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Mit ihrer gestärkten Schürze passt Ellen Gerlach, die zweite Vorsitzende des Vereins Metzgermuseum im Schlaghaus, perfekt in den historischen Laden.

Schlaghaus

Wurst und Fleisch mit Tradition: Historischer Metzgerladen in Büdingen öffnet wieder

  • VonOliver Potengowski
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Das kann nicht jede Altstadt aufweisen. In Büdingen gibt es einen historischen Metzgerladen, der sich trotz seiner eingeschränkten Öffnungszeiten großer Beliebtheit erfreut.

Büdingen – Bisher ist der historische Metzgerladen an der Stadtmauer noch ein Geheimtipp. Vor knapp einem Jahr hatte ihn der Verein Büdinger Metzgermuseum im Schlaghaus als dritten Teil des Ensembles eröffnet. Nach wenigen Wochen musste er allerdings wegen des Corona-Lockdowns wieder schließen. Dass sie den Besuchern der Büdinger Altstadt endlich wieder ihre Spezialitäten anbieten dürfen, freut die Vereinsmitglieder sehr.

Wenn sich am Wochenende der Holzrolladen gehoben hat, gehen Besucher der Büdinger Altstadt staunend an dem großen Schaufenster vorbei. Denn dahinter wartet eine Zeitreise. Mit gestärkter Schürze steht Ellen Gerlach, zweite Vorsitzende des Trägervereins des Metzgermuseums, hinter einer imposanten elfenbein-grünen Majolika-Theke. In der Ecke lehnt die Fahne der Büdinger Metzgerzunft. Fliesen, die nach historischem Vorbild speziell für den Laden gebrannt wurden, bedecken den Boden. An der Wand sind auf den Kacheln Szenen aus dem Metzgerhandwerk abgebildet.

Historischer Metzgerladen in Büdingen: Auflagen müssen eingehalten werden

Viele meinen, der historische Metzgerladen sei ein weiterer Teil des Museums neben dem Schlaghaus mit den zum Teil jahrhundertealten Geräten des Metzgerhandwerks, die Fritz Albert mit seinen Vereinskollegen gesammelt hat, und der historischen Wurstküche neben dem Meliorschen Haus. Doch Ellen Gerlach betreut keine Museumsausstellung. Das verrät nicht zuletzt die moderne Digitalwaage, die auf der Theke steht. Denn um in der historischen Umgebung frische Wurst verkaufen zu dürfen, müssen sich die Vereinsmitglieder um die Büdinger Metzger Gabi Jöckel, Klaus Frühling und Heiko Nagel an die aktuellen gesetzlichen Auflagen halten.

Dazu gehört auch eine geeichte Digitalwaage. Diese ist jedoch einer der wenigen Fremdkörper in dem Laden. Die Theke wurde 1898 von Villeroy und Boch in Dresden hergestellt und stand ursprünglich in Mühlheim am Main, bevor sie der Verein von einem Sammler in der Region kaufen konnte. Älteren Besuchern dürfte das Ambiente mit Stühlen für die wartenden Kunden, Würsten, die hinter der Theke an der Wand hängen und mit Haken heruntergeholt werden, bekannt vorkommen.

Historischer Metzgerladen in Büdingen: Erlös ist für die Museumsarbeit

Wurst und Fleisch, das ab 13 Uhr über die mehr als 100 Jahre alte Theke geht, kommen aus den drei Büdinger Traditionsmetzgereien Jöckel, Frühling und Nagel. Dort wurde sie nach eigenen Rezepten zubereitet. In der warmen Jahreszeit werden vor allem Würste, eingelegte Steaks und Bauchfleisch zum Grillen nachgefragt. Da die Büdinger und auch manche Besucher aus der Region den besonderen Geschmack und die Qualität von Wurst und Fleisch der örtlichen Metzger kannten, war der Andrang schon bald nach der Eröffnung des historischen Ladens groß.

Und auch jetzt sind manche Spezialitäten jedes Wochenende schnell ausverkauft. Der Erlös wird für die Museumsarbeit des Vereins verwendet.

Historische Wurstküche in Büdingen

Am 20. September vergangenen Jahres sei der historische Metzgerladen eröffnet worden, erinnert sich Fritz Albert, Mitbegründer und Vorsitzender des Trägervereins. »Dann hatten wir drei oder viermal auf und dann hat Corona zugeschlagen.« Dass die Vereinsmitglieder durch die Lockerungen endlich wieder Besucher in dem Laden begrüßen können, macht Albert sichtlich glücklich. Einzelne führt er auch in die historische Wurstküche daneben und erklärt, wie Metzger im vergangenen Jahrhundert und teilweise sogar über die 50er Jahre hinaus gearbeitet haben.

Öffnungszeiten

Der historische Metzgerladen liegt direkt hinter der Mühltorbrücke zum Altstadtparkplatz. Er ist jeden Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Ab September können auch das Metzgermuseum im Schlaghaus und die historische Wurstküche wieder besichtigt werden. Sie sind jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Bemerkenswert ist, dass Albert als Metzger mit jahrhundertealter Familientradition den heutigen Konsum von Wurst und Fleisch ähnlich kritisch sieht wie die Kritiker des massenhaften Fleischverzehrs. Die Leute müssten nicht jeden Tag Fleisch essen, aber dafür mehr Qualität, wünscht er sich bei den Konsumenten mehr Respekt für die Schlachttiere. Der sei im traditionellen Metzgerhandwerk vorhanden. »Deshalb haben wir das Lamm Gottes im Wappen, aus Achtung vor der Kreatur.«

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