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Initiatoren für Getreideinseln und Blühstreifen (v. l.): Matthias Gall, Norbert Reitz, Herbert Ulshöfer und Hubert Meyer.

Artenschutz am Ackerrand

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Butzbach(pm). Wildlebensräume in der offenen Ackerlandschaft schaffen - wie das funktionieren kann, zeigen seit Jahren die Landwirte Jim Gray aus Fauerbach und Norbert Reitz aus Ostheim. Zusammen mit der Landwirtschaftlichen Beratungsstelle Friedberg haben sie große Getreideinseln im Feld zum Schutz des Rebhuhns - und anderer Wildtiere - stehen lassen. Außerdem haben sie Wildkräuterränder und -felder mit Sonnenblume, Malve, Klee und vielem mehr eingesät. "Solche Landwirte haben Vorbildfunktion", betont Hubert Meyer, der Vorsitzende des Vereins "Unser Dorf Ostheim".

Auch viele andere Menschen setzen sich für die heimische Natur ein, unter ihnen der Ostheimer Geograph Matthias Gall. Er hat sich auf die Gestaltung von Naturschutzflächen, den Feldhamsterschutz und die Beratung von Landwirten für Naturschutzmaßnahmen spezialisiert. "Gall hat auch in diesem Jahr eine Reihe von Landwirten und Landeigentümern dazu bewegen können, Landstreifen für den Wildlebensschutz einzusäen, wenn möglich dreigeteilt mit Getreide, Luzerne und Blühstreifen", sagt Meyer.

Im selben Bereich und mit denselben Zielen arbeitet die Münzenberger Diplom-Agrarwissenschaftlerin Birgit Ungar, die sich darüber hinaus noch persönlich in Münzenberg in Umweltinitiativen engagiert. Sie hat den Verein "Unser Dorf Ostheim" in diesem Jahr erstmalig beraten.

"Viele Naturschutzinitiativen sind schon entstanden, die in Feld und Flur Blühstreifen anlegen, Brachland als Brachland pflegen und vieles mehr", stellt Meyer zufrieden fest. "Landwirte lassen zunehmend Getreidestreifen stehen, zum Schutz der Laufvögel, Rehkitze und Lerchen. Auch viele Jagdpächter setzen sich für den Natur- und Artenschutz ein." Etwa die Ostheimer Jagdpächter Dennis Schumillas und Nöel Hoffmann, berichtet Meyer. Die beiden richten zum Beispiel Futterstellen für die Übergangszeit für einige der Wildtiere ein. Ebenso beteiligt sind sie am Hegering Wetterau, den die Büdinger Jagdpächter Andreas Mohr und Heiko Blecher mit rund 40 anderen Jagdpächtern gebildet haben. Gemeinsam sorgen sie für die Hege der klassischen Wildtiere und setzen sich ebenfalls für den Insektenschutz ein. Meyer: "Sie säen verfügbare Graswege im Feld ein und sorgen dafür, dass die Feldränder dort nicht abgemäht werden."

Der Vereinsvorsitzende begrüßt, dass in der Butzbacher Koalitionsvereinbarung von 2016 die Schaffung eines "Biotopverbundnetzes" vorgesehen ist. Hierunter solle ein stationäres System von "Biotop-Flächen" verstanden werden, das dauerhaft über die gesamte Landschaft von Butzbach gelegt werde. Leider sei ein solches Konzept bisher jedoch noch nicht ausgearbeitet worden.

"Man muss aber nicht nur mit den Fingern auf die anderen zeigen", betont Meyer. "Wer über einen eigenen Garten verfügt, hat schon jetzt viele Möglichkeiten, etwas für den Umweltschutz zu tun und ›Lebensinseln für Insekten und Klein(st)tiere‹ zu bilden." Dazu gehöre zum Beispiel, auf chemische Unkrautvertilger zu verzichten, Maulwürfe und andere kleine Tiere nicht zu vertreiben sowie Blühstreifen anzulegen - wie der Verein "Unser Dorf Ostheim" selbst, der sich um einige Blühfelder kümmert.

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