Erst bemalen, dann verpacken: Die Kisten gehen nun an Einrichtungen, zum Beispiel Pflegeheime. 		FOTOS: PV
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Erst bemalen, dann verpacken: Die Kisten gehen nun an Einrichtungen, zum Beispiel Pflegeheime. FOTOS: PV

»Tauschplatz Butzbach«

Mit bemalten Steinen »Glücksmomente« verschenken

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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»Glücksmomente« - so nennen Alexandra Seipel und ihre Mitstreiter aus Butzbach die Aktion - »weil es direkt aus dem Herzen kommt«. Sie meint das Projekt, Steine zu bemalen und anderen eine Freude damit zu machen.

Der erste Stein lag im Schlosspark. Klein, bunt und ein Faultier darauf gemalt. Alexandra Seipel nahm ihn mit nach Hause. Dort suchte sie die Facebook-Gruppe, deren Namen auf der Rückseite des Steins geschrieben steht: »SteinReich Wetterau«. Auf der Online-Plattform posten die über 6500 Mitglieder täglich viele Fotos von bemalten Steinen.

Das Prinzip ist recht einfach: Wer einen Stein bemalt hat, sei es mit Motiven oder sei es mit Mustern, postet ein Bild davon in der Gruppe und legt ihn irgendwo in der Wetterau aus. Der Finder, sofern er auch Gruppenmitglied ist, macht ebenfalls ein Foto und stellt es in die Gruppe. Entweder er legt den Stein an einer anderen Stelle aus oder er behält ihn.

So wie Alexandra Seipel: Ihren ersten Stein hat sie behalten. Aber seither viele bemalt, ausgelegt, gefunden und wieder ausgelegt. Doch, sagt die Butzbacherin: Was die ursprüngliche Idee angehe, die Steine »reisen« zu lassen, habe sich im Laufe der Zeit ein kleines Problem entwickelt. »Manche haben 10, 15 Steine abgegriffen und damit ihren Garten dekoriert.« Das ist nicht Sinn der Sache. Und so haben sich im ganzen Wetteraukreis mit der Zeit Stein-Tauschgruppen entwickelt. In Butzbach hat sie den Namen »Wir sind Tauschplatz Butzbach«. Die Gruppe hat 35 Mitglieder, die sich immer freitags zum Steinetauschen getroffen haben, erzählt Seipel. Wegen der Corona-Maßnahmen waren die Treffen jedoch nicht mehr möglich. Steine bemalen aber schon. Und so haben die Mitglieder fleißig weitergemacht. Nun, in Vorbereitung auf die Weihnachtszeit, kam eine vage Idee auf, erzählt Seipel: »Man könnte doch eigentlich etwas Gutes tun. Ich habe die anderen gefragt, und alle waren begeistert.«

Inzwischen ist aus der Idee ein großes Projekt geworden; 1000 Steine sind bereits mit weihnachtlichen Motiven bemalt - Nikoläuse, Elfen, Kerzen - und in Kisten verpackt. Jede mit einem Zettel versehen, auf dem der Adressat steht: »480 Glücksmomente für die Pflegestation Graubert«, steht zum Beispiel auf einer. »150 Glücksmomente für die Palliativstation« auf einer anderen. Manche sind schon verteilt, erzählt Seipel. Zum Beispiel ging eine Kiste an die Obdachlosenhilfe in Gießen oder an einen ambulanten Pflegedienst in Butzbach. Insgesamt werden die Steine an zehn Einrichtungen verteilt.

»Alle freuen sich unglaublich über die Steine«, erzählt Seipel. Was ihr aber aufgefallen ist: Viele wollen erst gar nicht fassen, dass die Gruppe kein Geld für die bemalten Steine nimmt. »Es ist erschreckend, dass es ungewohnt ist, anderen kostenlos eine Freude zu machen.«

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