Besuch am Lockstock; Wildkatzen sind eher nachtaktive Räuber.	FOTO: BLICKPUNKT NATUR/HELMUT WELLER
+
Besuch am Lockstock; Wildkatzen sind eher nachtaktive Räuber. FOTO: BLICKPUNKT NATUR/HELMUT WELLER

Wetterau

Nächtliche Jäger in Butzbach: Vier Wildkatzen nachgewiesen

  • vonRedaktion
    schließen

Man kann sie leicht mit einer Hauskatze verwechseln. Doch Wildkatzen eignen sich ganz und gar nicht zum kuscheln und sind extrem scheu. Vier von ihnen sind bei Butzbach heimisch geworden.

Butzbach – Fast ausgerottet, hat sie sich in den vergangenen Jahren wieder stärker ausgebreitet und neue oder alte Lebensräume zurückerobert. Auch in der Wetterau. Die Wildkatze fühlt sich zum Beispiel in der Nähe von Butzbach wohl: Rund um die Stadt leben mindestens vier verschiedene dieser Raubtiere.

Dies ist das Ergebnis der Wildkatzenerfassung, die der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Zusammenarbeit mit Hessen Forst, dem Forstamt Weilrod und der Stadt Butzbach in diesem Jahr im Butzbacher Wald durchführte.

Wetterau: Wildkatzen-Haarproben an Lockstöcken aus Butzbach gefunden

Die elf Haarproben, die von den sogenannten Lockstöcken abgesammelt wurden, ließ der BUND bei der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung, Abteilung Wildtiergenetik, in Gelnhausen untersuchen und genetische Profile erstellen. Sie stammen von zwei männlichen und zwei weiblichen Tieren, deren genetische Herkunft der Taunus-Population zugeordnet werden kann.

»Es gab bereits verschiedene Hinweise darauf, dass im Butzbacher Wald Wildkatzen leben«, berichtet Joachim Höller vom BUND Butzbach. »Wir freuen uns sehr, diese Hinweise nun mit sicheren Nachweisen bestätigen zu können.

Wildkatzen in Butzbach: Gefährliche B3-Überquerung

Dabei konnten die Wildkatzen sowohl im Wald rund um den Hausberg, als auch im Griedeler Markwald nachgewiesen werden.« Ein Kuder, wie die männliche Wildkatze auch genannt wird, war besonders aktiv und hat insgesamt vier verschiedene Lockstöcke in teilweise kurzen Zeitabständen besucht. Dabei muss er auch mehrere Male die B3 nördlich von Butzbach gequert haben - eine gefährliche Situation für das Tier, ist doch der Straßenverkehr die häufigste unnatürliche Todesursache für die immer noch seltene Samtpfote.

Auch ein Feldgehölz wurde durch den Kuder auf seinen Wanderungen öfter genutzt, was die Wichtigkeit solcher Strukturen außerhalb des Waldes für die Vernetzung der Wildkatzen-Lebensräume unterstreicht. Möglich wurde die Untersuchung durch den Gewinn bei der Umweltlotterie GENAU im Oktober 2019, bei der das Projekt für den Zusatzgewinn von 5000 Euro ausgewählt wurde.

Wildkatzen schützen in Hessen: Wälder miteinander verbinden

In Hessen leben schätzungsweise wieder rund 1000 Wildkatzen, berichten die Naturschützer. Einst durch massive Bejagung fast ausgerottet, steht die Art heute unter strengem Artenschutz und kann sich langsam wieder ausbreiten. Seit 2004 engagiert sich der BUND daher im Projekt »Rettungsnetz Wildkatze« für den Schutz der gefährdeten Tiere und ihres Lebensraums. Das Ziel: Die Wälder Deutschlands wieder miteinander zu verbinden.

»Diese Lebensraumvernetzung stützt die biologische Vielfalt, sie hilft nicht nur der Wildkatze, sondern auch vielen weiteren Waldbewohnern wie Rothirsch und Luchs«, erläutert der BUND. Naturnahe Wälder und Halboffenlandschaften gelten als Lebensräume der Europäischen Wildkatze. Sie ist nachtaktiv und deshalb nur schwer zu beobachten, erklärt die Deutsche Wildtier-Stiftung. Der geschickte Mäusejäger habe mit der Hauskatze aber nur wenig gemein: »Wildkatzen sind zwar kaum größer als Hauskatzen, durch ihr längeres Fell, besonders im Winter, wirken sie aber meist etwas kräftiger.

Wildkatze meidet Menschen

Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zwischen Wildkatzen und wildfarbenen Hauskatzen ist der dickere Schwanz der Wildkatze, der weniger Ringe aufweist als der von Hauskatzen und auffällig stumpf endet.« Im Freiland falle aber auch das Verhalten der Wildkatze auf: »Sie ist sehr scheu und meidet die Nähe zum Menschen strikt.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare