Wie in alten Zeiten: Bei Stadtfesten und an zwei Sonntagen im Monat kann man in dem neuen Laden des Büdinger Metzgermuseums Fleisch- und Wurstwaren kaufen. FOTOS: SAX
+
Wie in alten Zeiten: Bei Stadtfesten und an zwei Sonntagen im Monat kann man in dem neuen Laden des Büdinger Metzgermuseums Fleisch- und Wurstwaren kaufen. FOTOS: SAX

"Lebendiges Denkmal gesetzt"

  • vonOliver Potengowski
    schließen

Büdingen(sax). Ein historischer Metzgerladen rundet seit Sonntag die Ausstellung des Büdinger Metzgermuseums ab. Bei Stadtfesten und an zwei Sonntagen im Monat wird der Trägerverein Fleisch- und Wurstwaren der Büdinger Metzger über eine rund 120 Jahre alte Majolika-Theke hinweg verkaufen.

Geräucherte Würste hängen an Haken an der Wand. Auf den Marmorplatten der Steinguttheke, die um die Wende zum 20. Jahrhundert von Villeroy & Boch an eine sächsische Fleischerei geliefert worden war, stapeln sich Schinken und weitere Würste. Einzig die Plexiglasscheibe zum Schutz gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie, Mund-NasenSchutz bei den Verkäufern sowie eine moderne digitale Waage stören die Illusion, sich tatsächlich in einem Metzgerladen vor 120 Jahren zu befinden.

Der Büdinger Metzger Fritz Albert, einer der Initiatoren des Museums, das von den Metzgern der Stadt 2006 gegründet wurde, erklärt bei der Einweihung des Ladens, dass die Verbindung der Anforderungen des Denkmalschutzes und der aktuellen Hygienevorschriften eine der Herausforderungen bei der Einrichtung des Ladens war. Nach der Eröffnung der Ausstellung zur Geschichte des Büdinger Metzgerhandwerks vor 14 Jahren im Schlaghaus - einem vor Jahrhunderten umgenutzten Teil der Stadtbefestigung - und der Einrichtung einer historischen Wurstküche neben dem Meliorschen Haus im Jahr 2012 rundet der Metzgerladen in einem neuen Gebäude die Ausstellung des Museums ab.

Albert berichtete, dass die Theke eigentlich der Keim für diese Erweiterung war. Lothar Keil hatte die Majolika-Theke Ende der 80er Jahre in einer sächsischen Fleischerei gefunden und in die Region gebracht. Rund 30 Jahre stand sie im Privathaus von Ilona und Gerhard Marquard. "Die Theke ist bei euch besser aufgehoben als bei uns im Wohnzimmer", erklärte Gerhard Marquard den Entschluss des Ehepaares, das Sammlerstück an den Trägerverein des Metzgermuseums abzugeben.

"Um die Theke entsprechend präsentieren zu können, beschloss der Verein ›Büdinger Metzgermuseum im Schlaghaus‹ einen Museumsladen zu bauen, in dem auch Wurstwaren verkauft werden können", erläuterte Albert, dass die Gelegenheit die Theke zu erwerben erst der Anfang weiterer umfangreicher Investitionen war. Er dankte in diesem Zusammenhang besonders seiner Frau Inge, die ihm immer zur Seite stehe, ihn aber auch "bei meinen verrückten Ideen manchmal ausgebremst und auf den richtigen Weg gebracht hat."

Anziehungspunkt in der Altstadt

Dass die Entscheidung, um die Theke herum einen historischen Metzgerladen zu bauen, richtig war, bestätigte Bürgermeister Erich Spamer. Schon bisher sei das Metzgermuseum ein Anziehungspunkt in der Altstadt gewesen. Der Laden als Ergänzung sei eine weitere Steigerung. Damit trage der Museumsverein wesentlich zur Attraktivität der historischen Stadt und Büdingens bei.

Das bekräftigte auch der Landesinnungsmeister Eckhart Neun. Auch der internationale Metzgerverband sei bei einem Besuch in Büdingen von der Präsentation des Handwerks in dem Museum sehr angetan gewesen. Uwe Keith, erster Vorsitzender der Freunde der Thüringer Bratwurst lobt, dass die Büdinger Metzger dem Handwerk ein lebendiges Denkmal gesetzt hätten. Dabei betonte er, dass dies für das Handwerk allgemein und nicht nur für die Metzger gelte. Die Majolika-Theke, die vor 120 Jahren von Handwerkern geschaffen worden war, wie auch der Metzgerladen mit Holzfenstern und Rollläden und natürlich auch die Produkte der Büdinger Metzger aus eigener regionaler Herstellung, die in dem Laden verkauft werden, legten Zeugnis von den Fähigkeiten des Handwerks ab.

Das Metzgermuseum mit dem historischen Metzgerladen ist an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat sowie an Stadtfesten geöffnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare