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Butzbach: Jugendheim »Hubertus« nimmt Geflüchtete auf

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Handwerker richten das Kreisjugendheim »Hubertus« im Butzbacher Wald derzeit zur Aufnahme von Flüchtlingsfamilien her. Sie sollen im Juli dort einziehen. ARCHIV © Klaus Nissen

Es ist wieder Leben im Kreisjugendheim »Hubertus« im Wald zwischen den Butzbacher Stadtteilen Bodenrod und Münster. Handwerker richten es zur Aufnahme von Flüchtlingsfamilien her.

Im Juli werden etwa 90 Geflüchtete aus diversen Ländern in den Zimmern des Kreisjugendheims »Hubertus« einziehen - obwohl das Haus sehr abgelegen ist und vor Ort keine ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer wohnen. Es bleibt keine andere Wahl, heißt es im Landratsamt.

K reis-Sprecherin Deliah Eckhardt: »Aufgrund des aktuellen Weltgeschehens muss der Wetteraukreis kurzfristig alle Möglichkeiten nutzen, um Kapazitäten zur Unterbringung von Geflüchteten zu schaffen.« Die Stadt Butzbach werde die Menschen sozialarbeiterisch betreuen. Der Wetteraukreis richte einen Fahrdienst ein, damit die Menschen von »Hubertus« aus einkaufen können und die Kinder in die Schulen kommen.

»Hubertus« bei Butzbach: Jugendheim seit 1949 vom Kreis betrieben

Das schon seit 1949 vom Landkreis betriebene Jugendheim diente lange für Klassen-Freizeiten. Als 2015 Tausende Flüchtlinge in die Wetterau kamen, wurde es vorübergehend zur Wohnstätte unbegleiteter minderjähriger Geflohener. Seit 2017 war die drei Hektar große Anlage eingemottet. Die Reaktivierung als Jugendheim erschien der schwarz-roten Koalition zu teuer. Die Kreisverwaltung ließ eine Machbarkeitsstudie erstellen. Sie empfahl, »Hubertus« zu einem modernen Touristen- und Jugendgästehaus mit 120 Betten in Zwei- und Vierbettzimmern umzubauen und zugleich einen Stützpunkt für durchreisende Wohnmobil-Touristen zu schaffen. Die Kosten wurden auf mehr als drei Millionen Euro beziffert.

Doch das Konzept landete in der Schublade, als im Dezember 2020 die Stadt Butzbach ihr Interesse an dem Jugendgästehaus bekundete. »Wir suchten Wege, wie man es nutzen könnte«, sagt Bürgermeister Michael Merle (SPD) auf Anfrage. »Aber dann haben sich die Ereignisse überschlagen.« Nun brauche man jede freie Unterkunft für Geflüchtete. Unklar ist, ob die Butzbacher noch ein echtes Interesse an »Hubertus« haben.

»Hubertus« bei Butzbach: 3300 Geflüchtete aus der Ukraine im Wetteraukreis

Momentan betreut der Wetteraukreis laut Deliah Eckhardt rund 2500 Geflüchtete - ohne die Ukrainer mitzurechnen - in diversen Unterkünften. Die Notunterkunft in zwei Niddaer Sporthallen wurde Ende Mai und am 11. Juni aufgelöst. Nun leben die Geflohenen unter anderem in den früheren US-Kasernen in Büdingen und Friedberg. In Büdingen will der Wetteraukreis laut Deliah Eckhardt bald Geflüchtete im Hotel Sonnenberg unterbringen.

Aus der Ukraine sind seit dem 24. Februar etwa 3300 Menschen in den Wetteraukreis geflohen. Der Zustrom hat sich von anfangs etwa 300 auf jetzt 25 bis 80 Neuankömmlinge pro Woche verringert, hieß es während eines Treffens der Arbeitsgemeinschaft Flüchtlingshilfe mit Behördenmitarbeitern. Geflohene aus der Ukraine werden von den 25 Wetterauer Städten und Gemeinden untergebracht - sie müssen aber von der ohnehin überlasteten Ausländerbehörde des Kreises »verwaltet« werden.

»Hubertus« bei Butzbach: Geflüchtete erleben einen »Rechtskreiswechsel«

Das wird noch schwieriger, weil Geflohene aus der Ukraine einen »Rechtskreiswechsel« erleben. Seit dem 1. Juni haben sie nicht mehr den Status von Asylbewerbern, sondern gelten nach dem Sozialgesetzbuch II als Arbeitssuchende und Menschen in besonderen Notlagen.

Das bringt den Frauen, Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine gut 20 Prozent mehr Sozialhilfe als Geflohenen aus anderen Ländern. Aber dieser Vorteil wird mit zusätzlicher Bürokratie erkauft. Sämtliche Anträge auf Aufenthalt und Unterhalt sind neu zu stellen, erläuterte die Kreis-Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch (SPD) den Flüchtlingshelfern.

»Hubertus« bei Butzbach: Weiterer Aufwand für Verwaltung

Alle Menschen aus der Ukraine brauchen kurzfristig eine »Fiktionsbescheinigung« - also eine Art vorläufiger Personalausweis. Für sie gab es vorübergehend nicht genug grüne Vordrucke. Inzwischen sei das Problem gelöst, heißt es nun.

Weiteren Verwaltungsaufwand bereiten die rund 320 Geflohenen über 57 Jahre, die nach ukrainischem Recht Rentenansprüche haben. Sie bekommen in der Wetterau auf Antrag eine Grundsicherung im Alter nach dem Sozialgesetzbuch XII.

Dazu muss man beispielsweise aber seinen in kyrillischer Schrift gehaltenen Reisepass von der heimischen Botschaft übersetzen und beglaubigen lassen.

Die seit Juni geltenden Aufenthaltsregeln für Ukrainer erlauben für ein Jahr auch die Arbeitsaufnahme in Deutschland. Sie müssen sich nach dem »Rechtskreiswechsel« nun selbst eine Krankenversicherung suchen.

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