Milan Toups berät eine Brunnenbesitzerin über die Möglichkeit einer Wasseruntersuchung.
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Milan Toups berät eine Brunnenbesitzerin über die Möglichkeit einer Wasseruntersuchung.

"Brunnenbesitzer sind wütend"

  • vonred Redaktion
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Butzbach(pm). Mehrere Brunnenbesitzer waren frustriert, denn der Verein VSR-Gewässerschutz hatte keine gute Nachricht für sie: Ihr Wasser enthält zu viel Nitrat.

Die gemeinnützige Organisation führt Analysen im Labormobil durch und fordert mehr Ökolandbau, um die Gewässerbelastung zu verringern. Um zu erfahren, ob das Wasser aus dem eigenen Brunnen bedenkenlos zur Bewässerung oder zum Planschen mit den Kindern genutzt werden kann, ließen 66 Brunnenbesitzer aus der Wetterau Mitte Juni ihre Proben am VSR-Informationsstand in Butzbach testen. Das Ergebnis: "Bei jeder dritten Probe wurde die zulässige Nitratkonzentration von 50 Milligramm pro Liter überschritten", teilt der Verein mit.

Belastete Probe aus Hoch-Weisel

Betroffen sei das oberflächennahe Grundwasser in Brunnen aus dem Raum Langgöns, Münzenberg, Butzbach, Rockenberg, Bad Nauheim und Rosbach. Als Ursache für die hohe Belastung des Grundwassers nennt der VSR die intensive Landwirtschaft. "Die EU-Agrarpolitik fördert bis heute Betriebe, für die hohe Erträge an erster Stelle stehen und die Verringerung der Nitratbelastung nur lästige Auflagen sind, die sie versuchen zu umgehen", sagt Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende der gemeinnützigen Organisation. Sie fordert, dass Subventionen nur noch an Landwirte mit einer gewässerschonenden Bewirtschaftung gezahlt werden.

Die Untersuchungen in Butzbach seien von Diplom-Physiker und Projektleiter Harald Gülzow in Unterstüzung von den Bundesfreiwilligen Lennart Hoster und Milan Toups durchgeführt worden. Sie hätten unter anderem eine Probe entnommen, die mit 276 Milligramm Nitrat pro Liter "wohl ein Spitzenreiter" sein dürfte. Das Wasser dieser Probe stamme aus einem privat genutzten Brunnen in Hoch-Weisel. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer eigenen Angaben nach in Gambach (110 mg/l), in Pohl-Göns (101 mg/l), in Griedel (119 mg/l), in Oppershofen (91 mg/l) und in Nieder-Weisel (86 mg/l) fest.

Vielen Bürgern sei bei der Untersuchung klargeworden, wie stark das Grundwasser in der Region belastet ist. Das sorge für Ärger und Frust unter den Brunnenbesitzern. "Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist."

Plädoyer für Ökolandbau

Der VSR fordert die Agrarpolitik dazu auf, die Nitratbelastung der Gewässer zu verringern. "Die Agrarlobby darf die wichtigen Entscheidungen zu einer gewässerschonenden Landwirtschaft nicht wieder untergraben", sagt Bareiß-Gülzow. "Es wird höchste Zeit für eine Agrarpolitik, die sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusst ist und eine umweltverträgliche und nachhaltige Landwirtschaft fördert."

Subventionen an Betriebe, die das Grundwasser stark belasten würden, hätten große Probleme geschaffen. Dadurch seien etwa auch bäuerliche Landwirtschaft verdrängt worden, die auf chemisch-synthetischen Stickstoffdünger verzichte.

Bareiß-Gülzow: "Der ökologische Landbau kann die von der Agrarindustrie hervorgerufene Nitratbelastung erheblich verringern. Er bedarf daher wesentlich mehr Unterstützung."

Auf einer "Nitratkarte" im Internet veranschaulicht der VSR, in welchen Regionen die Belastungen besonders hoch seien. Wer möchte, kann eine Wasserprobe vom eigenen Brunnen auch per Post an die Umweltschützer senden. Auf www.vsr-gewässerschutz.de finden sich dazu alle nötigen Informationen.

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