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d-pennts: 50 Jahre Beat in Butzbach

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Haben’s noch drauf (von links) Martin Schnur, Reiner Mohr, Jürgen Pinkernelle, Wolfgang Zerb, Karl-Heinz Eberhard und Wilfried Boch.
Haben’s noch drauf (von links) Martin Schnur, Reiner Mohr, Jürgen Pinkernelle, Wolfgang Zerb, Karl-Heinz Eberhard und Wilfried Boch. © Hartmut Preuß

Butzbach (hwp). Es hört sich an wie ein modernes Märchen: Eine vor 50 Jahren gegründete Schülerband mit dem Fantasienamen »d-pennts«, die den Beat nach Butzbach brachte, kommt nach Jahrzehnten wieder zusammen, packt die Instrumente aus, gibt ein Jubiläumskonzert. Und wird wie damals in den höchsten Tönen gelobt.

Am Sonntagnachmittag verwandelte sich der zünftige Biergarten des Butzbacher Forsthauses bei schönstem Wetter in eine Freiluftarena. Weit über 500 Wegbegleiter der d-pennts und Fans des echten, ursprünglichen Beat feierten bis in den Abend hinein bei bester Livemusik aus den Jahren zwischen 1961 und 1968.

Zu den Hits der Beatles und Animals abtanzen, sich an den rasch besetzten Tischen von den unverwüstlichen Hymnen jener Zeit begleiten lassen oder entspannt an einem Stehtisch den Top-Oldies zu lauschen – jeder hatte auf seine Art viel Freude an dem Geschehen auf der schattigen Bühne.

Exzellent moderierte Rita Herth, die nicht nur die Eckdaten des Zeitgeschehens parat hatte, sondern auch feine Anekdoten aus Butzbachs wilden Sechzigern mit dem weithin bekannten ausgedehnten Nachtleben.

Eintauchen in diese Zeit des Aufbruchs durfte man zudem beim Rundgang durch die große Bilder-Ausstellung von Ulrike von Vormann, mit Klassenfotos, Menschen, Häusern und Straßen, die viele Besucher noch in guter Erinnerung hatten.

1964 starteten die d-pennts durch – immer noch dabei ist von der Urformation Wilfried »Witzi« Boch – mit ihm starteten einst Reinhard Jung, Norbert Koschel und Waldemar Schütz. Mit einem Virus infiziert, waren Boch und Jung vom Schüleraustausch aus England zurückgekommen – mit dem Beat-Virus. Rasch fand sich das Ur-Quartett, besorgte sich Instrumente, drittklassige Verstärker. Noten kannte keiner, »Witzi« saß vor dem Radio und schrieb die Texte der englischen Titel mit, gespielt wurde solange nach Gehör, »bis es stimmte«.

1965 in der Alten Turnhalle beim Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsfest der erste öffentliche Auftritt – sogar der Hessische Rundfunk war vor Ort und berichtete. In den nächsten Jahren waren sie auf den Bühnen gefragt, wurden sogar mit Limousinen samt Chauffeur nach Friedberg und Frankfurt abgeholt – oder spielten »zu Hause« in der »Wilhelmshöhe«, im »La Danca« (heute »Busters Workshop«) oder im legendären Gambacher »Rosengarten«.

In zwischenzeitlich mehrfach geänderter Besetzung beschloss die Band mit einem gefeierten Rosengarten-Konzert im August 1967 das Kapitel »d-.pennts«. Persönliche wie berufliche Pflichten wurden wichtiger, dennoch verlor man sich nie aus den Augen, und bis heute spielen die aktuellen Bandmitglieder in verschiedenen Bands. Mit gelegentlichen Auftritten lebte die Band seit 2005 immer wieder auf.

Auf der »Route 66« von Chuck Berry ging es am Sonntag endlich los – über drei Stunden lang folgte Hit auf Hit. Ganze 4 der 33 Titel des Konzerts mussten geprobt werden, alle anderen hatten sie immer noch drauf. Für »Ferry cross the Mersey« oder das »House of the rising sun« war Szenenapplaus sicher, und wenn Leadsänger Jürgen »Pinkus« Pinkernelle richtig in Fahrt war mit seiner rauchigen Stimme, fetzte es im Biergarten – die Spielfreude der sechs Musiker war so grandios wie die Reaktionen der Fans, unter denen auch Landtagspräsident Norbert Kartmann und Bürgermeister Michael Merle waren.

Ob »Hang on Sloopy«, »Don’t ha ha« oder »Satisfaction« – das Jubiläum am Forsthaus machte Lust auf mehr von den heutigen d-pennts Wilfried »Witzi« Boch, Reiner Mohr, Martin Schnur, Karl-Heinz »Charly« Eberhard, Jürgen »Pinkus« Pinkernelle und Wolfgang »Carlo« Zerb.

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