Angefangen hat alles mit Shaun. Corinna Heyd hat eine Anzeige mit einem Foto des Alpaka-Hengstes gesehen, ist vorbeigefahren, "nur um mal zu schauen", und war verliebt. Heute leben sechs Alpakas und zwei Lamas auf dem Hof bei Butzbach.
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Angefangen hat alles mit Shaun. Corinna Heyd hat eine Anzeige mit einem Foto des Alpaka-Hengstes gesehen, ist vorbeigefahren, »nur um mal zu schauen«, und war verliebt. Heute leben sechs Alpakas und zwei Lamas auf dem Hof bei Butzbach.

»Alpaka to go«

Alpakas in der Wetterau: neugierig, kuschelig, skeptisch

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Die meisten Alpakas leben in den Anden in Peru. Dort werden sie vor allem wegen ihrer Wolle gezüchtet. Doch seit einiger Zeit sind sie auch hier häufiger anzutreffen. In Nieder-Weisel zum Beispiel.

Alpakas sind unglaublich neugierig. Wenn zum Beispiel ein Spaziergänger mit Hund am Lornfeldhof in Nieder-Weisel vorbeikommt, drehen sich ziemlich zeitgleich sechs Alpaka-Köpfe in dieselbe Richtung. Corinna Heyd hat das schon oft beobachtet, wenn sie mit ihren sechs Alpakas und zwei Lamas auf der Weide gewesen ist. Sobald jemand vorbeikommt, schauen die Tiere ganz genau, was da los ist. Aber nicht nur die. Die meisten Menschen sind mindestens genauso neugierig: »Die Resonanz am Zaun ist sehr groß«, sagt die Butzbacherin. Viele Spaziergänger bleiben stehen, stellen Fragen rund um die Alpakas. Und vor allem: Viele wollen so ein Alpaka einmal anfassen. »Weil sie einfach so kuschelig aussehen«, sagt Corinna Heyd. Kuschelig sind sie wirklich, allerdings nicht sehr begeistert davon, von jedem angefasst zu werden.

Alpakas sind sogenannte Distanztiere, erklärt die Halterin. »Sie beobachten ihr Gegenüber, und sie spiegeln.« Wenn ein Mensch unruhig ist, bleiben die Alpakas auf Distanz. Wer hingegen ruhig und geduldig ist, hat gute Chancen, dass das Alpaka näher kommt.

Wetterau: Mit den Alpakas unterwegs

Die Tiere werden deswegen auch für Therapien und Seminare eingesetzt. Ein Beispiel, von dem Corinna Heyd erzählt: Manager-Seminare. Das Alpaka bekommt ein Halfter an, an dem zwei Stricke befestigt sind. Zwei Manager bekommen jeweils einen Strick in die Hand. Wenn die beiden daran ziehen, sich aber nicht einig sind über die Richtung, legt sich das Alpaka hin - und macht einfach gar nichts.

Manager-Seminare möchte Corinna Heyd nicht anbieten. Doch ihre Tiere möchte sie schon mit anderen Menschen zusammenbringen.

Vor einem Jahr hat sie die ersten Alpakas nach Nieder-Weisel geholt, am Anfang nur vier. Es müssen auch mehrere sein; Alpakas sind Herdentiere und dürfen nicht alleine gehalten werden. Mit der Zeit kamen zwei weitere hinzu, ebenso wie die zwei Lamas. Die sind größer als die Alpakas (ein Lama bringt zwischen 130 und 200 Kilo auf die Waage, ein Alpaka zwischen 50 und 90). Und sie sind vor allem ruhiger. Das ist für die Halterin wichtig: Kürzlich hat sie sich mit den Tieren selbstständig gemacht, in einiger Zeit möchte sie Alpaka-Wanderungen anbieten. Und wenn Lamas dabei sind, ist die aufgeregte Alpaka-Gruppe gleich um einiges ruhiger, erzählt Corinna Heyd.

Zurzeit sind die Alpaka-Wanderungen noch ein Familienausflug. Am Wochenende zum Beispiel gehen Corinna Heyd, ihr Mann und die Kinder, sie sind sieben und fünf Jahre alt, mit den Tieren spazieren. Die Alpakas und Lamas bekommen dann ein Halfter und werden mit einem Strick geführt. Doch in Zukunft möchte die Alpaka-Halterin solche Touren auch für andere anbieten. Ideen hat sie schon einige - zum Beispiel eine Tour mit dem Namen »Alpaka to go«. Zudem denkt sie über Thementouren nach, etwa zur Kelterei Müller im fußläufig entfernten Ostheim zur Apfelsaftzeit. Oder eine Glühweinwanderung im Winter. Ein weiteres Projekt sollen Kindergeburtstage sein.

Wetterau: Alpaka-Wolle und Kaffee

Bis all das allerdings so weit ist, steht noch ein Sachkundeseminar für Neuweltkameliden (die Tiergattung, zu der auch Alpakas und Lamas gehören) auf dem Plan, das Corinna Heyd absolvieren muss - und mit dem sie die Erlaubnis bekommt, mit den Tieren gewerblich zu arbeiten. Wie vieles zurzeit, ist dieses Seminar, das eigentlich bald stattfinden sollte, nun aber auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Dennoch: Zu tun gibt es ohnehin genug, und so lässt sich die Zeit gut überbrücken. Zum Beispiel ist da der Bauwagen auf dem Gelände, der noch leer ist. Corinna Heyd möchte jedoch eine Küchenzeile einbauen - Gäste können dann im Sommer vor dem Wagen sitzen, Kaffee oder Kaltgetränke trinken und Kekse essen.

Und dann ist da noch die Arbeit mit den Alpakas. Im Mai ist wieder Scher-Zeit, dann werden die Tiere rasiert. Pro Tier gibt es eine Menge Wolle, die auch Vlies genannt wird. Die ist wegen ihrer einmaligen Thermoeigenschaft beliebt (bei niedrigen Temperaturen speichert sie die Körperwärme, bei höheren stößt die Faser die Wärme ab).

Mit so einem Alpaka lässt sich eben viel machen. Vor allem lässt es sich lange Zeit beobachten. Das macht sie ohnehin sehr gerne, sagt Corinna Heyd: »Morgens mit einer Tasse Kaffee hier sitzen und ihnen zuschauen.« Wie sie über die Weide flitzen, wie sie miteinander spielen - und wie sie alle zeitgleich ihre Köpfe drehen, wenn jemand vorbeikommt.

Weitere Infos rund um Corinna Heyds Pläne gibt es unter www.wetterau-alpakas.de.

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