Nach einem lebensgefährlichen Messerstich in Büdingen musste das Opfer notoperiert werden. (Symbolbild)
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Nach einem lebensgefährlichen Messerstich in Büdingen musste das Opfer notoperiert werden. (Symbolbild)

Drei Varianten vor Gericht

War es Notwehr? Lebensgefährlicher Messerstich in Büdingen beschäftigt Gericht

  • vonConstantin Hoppe
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Ein lebensgefährlicher Messerstich in Büdingen beschäftigt das Landgericht in Gießen. Angeklagter, Geschädigter und Zeugen geben drei Varianten des Vorfalls zu Protokoll.

Büdingen - Eine Geschichte in drei Varianten: Am Mittwoch ist der Prozess gegen den 37-Jährigen wegen versuchten Totschlags in Büdingen in die nächste Runde gegangen. Der Mann soll während eines Streits mit einem 36-Jährigen sein Messer gezogen und diesen lebensgefährlich verletzt haben. Ereignet hat sich der Fall am 16. Juni 2020 vor einer Spielothek. Der Angeklagte gibt die Tat zwar zu - er beruft sich allerdings auf Selbstverteidigung.

Bei den vorangegangenen Prozessterminen waren sowohl der Geschädigte als auch zwei Zeugen - sie hatten versucht, die Streithähne auseinanderzubringen - nicht vor dem Landgericht Gießen erschienen. Auch durch die Polizei hatten sie nicht vorgeführt werden können. Am Mittwoch nun sagten das Opfer sowie ein 25-jähriger Zeuge aus.

Auseinandersetzung in Büdingen: Vor der Spielothek hagelt es Schläge

Beide bestätigten den bisher bekannten Ablauf der Ereignisse - wenn auch unter anderen Vorzeichen. Gegen 5 Uhr morgens in der Spielothek hatte der Streit zwischen dem Angeklagten und dem 36-Jährigen begonnen, der dem späteren Angeklagten noch rund 100 Euro schuldete. »Er wollte, dass ich ihm das Geld sofort gebe. Aber ich wollte nicht, ich war ja gerade am Spielen«, gab der 36-Jährige im Zeugenstand an.

Auf dem Parkplatz vor der Spielothek hagelte es kurz darauf erstmals Schläge, bis der Zeuge den 36-Jährigen zurück ins Gebäude zog. Als die beiden bald wieder herauskamen, begann der Streit erneut, und der Angeklagte stach zu.

Doch im Gegensatz zu diesem sprach der Geschädigte davon, dass der 37-Jährige ihn zuerst attackiert habe: »Ich bin mit ihm vor die Tür, und er hat mir sofort ins Gesicht geschlagen«, sagte der Mann. »Ich habe mich nur verteidigt.« Als er dann das zweite Mal aus der Spielothek heraus wollte, bot ihm die Mitarbeiterin an, ihn aus der Hintertür herauszulassen - das habe er jedoch abgelehnt: »Ich wollte noch mal versuchen, mit dem Angeklagten zu reden und das klären.« Dieser habe ihn dann sofort wieder beleidigt. Das Messer habe er erst gesehen, nachdem sein Gegenüber zugestochen hatte.

Messerstich in Büdingen: Opfer muss notoperiert werden

Trotz der lebensbedrohlichen Verletzung - das Opfer musste notoperiert werden -, ließen die beiden nicht voneinander ab - vermutlich auch wegen der Drogen und des Alkohols, die beide konsumiert hatten. Erst kurz nach dem Stich klang der Streit ab.

Laut dem Zeugen, der mit den Streitenden befreundet ist, gingen die Schläge und Beleidigungen von beiden Männern aus: »Die sind sofort aufeinander los. Wir haben versucht, sie auseinanderzubringen und zu beruhigen«, gab er vor Gericht an. Der Angeklagte »hat erst einmal etwas gelitten, weil er kleiner und schwächer ist«. Und er sprach auch von einer deutlichen Wesensänderung des Angeklagten in dieser Nacht: »So aggressiv kenne ich ihn gar nicht. Er ist eigentlich immer freundlich, nett und hilfsbereit.«

Mit einem Urteil wird nächste Woche gerechnet.

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