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Ein 45-Jähriger muss sich wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung zweier Mädchen vor Gericht verantworten.

Vor Gericht

45-Jährigem werden sexuelle Übergriffe auf zwei Mädchen vorgeworfen

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Wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung zweier Mädchen muss sich ein 45-jähriger Deutscher vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Büdingen verantworten.

Missbrauchtes Vertrauen: Der Frankfurter soll im November 2016 zwei Jugendliche sexuell belästigt haben, die in einer von ihm betreuten Wohngruppe im Wetteraukreis lebten. Die ihm vorgeworfenen Taten liegen über drei Jahre zurück.

Der Angeklagte, ein Sozialarbeiter, kündigte zu Beginn der Verhandlung an, aussagen zu wollen. Fragen der Nebenklage, die durch eine Anwältin und einen Rechtsanwalt vertreten wurde, werde er jedoch nicht beantworten.

"Die waren wie unsere Eltern", erklärte die ältere der beiden Frauen, die zur mutmaßlichen Tatzeit 18 Jahre alt gewesen war, das besondere Verhältnis in der Wohngruppe, in der sie auf Weisung des Jugendamtes untergebracht worden waren. "Wir haben ja keine Eltern, die Betreuer waren unsere Bezugspersonen." Besonders gegenüber ihr soll der Angeklagte mehrfach übergriffig geworden sein. Einmal habe er ihr in ihrem Zimmer die Hose heruntergezogen, um zu sehen, welche Unterwäsche sie trage.

Vorwurf: Die Beine hinauf geküsst

Der gravierendste Vorfall habe sich am Abend des 30. November 2016 ereignet. Der Angeklagte sei in ihr Zimmer gekommen, habe sich zu ihren Füßen neben ihr Bett gesetzt und sie an den Beinen zu sich herangezogen. Dann habe er begonnen, sie von den Füßen die Beine hinauf bis an den Saum ihrer kurzen Hose auf den Oberschenkel zu küssen. Weil sie ihn angeschrien und nach ihm getreten habe, habe er schließlich aufgehört und ihr Zimmer verlassen.

Die Jüngere der beiden, damals 15 Jahre alt, schilderte, wie der Angeklagte ihr während eines Ausflugs von Mitgliedern der Wohngruppe während der Fahrt mit einem Fahrgeschäft zwischen die Beine gegriffen und dann mit der Hand immer weiter nach oben gefasst habe. Kurz vor dem Intimbereich habe sie seine Hand weggeschlagen.

Der Angeklagte berichtete fast eine Stunde über seine Arbeit, nahm aber nur wenig Stellung zu den ihm vorgeworfenen Taten. "Wie haben Sie denn diesen Ausflug in Erinnerung?", wollte Richterin Barbara Lachmann wissen. "Eigentlich gar nicht", antwortete der 45-Jährige. Er sei mehrfach mit Jugendlichen aus der Wohngruppe auf dem Kalten Markt in Ortenberg gewesen. "Ich kann das Ereignis nicht separieren."

Angst davor, sich anzuvertrauen

Noch weniger konkret waren seine Aussagen zu den ihm vorgeworfenen Übergriffen gegen die ältere Zeugin. Der Angeklagte sagte, dass er morgens mit ihr einen Termin bei der Polizei gehabt habe. Weil sie nicht rechtzeitig aufgestanden sei, habe er sie an den Beinen aus dem Bett gezogen. "Das hört sich so brutal, steinzeitmäßig an", räumte er ein. Überhaupt biete das enge persönliche Verhältnis mit Rangeleien und Konflikten auch Raum für Missdeutungen. "Vielleicht hat sie in manche Sachen etwas reininterpretiert, vielleicht bin ich ihr wirklich zu nahe getreten in der Auseinandersetzung", versuchte der Mann die Anzeige der heute 21-Jährigen zu erklären.

Deutlich mehr Zeit als auf die Tatvorwürfe verwendete der Angeklagte auf die Schilderung der Arbeitsbedingungen in der Wohngruppe. Ausführlich sprach er über seine Aufgaben - vom Einkaufen und Kochen bis zur Kontrolle angemessener Kleidung und Körperhygiene. Ohne dass er es aussprach, konnte man darin einen Versuch sehen, die Unterwäschekontrolle, von der die Ältere sprach, zu erklären. Dass er die Mädchen in der Dusche oder beim Anziehen durch die Tür gefragt habe, ob er ihnen helfen solle, will er ausschließlich scherzhaft gemeint haben.

Die beiden jungen Frauen schilderten ruhig die Ereignisse. Die Enttäuschung über das zuvor gute, jetzt aber zerstörte Vertrauensverhältnis wurde deutlich. "Normalerweise, wenn man als Betreuer arbeitet, würde man das ja nicht machen", erklärte die Jüngere, warum sie zunächst davor Angst gehabt habe, sich den anderen Mitbewohnern anzuvertrauen. Sie habe befürchtet, diese würden ihr nicht glauben.

Die Verhandlung wird mit der Anhörung von Zeugen und einer Gutachterin fortgesetzt.

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