+
Der Büdinger Hans-Joachim Schalies sammelt Bibeln; hier zeigt er eine Heilige Schrift, die der Dominikaner Johann Dietenberger übersetzt hat. Weil Schalies Zeuge Jehovas ist, gilt sein besonderes Interesse denjenigen Ausgaben, in denen Gott "Jehova" genannt wird.

Ein Leben mit der Bibel

  • schließen

Büdingen(pm/dab). Es ist schon lange her, seit Hans-Joachim Schalies begonnen hat, Bibeln zu sammeln. "Meine Liebe zur Heiligen Schrift wurde schon im Kindesalter geweckt", erzählt der Büdinger. "Da ich schon sehr früh lesen konnte, habe ich auch schon im frühen Kindesalter öffentliche Bibellesungen durchgeführt." Heute besitzt er über 1400 Exemplare der Heiligen Schrift, so zum Beispiel Bauern- und Dialektbibeln, Armenbibeln, aber auch Bibeln in exotischen Sprachen.

Alles auf einem einzigen Dia

Eine Besonderheit seiner Sammlung ist eine komplette Bibel, die auf einem einzigen Dia enthalten ist. "Bei entsprechender 48 400-facher Vergrößerung könnte man diese auch lesen", berichtet Schalies.

Als Zeuge Jehovas sammelt der Büdinger schwerpunktmäßig Bibeln, die den Gottesnamen "Jehova" enthalten. "JHWH" lautet der Eigenname Gottes im Tanach, der Sammlung heiliger Schriften des Judentums, und auch im Alten Testament wird Gott so genannt. Luther hat "JHWH" später mit "HERR" übersetzt; die Zeugen Jehovas haben den alten Gottesnamen indes beibehalten. Juden sprechen den Namen Gottes übrigens nicht aus - aus Ehrfurcht.

In Schalies’ Sammlung finden sich deshalb zum Beispiel "Die Heilige Schrift" von Romanus Teller, ein lutherischer Theologe, aus dem Jahr 1749, die Übersetzung der katholischen Theologen Dr. Valentin Loch und Dr. Wilhelm Reischl von 1851, die Psalmen übersetzt von Peter Alois Auer sowie die "Erklärte Deutsche Volksbibel", 1902 herausgegeben von Kirchenrat Eduard Rupprecht. Der Name "Jehova" erscheine zudem durchweg im Bibelwerk von Christian Karl Josias Bunsen (1858) und in der Übersetzung des katholischen Theologen Joseph Franz Allioli von 1838. Franz Joseph Weinzierl, Domprediger in Regensburg, gebrauche den Namen "Jehova" in seiner Psalmenübersetzung von 1819 und der evangelische Theologe Georg Friedrich Seiler in seiner Übersetzung des Buches Jesaja aus dem Jahr 1783.

"Darüber hinaus verwendeten viele Komponisten den Namen Jehova", berichtet Schalies, zum Beispiel Johann Georg Frech (Psalm 93, "Jehova herrscht, ein König über alle"), Franz Schubert ("Die Allmacht") und der französische Komponist Arthur Honegger in seinem Oratorium "Le Roi David". Der Schriftsteller Victor Hugo gebrauche den Gottesnamen zudem in über 30 seiner Werke, ebenso Hermann Hesse, Heinrich Heine, Friedrich Schiller, Friedrich Müller, Joh. Gottfried Herder sowie Johann Wolfgang von Goethe, zählt der Büdinger auf.

"In der Numismatik [Münzkunde, Anm. d. Red.] gibt es viele Zeugnisse dafür, dass der Name Jehovas zum Beispiel in der Zeit der Reformation zum Alltagsgebrauch gehörte", erzählt der Bibelsammler. Hunderte von Fotos aus Kirchen und öffentlichen Gebäuden gäben ebenfalls Zeugnis von der Verwendung dieses Gottesnamens.

Name auch auf Taufbecken zu lesen

Hierzu gehören laut Schalies auch Gebäude aus der Region, zum Beispiel auf einem Taufbecken der evangelisch-lutherischen Kirche in Nieder-Weisel, in der evangelischen Dorfkirche von 1742 in Ebergöns sowie in der evangelischen Kirche in Butzbach-Fauerbach. "Außerdem kann man den Gottesnamen auf der Sonntagsglocke der Stadtkirche in Friedberg sowie auf einer Grabplatte der evangelischen Kirche in Friedberg-Fauerbach, aber auch im Kaisersaal in Gelnhausen sehen."

Beim Forschen nach Sekundärliteratur mit Hinweisen auf den Gottesnamen ist Schalies auch auf die Bezeichnung "Jehovablümchen" (Saxifraga umbrosa) gestoßen. In der Allgemeinen Deutschen Garten-Zeitung Band 16 heiße es unter der Überschrift "Das Jehova-blümchen": "Diese Pflanze, die ihren Namen aus dem Grunde erhielt, weil einige Beschauer in ihren kleinen weißen und mit rothen Punkten gezierten Blumen den Namen Jehova zu lesen vermeinen, ist zum lieblichen Sinnbilde stiller Sehnsucht und der Bescheidenheit erwählt worden."

Als Höhepunkte in seinem Leben bezeichnet Schalies die von ihm durchgeführten Bibelausstellungen, die von einigen Hundert Besuchern gesehen worden seien. Zudem ist er als Bibellehrer engagiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare