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Tamara Olbricht-Heyder und Daniel Olbricht haben sich darauf spezialisiert, die gesunde Luft der Bad Nauheimer Gradierwerke in häusliche Räume zu bringen.

Ein Hauch von Nordsee

Die Sole-Brise im Wohnzimmer

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Wer Salzluft liebt, weiß einen Spaziergang an den Bad Nauheimer Gradierwerken zu schätzen. Tamara Olbricht-Heyder und Daniel Olbricht haben eine Miniausgabe für den Hausgebrauch entwickelt.

Seit drei Jahren lebt Tamara Olbricht-Heyder mit ihrem Mann Daniel Olbricht (32), den Söhnen Luca (9) und Elias (3) in Butzbach. Da die 31-jährige gebürtige Bad Nauheimerin Heimweh hatte, wollte ihr Mann ihr nach dem Umzug ein kleines Stück Kurstadt mitgeben.

Aus Mineralguss baute er ihr ein Minigradierwerk, da sie eine enge Beziehung zu den Gradierbauten hat. »Ich merkte, dass ihr etwas fehlte«, blickt er zurück. Sie freute sich riesig. »Es sah wunderschön aus, leuchtete in meiner Lieblingsfarbe Lila«, erzählt sie. Freunde fanden das Stück interessant und fragten, ob sie auch eins haben können.

Daniel Olbricht hat seit sechs Jahren eine Hobby-Werkstatt in der Weidig-Stadt, in der er sein handwerkliches Geschick auslebt. Dort baute er die Miniatur analog eines großen Gradierwerks auf, mit Schwarzdorn, Solebehälter und -verteilung. »Den ersten Schwarzdorn hatte ich aus dem eigenen Schrebergarten, als ich die Schlehenhecke etwas kürzte«, erzählt er.

Anfängliche Schwierigkeiten

Bei der Ernte ist der Zeitpunkt wichtig, wie Olbricht merkte, als das Gehölz im Gradierwerk weiterwuchs. »Das Holz fiel an beiden Seiten raus«, berichtet er.

Aber es gab auch andere Schwierigkeiten, beispielsweise setzten sich Löcher in einem Schlauch zu und das Wasser spritzte heraus. Olbricht-Heyder musste deshalb viel putzen, wie sie sich schmunzelnd erinnert. Ein halbes Jahr tüftelte ihr Mann immer wieder daran.

Viele Anfragen nach TV-Sendung

Spaßeshalber setzte er ein Foto in Ebay-Kleinanzeigen, um eine eventuelle Nachfrage zu prüfen. Eine ganze Weile hörte er nichts, bis 2018 ein Teilnehmer der Fernsehshow »Das perfekte Dinner« ein selbst gebautes Minigradierwerk vor der Kamera präsentierte. »An dem Tag bekam ich Anfragen ohne Ende. Zuerst dachte ich, jemand will mich veräppeln.«

Einer wies ihn auf die Sendung hin. Den vielen Interessenten, die sich nach der TV-Ausstrahlung meldeten, stellte Olbricht Fragen: Was es kosten darf und welche genauen Wünsche sie haben. »Ich machte eine Liste mit Merkmalen und habe daraus ein Konzept entwickelt, wie das optimale Gradierwerk für zu Hause auszusehen hat.«

Nach Feierabend oder an den Wochenenden baute er Prototypen, die ins Wohn- und Schlafzimmer passen und auch in unterschiedlichen Farben leuchten können. Ehefrau Tamara unterstützte ihn dabei, denn beide teilen ihre Hobbys. »Wir testeten verschiedene Materialien. Es dauerte eineinhalb bis zwei Jahre, bis wir es serienreif hatten - zig Versuche hatten wir. Es hing an Kleinigkeiten, denn der Teufel liegt im Detail.«

50 Stück an COPD-Gruppe verschenkt

Im August meldeten sie ihr Gewerbe an, seit November haben sie Geschäftsräume für ihr Unternehmen Skylos Design in Butzbach. Tamara Olbricht-Heyder ist Inhaberin, Olbricht Ideengeber. Da sie und die Kinder oft mit Papa Daniel in der Werkstatt sind, verbringt die Familie sehr viel gemeinsame Zeit. Auch Schäferhund-Mix Anna aus Kroatien ist immer dabei.

Zuvor versuchte das Ehepaar herauszufinden, ob die Gradierwerke Menschen mit COPD (chronisch obstruktiver Lungenerkrankung) helfen können. »Wir hatten im April circa 50 Stück in einer COPD-Gruppe auf Facebook verschenkt und um Feedback gebeten«, erzählen sie.

Viele Betroffene dieser Krankheit hätten wenig Geld, seien schwer krank und könnten nicht mehr zum Gradierwerk fahren. »Denen wollten wir etwas Gutes tun. Die Menschen haben sich so gefreut und das hat auch uns sehr gefreut. Wir haben erfahren, dass es ihnen besser geht und das ist top.«

Nachhaltigkeit mit Recyclingmaterial

Den Schwarzdorn beziehen sie mittlerweile aus Polen, von wo bereits die zweite Lastwagenfuhre eingetroffen ist. »Mittlerweile haben wir auch schon die Johanniter und Seniorenheime mit größeren Modellen ausgestattet.« Sogar im Fernsehen war das Paar mit ihrem Produkt bereits.

Bei alldem ist ihnen Nachhaltigkeit wichtig, was sich in dem recycelten Material zeigt, welches sie verwenden. Die Sole stellen die Kunden auf eigene Faust her, indem sie Wasser und Meersalz miteinander verrühren, je nach individuellem Bedarf.

Über den Erfolg freut sich die junge Familie. »Es war am Anfang nur Liebhaberei, ein Hobby - nun wird es von Monat zu Monat immer mehr.«

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