Kein Leben in Einsamkeit

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Der Ort war passend gewählt: Zu seiner ersten öffentlichen Veranstaltung hatte der Verein "Wirtschaft.Regionalentwicklung.Wetterau" in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Wetterau zum Thema "Neues Leben in unseren Dörfern" auf den Herrnhaag bei Büdingen eingeladen. Auf dem Herrnhaag, von 1738 bis 1750 errichtet, wird praktiziert, was in den Dörfern gefährdet ist: das Zusammenleben der Generationen.

Der Ort war passend gewählt: Zu seiner ersten öffentlichen Veranstaltung hatte der Verein "Wirtschaft.Regionalentwicklung.Wetterau" in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Wetterau zum Thema "Neues Leben in unseren Dörfern" auf den Herrnhaag bei Büdingen eingeladen. Auf dem Herrnhaag, von 1738 bis 1750 errichtet, wird praktiziert, was in den Dörfern gefährdet ist: das Zusammenleben der Generationen.

Auch Dr. Henning Scherf hat Erfahrung auf diesem Gebiet. Vor mehr als 30 Jahren entschieden sich der ehemalige Bürgermeister der Hansestadt Bremen und seine Frau Luise, eine Hausgemeinschaft zu gründen. Seitdem gehören dieser bis zu zehn Personen an. Es waren nicht Daten und Fakten, die Scherf seinen Zuhörern angesichts des demografischen Wandels, eines zunehmenden Leerstands in den Dörfern und der Landflucht der jüngeren Generation in seinem Vortrag "Wohnen mit Zukunft – Innovative Wohnprojekte" präsentierte. Vielmehr schilderte er seine Erfahrungen: aus seiner eigenen Mehr-Generationen-Wohngemeinschaft und den vielfältigen Projekten, die er als überzeugter Streiter für ein "Wohnen mit Zukunft" insbesondere für ältere Menschen kennengelernt hat.

Dabei ist der Pensionär einer, der "gerne gestaltet, der teilnehmen und nicht betüddelt werden will". Einer, der überzeugt ist, dass es vielen seines Alters so geht. "Wie kriegt man uns Alte zum Mitmachen?", fragte er. Lebten doch in vielen Häusern Rentner und Seniorinnen allein – in Häusern, in denen es kein Problem sei, mit mehreren Menschen zu leben. So erzählte Scherf von Projekten, in denen es gelungen sei, "auch dickköpfige Zeitgenossen" zu überzeugen, einem Leben in Einsamkeit das in einer Gemeinschaft vorzuziehen. "Das geht nur, wenn man es praktisch macht", betonte Scherf. Am Ende könne die Erfahrung stehen, dass man "im Alter noch Aufgaben wahrnimmt und Freude empfinden kann". Zudem schlafe es sich besser, wenn man nicht allein in einem großen Haus sei.

"Es wird Dörfer geben, wo am Ende keiner mehr ist", prognostizierte Scherf. Doch die düstere Zukunftsaussicht sei nicht seine Sache. "Man muss sich neu aufstellen. Denn es gibt viele Leute, die das Landleben wollen und sich nicht über die Autobahn, sondern über Nähe definieren." (Foto: pv)

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