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Experte: Aus geringer Entfernung geschossen

Büdingen/Gießen (msi). Mehrere Sachverständige haben am Mittwoch im Verfahren gegen eine 67-jährige Juwelierin aus Büdingen ausgesagt. Die Frau hatte im Juli des vergangenen Jahres in ihrem Geschäft einen 18-jährigen Räuber erschossen, nun muss sie sich vor dem Gießener Landgericht verantworten.

Ein Facharzt für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Gießen, ein Sachverständiger für Schusswaffen des Hessischen Landeskriminalamts und ein Facharzt für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Münster erläuterten während der Verhandlung die Ergebnisse der Obduktion des 18-Jährigen, die Körperhaltung des Räubers zum Zeitpunkt des Schusses und weitere Details.

Der Facharzt für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Gießen hatte die Obduktion und eine toxikologische Untersuchung bei dem 18-Jährigen durchgeführt und festgestellt, dass der junge Mann vor der Tat weder Alkohol noch Drogen zu sich genommen hatte. Dem tödlichen Schuss in den Kopf sei kein Kampfgeschehen vorausgegangen. Für den 18-Jährigen habe durch die erheblichen Verletzungen des Gehirns keine Überlebenschance bestanden, sagte der Facharzt.

Ein Sachverständiger für Schusswaffen hatte den Schuss sowie die Schussrichtung von der Austrittswunde des Opfers bis zur Wand, in der das Projektil eingeschlagen war, rekonstruiert. Es sei nicht möglich zu wissen, ob der Schuss unbeabsichtigt abgegeben worden sei, da das Waffenmodell nicht eindeutig habe ermittelt werden können. Es habe sich jedoch um eine Waffe gehandelt, für die eine Erlaubnis erforderlich gewesen wäre, wusste der Sachverständige.

Außerdem gebe es mehrere Möglichkeiten, wie man eine Waffe vorspannen und auslösen könne. Gehe man davon aus, dass die Waffe schon entsichert gelagert worden sei, sei es sehr unsicher gewesen, die Waffe zu transportieren, denn ein Schuss löse sich bei einer bereits entsicherten Waffe sehr schnell. Der Fachmann sagte, in psychischen Ausnahmesituationen könne man den Abzug betätigen, obwohl man es nicht wolle.

Der Facharzt für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Münster hatte die Flugbahn des Geschosses im Raum rekonstruiert. Der Schuss und die Flugbahn, auch nach dem Austritt aus dem Kopf des Opfers, seien geradlinig verlaufen, da es sich um ein schnell austretendes Geschoss gehandelt habe. Der 18-Jährige sei von hinten in den Kopf geschossen worden, habe dabei Knochenbrüche und schwere Gehirn-Verletzungen erlitten. Das Opfer und die Angeklagte hätten sich im Nebenraum des Juweliergeschäftes befunden, als der tödliche Schuss abgegeben worden sei.

Während des letzten Verhandlungstages hatte ein Kriminalbeamter, der am Tag des Vorfalls vor Ort für die Spurensicherung zuständig gewesen war, ausgesagt, er sei damals davon ausgegangen, dass im Verkaufsraum geschossen worden sei. Die angeklagte Juwelierin hatte bei ihrer Aussage vor Gericht jedoch beteuert, der Schuss habe sich aus Versehen im Nebenraum gelöst.

Der Facharzt für Rechtsmedizin aus Münster sagte am Mittwoch zudem, der 18-Jährige sei nur Zentimeter von der Wand entfernt gewesen, als er getroffen wurde. Er habe mit dem Rücken zur Angeklagten gestanden, sein Körper sei gebeugt gewesen, zumindest tiefer als es seiner Körpergröße entsprochen habe. Sein Kopf sei bei dem Schuss nach links gedreht und nach vorne gebeugt, die linke Schulter hochgezogen gewesen. Der Mann sei in einer Umdrehbewegung gewesen und habe den Impuls gezeigt, den Raum in Richtung Laden zu verlassen. Da die Projektilflugbahn geradlinig gewesen sei, müsse die Angeklagte den Schuss aus einer geringen Entfernung abgegeben haben.

Der Prozess wird am kommenden Montag, 3. September, fortgesetzt.

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