schließen

Butzbach(ak). Einen emotionsreichen Abschied gab es kürzlich in der katholischen Gemeinde St. Gottfried. Nach mehr als 13 Jahren als "Pfarrer im Ruhestand" verließ Günter Hasenbein Butzbach. Der 86-Jährige ist in eine Seniorenresidenz in Grünberg gezogen.

Viel mehr Menschen als die zurzeit erlaubten 50 wären gerne zu dem Abschiedsgottesdienst gekommen, aber dies war ebenso wie ein größerer Empfang nach der Messfeier aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht möglich. Dennoch war der Abend nicht nur für den scheidenden Seelsorger sehr emotional. Er hatte den Jahrestag seiner Priesterweihe für den Gottesdienst ausgewählt. Zum letzten Mal predigte er in Sankt Gottfried, wo ihn viele besonders wegen seiner nachdenklichen Ansprachen schätzten.

Vom Schriftsetzer zum Priester

Viele Gemeindemitglieder aus dem früheren Pfarr-Rektorat St. Michael Fauerbach waren in der Kirche, denn dort war Hasenbein seit Dezember 2006 trotz seines Ruhestands "gefühlt viel mehr als nur der Vertreter des Pfarrers", wie es Pfarrgemeinderatsmitglied Martin Dietrich formulierte. Sehr viele Sonntagsgottesdienste, Osternächte am frühen Morgen, Weihnachtsfeiern und vieles mehr zelebrierte Hasenbein über viele Jahre und unterstützte damit vor allem den früheren Pfarrer Eberhard Heinz. "Wir haben Sie sehr geschätzt", betonte Dietrich als Vertreter der "Fraktion Fauerbach-Wiesental". "Viele Ihrer Worte haben wirklich geholfen." Hasenbein wiederum fühlte sich in Fauerbach sehr wohl. "Das war eine wirkliche Gemeinschaft", sagte er.

Pfarrer Tobias Roßbach erzählte von einem Foto, auf dem zu sehen sei, wie der junge Günter Hasenbein in kurzer Hose beim Bau der St.-Gottfried-Kirche mithalf. "Sie haben nicht nur an der Kirche aus Stein mitgebaut, sondern auch an den Herzen der Menschen", dankte er.

Günter Hasenbein wurde in Schneidemühl (Westpreußen) geboren und kam 1947 mit seinen Eltern nach Butzbach, wo er eine Lehre als Schriftsetzer machte. Nach dem Theologiestudium wurde er am 25. Juli 1963 in Mainz zum Priester geweiht. Nach verschiedenen Stationen als Pfarrer in Mainz und Umgebung war von 1985 bis 2001 Grünberg seine letzte Station. Danach lebte er fünf Jahre in Laubach, ehe er nach Butzbach zurückkehrte. Trotz seines Ruhestands war er wie viele seiner Amtsbrüder noch in der Seelsorge tätig. Er half nicht nur in St. Gottfried und St. Michael aus, sondern auch in Friedberg, Ilbenstadt, Stockstadt, Dorn-Assenheim und Ober- und Nieder-Mörlen. Besonders wichtig waren ihm neben den Gottesdiensten die seelsorglichen Einzelgespräche, oft auch am Telefon.

In seiner Predigt ließ Pfarrer Hasenbein unter dem Motto von Dag Hammarskjöld, "Für das Vergangene: Dank; für das Kommende: Ja!", die Stationen seines Lebens Revue passieren. Er gehe mit Zuversicht und Vertrauen in die kommenden Jahre getreu dem Liedvers: "Der Herr ist nahe allen, die ihn suchen."

Bei einem Umtrunk vor der Kirche wünschten viele Gottesdienstbesucher dem scheidenden Seelsorger alles Gute und dankten ihm für sein Engagement in Butzbach. Anstelle von persönlichen Geschenken, die er bei diesem Umzug - "der 18. in meinem Leben" - nicht brauchen könne, hatte er um Spenden für das Caritas Babyhospital in Bethlehem gebeten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare