Diese Models haben sich dafür entschieden, ausschließlich für nachhaltige und faire Produkte zu werben. Die Fotos sind in Schwarz-Weiß gehalten, damit es keine ablenkenden Elemente gibt und der Fokus auf den Models liegt, sagt Agenturgründerin Anna Voelske.	FOTOS: ANNA VOELSKE
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Diese Models haben sich dafür entschieden, ausschließlich für nachhaltige und faire Produkte zu werben. Die Fotos sind in Schwarz-Weiß gehalten, damit es keine ablenkenden Elemente gibt und der Fokus auf den Models liegt, sagt Agenturgründerin Anna Voelske. FOTOS: ANNA VOELSKE

Nachhaltigkeit an erster Stelle

Butzbach: Modelagentur für Fairfashion ist das erste seiner Art in Deutschland

Ressourcen schonen und Mitarbeiter fair behandeln. Dafür stehen Produkte wie Fairtrade-Kaffee oder Bio-Baumwollhosen. In Butzbach gibt es das erste Fairmodel-Studio Deutschlands.

Butzbach – »Ein Fairmodel ist ein Model, das sich verpflichtet, nur für nachhaltige Firmen zu arbeiten, und das auch im Privaten einen bewussten Lifestyle hat«, sagt Anna Voelske, die Gründerin der Agentur Fairmodel. »Wichtig ist Respekt im Umgang mit den Menschen und der Umwelt.«

Der Gedanke, Fairmodel zu gründen, kam Anna Voelske bei ihrer Arbeit als Modefotografin.

Viele Firmen, mit denen sie Shootings hatte, hätten ihr davon berichtet, wie ärgerlich es sei, wenn ein Model erst für nachhaltige Produkte werbe und anschließend bei einer großen Kampagne für Fastfashion - schnell produzierte Kleidung, die weder nachhaltig ist, noch eine gute Qualität aufweist und meist unter schlechten Arbeitsbedingungen produziert wird - zu sehen sei.

Fairmodel-Studio in Butzbach: Abgrenzung bietet viel Potenzial

So etwas soll mit der neuen Agentur verhindert werden. Dafür steht auch das Versprechen der Agentur: »Wir geben Marken ein Gesicht, welches für Nachhaltigkeit steht.«

Es sei für die Models zwar eine Limitation, nur noch für nachhaltige Firmen und Produkte zu werben, doch biete diese Abgrenzung auch viel Potenzial.

»Die Models können so ihren eigenen Stil ausleben. Wer wirklich ein Fairmodel sein will, möchte auch gar nicht erst für andere Produkte werben. Aber klar ist: Models, denen es nur ums Geld geht, sind hier falsch«, sagt Anna Voelske.

Fairmodel-Studio in Butzbach: Erstes Shooting zum Kennenlernen

Ob die Models wirklich Fairmodels werden wollen, stellt die Fotografin bei einem ersten Kennenlernen fest. »Für die meisten ist es schon eine Hürde, nach Butzbach ins Studio zu kommen. Da sagen viele vorher ab.

Denn die Strecke durch ganz Deutschland legen nur diejenigen zurück, die es auch wirklich ernst meinen. Wenn die Models dann hier sind, erzählen sie oft ihre Geschichte, warum sie Fairmodels werden wollen.«

Zu dem Kennenlernen gehöre außerdem ein erstes Shooting. Anschließend könne Anna Voelske besser beurteilen, zu welcher Firma das jeweilige Model passen würde. Für die Firmen gebe es zudem den Vorteil, dass man aus einem Shoot mit einem Fairmodel gut eine Geschichte machen könne. Denn das Model stehe hinter den Werten der Produkte.

Fairmodel-Studio in Butzbach: Nachhaltig, fair und umweltbewusst

Die Agentur arbeitet deutschlandweit mit Firmen der Ökobranche zusammen. Dazu zählt unter anderem das ebenfalls in Butzbach ansässige Unternehmen Hessnatur. Hessnatur stellt seit 45 Jahren Kleidung Ressourcen schonend aus Naturmaterialien her.

Ein Fairmodel könne nur sein, wer auch hinter der Unternehmensphilosophie der Agentur stehe, betont die Gründerin. Die tragenden Werte seien Nachhaltigkeit und Fairness.

Fairmodel-Studio in Butzbach: Nicht für alle erschwinglich

Anna Voelske sieht in der Agentur eine Möglichkeit, faire Produkte weiter in das Bewusstsein der Menschen zu rücken. Ein Problem von Fairfashion sei es, dass es je nach Einkommen für einige gar nicht möglich sei, solche Produkte zu kaufen. »Es ist noch nicht einfach, nachhaltig zu leben. Ich würde mir wünschen, dass es einfacher ist, das Richtige zu tun.«

Die Fairmodels aus der Agentur würden nicht nur für nachhaltige Produkte werben, sondern sich auch mit eigenen Projekten für eine bessere Welt einsetzen. Anna Voelske hat zudem den Wunsch, dass sich die Politik verstärkt für die Umwelt und faire Produkte einsetzt.

Fairmodel-Studio in Butzbach: Bei Auswahl auf Diversität geachtet

»Wenn eine Veränderung gewünscht wäre, wäre es auch möglich, etwas zu verändern. Man könnte beispielsweise dafür sorgen, dass Bio-Lebensmittel auch die günstigsten Lebensmittel sind. Oder die Kennzeichnungsarten verändern: nicht darauf hinweisen, was bio ist, sondern was schädlich ist.«

Derzeit arbeiten ungefähr 35 Models für Fairmodel. Bei der Auswahl der Models werde auch auf Diversität geachtet. Es gibt aus verschiedenen Altersgruppen sowohl männliche als auch weibliche Models. Auf diese Weise könne auf die unterschiedlichen Produkte und Firmen individuell eingegangen werden. Auch bei einem Fairmodel sei der Körperbau nicht unerheblich.

Fairmodel-Studio in Butzbach: An gängigen Größen orientieren

»Wir sind nicht so streng wie herkömmliche Modelagenturen, aber auch wir müssen uns an gängigen Größen orientieren. Gerade bei Modeshootings muss die Kleidung dem Model passen, sonst funktioniert das ganze Shooting nicht.« Es gebe aber auch Ausnahmefälle, wenn die Ausstrahlung stimme. So werde beispielsweise bei Bildern für Make-Up oftmals nur das Gesicht fotografiert.

Das Start-Up wurde 2017 gegründet und ist seitdem wie eine Pflanze am Wachsen. Anne Voelske sagt: Models, die sich der Idee von Fairmodel verpflichten wollen, seien immer willkommen.

Definition von Fairfashion

Damit ein Kleidungsstück zur Fairfashion zählt, müssen zwei Kriterien erfüllt sein: Die Materialien müssen nachhaltig gewählt sein. Das bedeutet, dass eine Yogahose beispielsweise komplett aus Bio-Baumwolle besteht. Eine andere Möglichkeit ist das »Upcycling«. Dabei werden Endprodukte, wie zum Beispiel eine alte Jeansjacke, wiederverwendet, indem aus dem Stoff der Jacke etwas Neues gefertigt wird. Wichtig ist, dass der Kreis geschlossen bleibt und die Produktion neuer Materialien klimaneutral verläuft. Die Arbeitsbedingungen für diejenigen, die die Produkte herstellen, müssen fair sein. SMF

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