Vier Jahre Haft für Messerstich

  • vonConstantin Hoppe
    schließen

Büdingen (con). Vier Jahre Freiheitsstrafe wegen einer gefährlichen Körperverletzung - so lautete das Urteil gegen einen in Büdingen lebenden 36-Jährigen aus Eritrea. Er hatte im vergangenen Jahr einen 37-Jährigen bei einem Streit vor einer Spielothek lebensgefährlich mit einem Messer verletzt (diese Zeitung berichtete). Am Dienstagmittag fiel nach einigen Verzögerungen das Urteil vor dem Gießener Landgericht.

Dabei folgte das Gericht um die Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Nach einem Streit wegen nicht zurückgezahlter Schulden war es in den frühen Morgenstunden des 16. Juli 2020 zu zwei Auseinandersetzungen zwischen den beiden Männern gekommen: Nach anfänglichen Schlägen zog der 36-Jährige schließlich ein Messer und stach einmal zu. Kurz nach der Tat wurde er verhaftet und befand sich seitdem in Untersuchungshaft.

Eine Freiheitsstrafe von vier Jahren sah der Vertreter der Anklage, Staatsanwalt Klaus Bender, in seinem Plädoyer als angemessen an: »Es stellte sich heraus, dass es hier kein versuchtes Tötungsdelikt gab oder der Angeklagte zumindest aktiv von diesem zurückgetreten ist.« Das ergebe sich aus dem Ablauf der Geschehnisse: »Wer ein Messer in den Oberkörper eines anderen sticht, der hat zumindest eine gewissen Vorsatz«, führte der Staatsanwalt weiter aus. »Aber nach dem Stich, mit dem er den Geschädigten verletzte - und den der Angeklagte auch einräumte -, unternahm er keine weiteren Versuche, das Messer einzusetzen, obwohl er es gekonnt hätte.« Stattdessen trugen die beiden Männer ihren Streit mit Fäusten weiter aus. Der Tatvorwurf der gefährlichen Körperverletzung blieb für den Vertreter der Staatsanwaltschaft allerdings bestehen: »Der Geschädigte trug schwerste Verletzungen von dem Messerstich davon, und ohne OP wäre er gestorben«, betonte Bender.

Verteidiger spricht von Notwehr

Laut dem Vertreter der Verteidigung, Rechtsanwalt Dr. Andreas Saidi, hat der 36 Jahre alte Angeklagte in Notwehr gehandelt: »Er hat das Messer nur gezogen, um sich gegen den körperlich größeren und stärkeren Geschädigten zu verteidigen«, sagte er und forderte den Freispruch seines Mandanten.

Was besonders schwer wog: Der Angeklagte war bereits schon einmal wegen einer ähnlichen Tat verurteilt worden. Im Sommer 2015 stach er nach einem Streit vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Mehlbach mit einem Messer auf einen anderen Mann ein. Dafür wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, die er aber zum aktuellen Tatzeitpunkt bereits verbüßt hatte.

Nichtsdestotrotz zeige sich hier ein klares Schema, urteilte die Richterin. »Es war hier genau das gleiche Tatmuster wie in diesem Prozess«, sagte Enders-Kunze in der Urteilsbegründung. Dieser Umstand und die erhebliche Verletzung des Geschädigten seien maßgeblich für die Höhe der Freiheitsstrafe. Einen Anhaltspunkt für eine Notwehrsituation sah die Richterin dabei nicht: »Nach der ersten Auseinandersetzung, bei der Sie mehr einstecken mussten als der Geschädigte, haben Sie an die Scheibe der Spielothek geklopft und gerufen, er solle wieder herauskommen«, führte Enders-Kunze in Richtung des Angeklagten aus. »Zuvor waren Sie noch an Ihrem Auto und haben sich ausreichend bewaffnet.« Auch gebe es keine Anhaltspunkte für eine eingeschränkte Steuerungs- und damit auch Schuldfähigkeit des Angeklagten.

Abschließend gab die Richterin dem Angeklagten noch einen Rat mit: »Sehen Sie von dieser Vorgehensweise ab: Sobald man eine Klinge zieht, hat man keine Kontrolle mehr über die Verletzungen, die entstehen können.«

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare