Am Morgen nach dem verheerenden Hochwasser tragen Anwohner zerstörtes Mobiliar aus ihren Häusern. Innerhalb weniger Stunden war die komplette Altstadt überflutet worden, ganze Straßenzüge standen meterhoch unter Wasser.
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Am Morgen nach dem verheerenden Hochwasser tragen Anwohner zerstörtes Mobiliar aus ihren Häusern.

Drei Orte gefährdet

Wetteraukreis: Warnung für Anwohner in Büdingen und Altenstadt – „Überschwemmung ungeahnten Ausmaßes“

  • David Heßler
    VonDavid Heßler
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Das Hochwasser im Wetteraukreis ist am Wochenende leicht zurückgegangen. Entwarnung kann aber noch nicht gegeben werden.

+++ 18:06 Uhr: Allmählich zeigen sich die Schäden, die das Hochwasser in der Region angerichtet hat. Zwar sagte Landrat Jan Weckler, die Situation habe sich „stabilisiert“ und aktuell laufe „deutlich weniger Wasser“ in das Rückhaltebecken, als abgelassen werde, aber für den nächsten Dienstag (02.02.2021) sind weitere Regenfälle angekündigt. Jetzt müsse ein Puffer geschaffen werden, wie es in einer Pressemitteilung des Wetteraukreises heißt.

Der Bürgermeister von Büdingen, das mit am stärksten vom Hochwasser betroffen war, sprach am Sonntag von einem „unheimlichen Schaden“ und einer „Überschwemmung ungeahnten Ausmaßes“, die die Wassermassen in der Altstadt angerichtet haben. Den betroffenen Bewohnern versprach er die „größtmögliche Unterstützung“. Am Montag (01.02.2021) sollen Trocknungsgeräte vom DRK aus Berlin in Büdingen eintreffen. Hilfsbedürftige Personen können sich bei der Stadtverwaltung melden und auf eine Warteliste setzen lassen.

Erstmeldung vom 31.01.2021, 10:26 Uhr: Wetteraukreis – Nach Starkregen und Tauwetter führt der Seemenbach extrem viel Wasser. Am Freitag war nach dem Bruch der Hainmauer die Büdinger Altstadt stellenweise hüfthoch überflutet. Nachdem das Wasser aus der Altstadt zurückgegangen ist, wird über den Seemenbach weiter viel Wasser transportiert. »Das Rückhaltebecken zwischen Düdelsheim und Orleshausen ist für solche Hochwasserereignisse eigens gebaut worden. Die Wassermengen wie sie derzeit vom Seemenbach geführt werden, bringen die Anlage allerdings an ihre Grenzen«, heißt es in einer Mitteilung des Wetteraukreises.

Der Wasserstand im Regenrückhaltebecken zwischen Orleshausen und Düdelsheim ist sehr hoch.

Auch Stadteile von Nidderau, Schöneck und Niederdorfelden gefährdet

Besonders gefährdet seien nun einzelne Straßen in Düdelsheim, Lindheim und Höchst. Hier müsse man mit Überflutungen und vollgelaufenen Kellern gerechnet werden.

Der Seemenbach mündet bei Lindheim in die Nidder. Auch hier sei der Fluss schon über die Ufer getreten. Bevor die Nidder bei Bad Vilbel in die Nidda mündet, durchfließt sie noch mehrere Stadteile von Nidderau, Schöneck und Niederdorfelden. Die Einsatzkräfte im Main-Kinzig Kreis bereiteten sich derzeit ebenfalls auf einen anstrengenden Einsatz vor.

In allen Kommunen würden die Anrainer in den Straßen, die vom Hochwasser betroffen sein könnten, direkt von den Feuerwehren und den kommunalen Verwaltungen informiert, um Vorkehrungen gegen das Wasser zu treffen oder gegebenenfalls die Keller leerzuräumen. Auch würden dort bereits weitere Maßnahmen zum Schutz vor den Fluten getroffen.

Maximale Füllmenge könnte am Sonntagnachmittag erreicht werden

In enger Abstimmung zwischen Wasserverband, den Landkreisen Wetterau und Main-Kinzig und den betroffenen Kommunen wird laut der Mitteilung derzeit die Abflussmenge am Rückhaltebecken kontrolliert erhöht. Die maximale Aufnahmemenge des Rückhaltebeckens betrage fünf Millionen Kubikmeter. Am Samstagnachmittag seien rund vier Millionen Kubikmeter aufgelaufen. Die maximale Füllmenge könnte am Sonntagnachmittag erreicht werden, heißt es.

Joachim Arnold, Vorsteher des Wasserverbandes Nidder-Seemenbach, der auch das Rückhaltebecken betreibt, kündigte an, dass bei weiter volllaufenden Becken die maximale Wasserabgabe in der Sekunde auf 20 Kubikmeter in der Sekunde erhöht werden könnte: »Wir haben schon im Laufe des heutigen Tages die Abflussmenge aus dem Rückhaltebecken kontinuierlich auf 13 Kubikmetern erhöht. Allerdings sind lange Zeit 20 Kubikmeter zugeflossen, die Menge hat sich dann im Laufe des Nachmittags auf etwa 16 Kubikmeter vermindert.«

In den nächsten zwei Tagen rechne man mit weniger Regen. Das Rückhaltebecken soll sich möglichst weit entleeren, um einen Puffer zu schaffen, für die kräftigen Regenfälle, die für den dem kommenden Dienstag angekündigt sind.

Landrat bittet Schaulustige, Einsätze nicht zu gefährden

Landrat Jan Weckler hofft, dass das angekündigte Zwischenhoch eine Atempause für die Einsatzkräfte bringt, die seit dem frühen Freitag im unermüdlichen Einsatz sind. »Wichtig ist jetzt, dass alle betroffenen Bürgerinnen und Bürger informiert werden und sich auf die Situation einstellen. Die Informationen werden durch die Kommunen direkt ausgegeben.«

Weckler bittet zudem, von »Besichtigungen« des Hochwassers abzusehen: »Das ist kein Ziel für einen Familienausflug, hier kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Zudem können durch solche Ausflügler die Rettungskräfte bei ihrem Einsatz behindert werden. Wir müssen in den betroffenen Regionen jetzt alle wachsam sein und die Entwicklung in den kommenden Stunden und Tagen genau beobachten, um Schlimmeres zu verhindern.«

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