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»Dass ich mal so lange Pfarrer sein werde, hätte ich als Jugendlicher nicht gedacht«, sagt William Thum - denn damals war sein Draht zur Kirche nicht besonders gut.

Abschied

Eine »erfüllte Zeit« als Pfarrer geht zu Ende

  • VonRedaktion
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Der Kirch- und Pohl-Gönser Pfarrer William Thum geht nach 30 Jahren in den Ruhestand. Zum Abschied erzählt er, warum er sich nicht habe vorstellen können, so lange Pfarrer zu sein, und was er nun vorhat.

Nachricht vom Pfarrer: Jeden Morgen hat sich Pfarrer William Thum in den vergangenen Monaten seit dem Start der Corona-Pandemie einen kurzen Impuls überlegt und ihn mit einem passenden Musiktitel per Messenger-Dienst an Gemeindeglieder, Freunde und Bekannte verschickt. Den letzten »Corona-Impuls« wird es am 15. August geben. Dann verabschiedet sich William Thum in den Ruhestand. Rund 30 Jahre war er Pfarrer in der Region Butzbach, zunächst in der evangelischen Kirchengemeinde Ostheim, seit 2002 in Kirch- und Pohl-Göns.

»Dass ich mal so lange Pfarrer sein werde, hätte ich als Jugendlicher nicht gedacht«, sagt Thum. Denn damals hatte er keinen guten Draht zur Kirche: »Meinen Konfirmandenunterricht habe ich abgebrochen, weil ich mit dem Pfarrer nicht zurechtgekommen bin«, erzählt er. »Erst mit 18 Jahren habe ich mich taufen lassen.«

Es folgten ein Theologie-Studium in Frankfurt und Bonn, erste Erfahrungen in den Gemeinden Frankfurt-Nieder-Eschbach und Mainz-Laubenheim sowie ein Spezialpraktikum in der Leppermühle in Buseck, das den Pfarrer bis heute prägt. »Dort habe ich mit psychisch kranken Kindern und Jugendlichen gearbeitet und unheimlich viel gelernt.«

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mache ihm bis heute viel Freude, etwa in den Konfi-Stunden oder beim Religionsunterricht. »Zu vielen ehemaligen Konfirmanden habe ich noch Kontakt«, erzählt er. Und er müsse feststellen: »Die Zahl der Jugendlichen mit seelischen Problemen hat in den vergangenen zehn bis zwölf Jahren stark zugenommen. Das finde ich erschreckend.« Oft wenden sich Jugendliche mit Problemen im Vertrauen an ihn, berichtet er.

Interessant war für Thum auch die Zeit als Dekan im früheren Dekanat Butzbach Ende der 90er Jahre. Seit der letzten Wahl sitzt er außerdem in der Kirchensynode der EKHN. »Auch das ist sehr interessant, aber keinesfalls zu unterschätzen. Es gibt viel zu lesen und vorzubereiten zwischen den Sitzungen.« Das Amt nimmt er auf Wunsch der Dekanatssynode noch bis zum Frühjahr 2022 wahr.

Thum ist nicht nur Pfarrer in Kirch- und Pohl-Göns, sondern auch vielfältig vor Ort engagiert - sei es im Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr, im Musikzug oder wenn er zur Fassnacht gemeinsam mit Kirchenvorstand Lutz Herbel verkleidet auf der Bühne steht. Das ist einer der Gründe, weshalb er in Kirch-Göns wohnen bleibt. Gebürtig kommt Thum aus Frankfurt, in Friedberg ist er zur Schule gegangen.

Reisen, Theater, Bücher

»Es war eine sehr erfüllte Zeit, doch jetzt beginnt eine neue, auf die ich sehr gespannt bin«, sagt Thum im Hinblick auf seinen Abschied. Er freue sich auf die neu gewonnene Freiheit, die er zum Beispiel für Besuche im Theater oder Ballett nutzen will sowie dafür, noch viele schöne Ecken in Deutschland zu bereisen und einen ausgedehnten Dänemark-Urlaub. »Ich werde es genießen, ganz spontan entscheiden zu können.« Gleichzeitig will er es ruhig angehen lassen, sich auch Zeit nehmen für seine andere Leidenschaft: seine Bücher und das Lesen. »Wie Jugendliche heute also sagen würden: ›Ich werde jetzt erst mal chillen.‹«

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