Zeuge kann sich nicht mehr erinnern

  • vonConstantin Hoppe
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Büdingen (con). Unwillige oder fehlende Zeugen prägten den dritten Verhandlungstag im Verfahren wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung gegen einen 37-jährigen Eritreer aus Büdingen. Er soll in der Nacht auf den 16. Juli 2020 durch einen Messerstich einem 36-Jährigen vor einer Spielothek in Büdingen lebensgefährliche Verletzungen zugefügt haben (diese Zeitung berichtete). Der Angeklagte gibt den Messerstich zu, es habe es sich aber um Selbstverteidigung gehandelt.

Dass der Geschädigte bislang nicht vor Gericht erschien, trägt nicht gerade zur Klärung des Sachverhalts bei. Auch Zeugen der Tat sind offenbar nur schwer zur Aussage zu bewegen. Zur Sitzung am Montag sollte der Geschädigte eigentlich von der Polizei vorgeführt werden - wurde er aber nicht. Der Mann sei mittlerweile weggezogen und habe von der Polizei nicht angetroffen werden können, hieß es. Es soll ein weiterer Versuch zum nächsten Sitzungstermin unternommen werden.

Ohne Not-OP wohl gestorben

Dafür sagten mehrere Polizeibeamte aus , und die Verletzungen des 36-Jährigen wurden analysiert: Durch den Stich entstand eine circa 15 Zentimeter tiefe Verletzung im Leistenbereich, die sowohl den Dickdarm durchdrang als auch die Niere verletzte, wie ein sachverständiger Arzt der Gießener Gerichtsmedizin berichtete. Er hatte den Mann noch am Tattag begutachtet, nachdem dieser in den Morgenstunden notoperiert worden war: »Wäre er nicht operiert worden, wäre mit seinem Ableben zu rechnen gewesen.« Unter anderem mussten während der Operation mehrere Liter Blut aus der Bauchhöhle sowie ein Teil des Dickdarms entfernt werden. »Es muss schon einiger Kraftaufwand dabei sein, um ein Messer so tief vordringen zu lassen«, erklärte der Sachverständige.

Ein Bekannter des Angeklagten sowie des Geschädigten hatte den Verletzten am 16. Juli 2020 ins Krankenhaus gebracht. Doch schon kurz nachdem der 30-Jährige in den Zeugenstand gerufen worden war, wurde klar, dass dieser lieber ganz woanders wäre. Bei vielen Antworten wich er aus oder gab an, keine genauen Erinnerungen mehr zu haben.

Fest steht: Er war mit dem Angeklagten sowie dem Geschädigten und zwei weiteren Zeugen in der Tatnacht unterwegs: Zuerst waren sie in einer Spielothek bei Gedern, danach in Büdingen. Bereits in Gedern habe er mitbekommen, dass die beiden um Geld stritten, dass der 36-Jährige dem Angeklagten schuldete. Von dem Messerstich habe er aber nichts mitbekommen:

»Ich bin dann nach Hause«, erklärte er. Gegen 5 Uhr seien dann »plötzlich« der Geschädigte und die beiden anderen Zeugen in seine Wohnung gekommen. »Er hat stark geblutet, wollte aber nicht ins Krankenhaus - da habe ich ihn gezwungen, mit mir dort hin zu fahren. Ich hatte Angst, dass er sonst in meiner Wohnung stirbt.« Nachdem er den 36-Jährigen in die Klinik gebracht hatte, verschwand er von dort, noch bevor die Polizei eintraf: »Ich hatte Angst, weil ich was getrunken hatte und keinen Führerschein besitze.« Der Angeklagte gab an, er hätte das Messer von dem 30-Jährigen geschenkt bekommen. Dieser bestreitet das.

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