1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Büdingen

Steigende Energiekosten bringen Wetterauer Krankenhaus in Not

Erstellt:

Von: Oliver Potengowski

Kommentare

bg_DSC03019_240922_4c_1
Durch extreme Kostensteigerungen vor allem bei Strom und Gas droht dem Büdinger Mathilden-Hospital ein Defizit. © Oliver Potengowski

Kostensteigerungen in dramatischem Ausmaß erwartet Stefanie Straub, Verwaltungsdirektorin des Bergman Clinics Mathilden-Hospitals in Büdingen, für das nächste Jahr.

Über die geradezu explosionsartig steigenden Kosten für Kraftstoffe, Gas oder Strom wird seit Monaten berichtet. Mit Maßnahmen wie der befristeten Senkung der Mineralölsteuer, einer Pauschale für private Haushalte oder der Gasumlage hat die Bundesregierung versucht, existenzielle Härten abzumildern. Dass Krankenhäusern in den nächsten Monaten der finanzielle Kollaps drohen könnte, wurde jedoch bisher kaum beachtet.

Stefanie Straub, Verwaltungsdirektorin des Bergman Clinics Mathilden-Hospitals in Büdingen, erwartet für nächstes Jahr dramatische Kostensteigerungen. Vor allem bei den Energiekosten seien Steigerungen in bisher unvorstellbarem Ausmaß zu befürchten. Dagegen blieben die Erhöhungen der Kostenpauschalen für die Behandlung der Patienten weit unter der Inflationsrate.

Die Mitteilungen, die Straub seit einigen Wochen zur Entwicklung der Preise bekommt, bereiten der Verwaltungsdirektorin große Sorgen. Dass die Kosten, die Lieferanten für Verbrauchsmaterialien berechnen, angesichts einer Inflationsrate von über acht Prozent um zehn bis 15 Prozent steigen sollen, belaste den Haushalt der Klinik, erklärt Straub.

Woher sie das Geld für die weit jenseits aller Prognosen steigenden Energiekosten nehmen soll, weiß Straub derzeit nicht. Die Stromkosten würden nach den bisherigen Angeboten um ein Vielfaches steigen, berichtet die Verwaltungsdirektorin. Für 2023 lägen die Kosten für Gas um ein Zigfaches höher. Schon jetzt hätten die Kosten für Strom und Gas einen wesentlichen Anteil an den Betriebskosten.

Dagegen sei der sogenannte Landesbasisfallwert, der maßgeblich für die Einnahmen der Krankenhäuser ist, nur um 2,32 Prozent erhöht worden. Wenn aber die Einnahmen nur weit geringer als die Inflationsrate stiegen, würden nur Einsparungen helfen. Doch das sei bei einem Betrieb mit hohen Ansprüchen an Hygiene und mit vorgegebenen Standards nicht einfach.

»Beim Personal wollen und können wir nicht sparen«, betont Straub. »Wir sind darauf angewiesen, gutes, qualifiziertes und motiviertes Personal zu haben.« Deshalb geht sie jetzt alle Kostenpositionen durch, um noch letzte, bisher unentdeckte Einsparmöglichkeiten zu finden. Kurzfristig sollen weitere LED-Beleuchtungen und Bewegungsmelder nachgerüstet werden. Die Gebäudeautomation und die Lüftungsanlagen sollen nachjustiert werden.

Das alles reicht laut Straub aber nicht annähernd, um die explodierenden Energiekosten auszugleichen. Deshalb hat sie sich mit dem Mathilden-Hospital der Aktion »Alarmstufe Rot« der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft angeschlossen. »Die Corona-Hilfen für die Krankenhäuser wurden für dieses Jahr gestrichen, und in der aktuellen Energiekrise werden wir allein gelassen«, kritisiert deren Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß.

200 000 Euro für Photovoltaikanlage

Christian Höftberger, Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft, fordert von der Bundesregierung einen Aufschlag von vier Prozent auf alle Krankenhausrechnungen. Die Fuldaer Zeitung zitiert ihn mit den Worten, »von den gut 130 Kliniken in Hessen« stünden die meisten »mit dem Rücken zur Wand«.

Das Bergman Clinics Mathilden-Hospital will wenigstens der Kostenexplosion bei den Strompreisen etwas entgegensetzen. Straub erklärt, dass die Klinik 200 000 Euro in eine Photovoltaikanlage investieren will. Damit könnte das Mathilden-Hospital gut zehn Prozent des Strombedarfs selber decken. »Je nach der Entwicklung der Strompreise amortisiert sich die Anlage dann in drei bis fünf Jahren«, rechnet die Verwaltungsdirektorin vor.

Kreis muss Krankenhausversorgung sichern

Die Probleme der extremen Kostensteigerung bei den Krankenhäusern im Wetteraukreis betreffen auch die Kreisverwaltung. »Die Gewährleistung der bedarfsgerechten Versorgung der Bevölkerung durch leistungsfähige Krankenhäuser ist eine öffentliche Aufgabe des Landes, der Landkreise [...]« heißt es in Paragraf 3 des Hessischen Krankenhausgesetzes. Eine wesentliche Stütze dieser bedarfsgerechten Versorgung ist im östlichen Wetteraukreis das Bergman Clinics Mathilden-Hospital. Sollte diesem die Insolvenz drohen, müsste der Kreis Lösungen finden, um die gefährdeten Kapazitäten zu sichern oder zu ersetzen. Der Wetteraukreis erklärte auf Anfrage dieser Zeitung, dass zu diesem Sachverhalt bisher nichts bekannt sei. Deshalb könne dazu derzeit keine Stellungnahme abgegeben werden.

Auch interessant

Kommentare