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Einer der großen Nachkriegspolitiker: Christian Schwarz-Schilling ist 80

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Büdingen (geo). Seine Geburtstage feiert er immer in Städten mit »B«: Bonn, Berlin und Büdingen. Im Wetterauer »B« blieb der frühere Bundesminister Prof. Christian Schwarz-Schilling hängen.

»Das war sicher nicht das schlechteste Wahl, denn was wäre die Kreispolitik, die Landes-CDU und die Bundes-Union ohne ihn?«, fragte die Kreisvorsitzende der CDU Wetterau, Staatsministerin Lucia Puttrich. Sie hielt die Ansprache im Wachtbausaal des Schlosses - am letzten Abend der »Schwarz-Schilling-Festspiele«, wie sie die einwöchige Festfolge zu dessen 80. Geburtstag scherzhaft nannte. Zu dem Empfang mit Konzert des Orchesters »Symphonia Orient-Occident« hatten der CDU-Kreisverband und der Stadtverband Büdingen eingeladen.

Puttrich charakterisierte Schwarz-Schilling als Menschen, der nicht einspurig sei und viele Neigungen besitze. Schwarz-Schilling hätte auch Musiker, Sinologe oder Historiker werden können. Letztendlich sei er aber Parlamentarier geworden und ein erfolgreicher Unternehmer. Was ihn auszeichne, sei die Tatsache, dass er nie bequem gewesen sei. Jedoch kein unangenehmer Unbequemer: Er habe mit Deutlichkeit und Klarheit die Position bezogen, sich für andere Menschen einzusetzen, als Kämpfer für Menschenrechte. »Christian Schwarz-Schilling hat von der Kommune bis zum Bund Geschichte geschrieben. Er ist einer der großen Nachkriegspolitiker unserer Zeit«, sagte Puttrich.

Die Liebe zu seiner Ehefrau Marie-Luise habe ihn nach Büdingen geführt. Durch den frühen Tod seines Schwiegervaters sei er mit 27 Jahren Unternehmer geworden. Puttrich beleuchtete auch den politischen Weg vom Eintritt Schwarz-Schillings in die CDU (1960) bis zu seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter. Die Postreform, das Fernsehen, die moderne ISDN-Technologie und Handys könne man mit ihm in Verbindung bringen. Als Postminister bescheinigte Puttrich ihm eine wegweisende Politik. Mit seinem Austritt aus dem Bundeskabinett habe er bewusst auf Status und Macht verzichtet, um sich (wie in Bosnien-Herzegowina) für Menschenrechte zu engagieren.

Der stellvertretende Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn (FDP) überbrachte die Grüße der Landesregierung. »Christian Schwarz-Schilling hat in diesem Land eine neue Art von Diskussions-und Streitkultur eingeführt«, sagte Hahn. Hessen sei so auf die Globalisierung und damit verbundene Aufgaben vorbereitet worden. Schwarz-Schilling sei für die Politik ein Vorbild, seine Antworten und Einschätzungen in punkto Balkan seien sehr wichtig.

Landtagspräsident Norbert Kartmann zitierte aus politischen Reden des Parlamentariers. Er sprach als Ersatz für den früheren Chefredakteur des ZDF, Reinhard Appel, der eigentlich den Festvortrag hätte halten sollte. »Die Familie ist eine feste Grundlage für mein Leben gewesen. Man muss immer die Bodenhaftung behalten und wissen, welche Freunde man hat«, äußerte sich Schwarz-Schilling.

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