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Land unter in Büdingen: Die neuerliche Hochwasserkatastrophe befeuert die Diskussion um geeignete Schutzmaßnahmen.

Diskussionen um Hochwasserschutz

Nach Hochwasser-Katastrophe in Büdingen: So soll die Stadt zukünftig geschützt werden

  • vonOliver Potengowski
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Es war für viele eine Katastrophe mit Ansage: Die Überflutung der Büdinger Altstadt Anfang Februar befeuert die Diskussion um geeignete Hochwasserschutzmaßnahmen.

Wie der Hochwasserschutz für Büdingen und die Region zukünftig verbessert werden kann, wollten die Stadt Büdingen, der die Wasserverbände Nidder-Seemenbach und Nidda sowie Vertreter des Hauses Ysenburg bei einer Pressekonferenz erläutern. Obwohl Büdingens Erste Stadträtin Henrike Strauch betonte, dass der Blick nach vorne gehen solle, kam wiederholt auch die Vergangenheit zur Sprache.

»Wir haben als Stadt Büdingen eingeladen, nicht um irgendwelche Schuldbekenntnisse abzugeben«, stellte sie fest. Stattdessen hätten sich die Beteiligten auf eine engere Zusammenarbeit verständigt. So müssten Informationsaustausch und Kommunikation zwischen den beiden Wasserverbänden besser werden. Strauch sprach auch einen möglichen Zusammenschluss an.

Sie räumte ein, dass auch die Kommunen noch Aufgaben beim Hochwasserschutz zu erfüllen hätten. Lobend hob sie Gedern und Ortenberg hervor, die in den Wäldern Teiche angelegt hätten, um Wasser frühzeitig zurück zu halten. »Hochwasserschutz ist eine Maßnahme, die ist unattraktiv, die kostet nur Geld«, erläuterte Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel, warum die Gelder dafür bei Haushaltsdiskussionen gerne gestrichen würden.

Eine Katastrophe mit Ansage? – Büdingen war bereits 2003 überflutet worden

Schon 2003 hatte ein Hochwasser große Teile Büdingens überflutet. Deshalb konnte sich auch die Pressekonferenz nicht völlig von der Vergangenheit und früheren Versäumnissen lösen. Tatsächlich sind in den letzten 18 Jahren einige Maßnahmen umgesetzt worden, die beim aktuellen Hochwasser auch Wirkung zeigten.

So konnte durch einen 2015 oberhalb von Büdingen installierten Totholzrechen diesmal verhindert werden, dass sich Treibgut an den Brücken staut und die Durchlässe verstopft. Auch eine Hochwasserschutzmauer an einem Rad-und Fußweg, deren Durchlass schnell verschlossen werden kann, hat sich bewährt.

Hochwasser-Katastrohe in Büdingen: Rückhaltebecken am Hammer ist Problemstelle

Ebenso deutlich ist aber, dass man bei zentralen bekannten Problemstellen in Büdingen jahrelang nicht wesentlich weiter gekommen ist. Dazu zählt insbesondere das Rückhaltebecken am Hammer. Bürgermeister Erich Spamer verwies darauf, dass einer seiner Amtsvorgänger bereits 1967 ein solches Becken gefordert habe.

Und auch beim Bau des Düdelsheimer Beckens vor mehr als 50 Jahren sei man sich einig gewesen, dass ein Damm oberhalb von Büdingen für den Hochwasserschutz notwendig sei.

Nach Hochwasserkatastrophe: Büdinger Bürgermeister fordert 15 Meter hohe Staumauer

»Ich für meine Person erhebe den Anspruch, dass eine 15 Meter hohe Staumauer am Hammer gebaut werden muss«, forderte Bürgermeister Spamer. Weiterhin müssten Rückhaltebecken am Oberlauf des Seemenbaches in Kefenrod und Nieder-Seemen gebaut werden. »Für diese Maßnahmen erwarte ich jetzt eine Zeitschiene.«

Dabei wies er die Verantwortung, dass bisher noch kein Rückhaltebecken gebaut worden ist, teilweise von sich. »Der Bürgermeister ist kein Ingenieur«, betonte er. »Er ist nur dafür da, im Verband darauf zu drängen, dass etwas geschieht.«

Der Vorsteher des Wasserverbandes Joachim Arnold wies darauf hin, dass sich die Mitglieder erst letzten Herbst geeinigt hätten, nur noch die Lösung mit einem Rückhaltebecken zu verfolgen. Schon 2014 sei der Verband kurz vor dem Planfeststellungsverfahren für ein Konzept mit nur einem Becken vor Büdingen gewesen. Dann sei mehrere Jahre über ein System aus mehreren Rückhaltebecken diskutiert worden, damit der Damm in Büdingen niedriger ausfallen könne.

Hochwasser in Büdingen: „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht“

Ranstadts Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel forderte schnellere Verfahren. Schließlich gehe es um die Sicherheit der Bürger. »Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht«, betonte Arnold, dass alle Maßnahmen auch ein Rückhaltebecken keine absolute Sicherheit garantieren könnten.

Strauch betonte, dass der Hochwasserschutz für Büdingen aus einem System von Maßnahmen besteht. Ein Baustein davon ist die sogenannte Hainmauer am Schlosspark. Seit Jahrzehnten wird vor den Folgen eines Bruches, gewarnt.

Wolfgang Ernst zu Ysenburg und Büdingen stellte klar, dass die Mauer nach seiner Auffassung zwar auf seinem Grund stehe, aber der Stadt gehöre. Dennoch habe er mit seinen Arbeitern die Mauer in den 90er Jahren instand gesetzt. Sein Eindruck sei, bei der Stadt habe der Wille gefehlt, die Mauer zu sichern.

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