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Setzkästen, Elfer raus oder das Geschirr in leuchtendem Orange: Diese Gegenstände sind untrennbar mit den 70er Jahren verbunden. Eine Ausstellung in Büdingen widmet sich dem Jahrzehnt.

Die 70er Jahre

Flokati, Setzkästen und Wackeldackel: 70er-Jahre-Ausstellung in Büdingen - Exponate gesucht

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Der Büdinger Geschichtsverein plant eine Ausstellung im Heuson-Museumsunter dem Motto "Die 70er Jahre: Ein Lebensgefühl in Orange". Dafür suchen die Veranstalte Schätze aus der Vergangenheit.

Büdingen(im). Der Flokati und die Makramee-Eule, Matchbox-Autos, Barbie-Puppen und Rubiks magischer Würfel, Römertopf und Schlauchmilchhalter, Walkman und Kassetten-Karussell - manche Gegenstände, die weitgehend aus der Welt von heute verschwunden sind, muss man nur anschauen und man weiß sofort: Das waren die 70er Jahre. Weil mit diesen Gegenständen so viele liebenswerte Erinnerungen, aber auch Gedanken an die politische und soziale Entwicklung der Gesellschaft damals und heute verbunden sind, plant der Büdinger Geschichtsverein jetzt eine Ausstellung unter dem Motto "Die 70er Jahre: Ein Lebensgefühl in Orange".

Vom 4. April diesen Jahres bis zum 28. März nächsten Jahres werden in den neuen Sonder-Ausstellungsvitrinen des Büdinger Heuson-Museums zahlreiche Funde aus einem bewegten Jahrzehnt zu bewundern sein - vom Fondue-Set bis zum Wackeldackel, vom Plateauschuh bis zum Setzkasten. Anlass genug für angeregte Gespräche unter Zeitgenossen, aber auch zwischen Jung und Alt, da ist sich Joachim Cott als Vorsitzender des Geschichtsvereins ebenso sicher wie seine Ehefrau Susanne Cott, die den Anstoß zu dem neuen Projekt des Geschichtsvereins gab.

Geschichtsverein organisiert 70er-Jahre-Ausstellung

"Irgendwann einmal habe ich im ZDF eine Folge des Formats ›Das war dann mal weg‹ gesehen und dabei vor meinem geistigen Auge Revue passieren lassen, wie viele Gegenstände sich im Verlauf der letzten 50 Jahre aus unserem Alltag verabschiedet haben und wodurch sie ersetzt wurden", berichtet Susanne Cott. Gesagt, getan: Joachim Cott setzte den Punkt auf die Tagesordnung der Vorstandssitzung des Geschichtsvereins. "Dabei war ich etwas unsicher, ob ein Ausstellungsthema, das uns zeitlich doch noch ziemlich nahe ist, Zustimmung finden würde."

Doch so kam es. Besonders die Idee eines Mitmach-Museums, das sich zum einen dem Zeitgeist und dessen Entwicklung in jüngerer Vergangenheit öffnet, und das zum anderen auf die Wetterauer als Kuratoren setzt, stieß auf Begeisterung. So war denn auch die Frage "Woher nimmt man die Exponate?" nicht schwer zu beantworten: "Fragen wir doch einfach die Wetterauer selbst!" lautete das Fazit des Vorstandes. Ab sofort können ausstellungsreife Schätze der 70er Jahre - ob aus Küche, Bad, Wohn- oder Schlafzimmer, Mode und Technik, Buch oder Spiel - gemeldet werden.

70er-Jahre-Ausstellung: Caro-Kaffee und Schallplatten

"Tatsächlich stellen die 70er Jahre in vieler Hinsicht eine Zeit des Umbruchs dar, der sowohl Politik als auch Gesellschaft, Kunst, Musik und Literatur betraf", erläutert Joachim Cott. "Die Ölkrise und das aufkommende Umweltbewusstsein, die Anti-Atomkraft- und die Friedensbewegung, der moderne Feminismus und eine neue Jugendkultur, die Ostverträge und Willy Brandts Kniefall im Warschauer Ghetto, der RAF-Terror und die Entführung der Lufthansa-Maschine ›Landshut‹ - all dies sind Ereignisse, die letztlich persönliche Biografien und auch das politische Geschehen auf Lokalebene geprägt haben."

Auf etwa 16 bis 20 Tafeln sollen diese Zusammenhänge erläutert werden, in den Vitrinen dagegen werden Leichtigkeit und der Spaßfaktor die Oberhand behalten, betont das Ehepaar Cott. "Interessant ist auch die Frage: Was ist inzwischen verschwunden - was gibt es bis heute?" ergänzt Susanne Cott und fügt hinzu: "Rotbäckchen-Säfte und Caro-Kaffee, Ahoi-Brause und Pez-Drops haben überlebt, analoge Kameras und Schallplatten sind zwar ›retro‹, erleben aber gerade eine Renaissance." Anderes dagegen hat sich radikal verändert: "Diaabende mit Projektor und Leinwand bei Freunden, die ihre Urlaubserlebnisse mitteilen wollten, gehören längst der Vergangenheit an - heute postet man seine Ferienerlebnisse in Echtzeit mit einem Wisch auf facebook oder Instagram."

70er-Jahre-Ausstellung: Exponate gesucht

Wer ein Exponat der 70er Jahre beisteuern möchte, erreicht Joachim Cott unter Tel: 0 60 42/95 23 34 sowie per E-Mail unter joachim.cott@geschichtsverein-buedingen.de. Er freut sich auf Nachrichten aus einer Welt, die vor einem halben Jahrhundert brandaktuell war.

,,Viele Gegenstände haben sich in den letzten 50 Jahren aus unserem Alltag verabschiedet und wurden ersetzt.

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