Bürgerentscheid: "Richtig was auf die Ohren gekriegt"

Büdingen (sax). Innerhalb von eineinhalb Stunden sind am Sonntagabend die Hoffnungen auf eine Sportplatzverlegung an das Schulzentrum zerschlagen worden. Eine breite Mehrheit der Wähler sprach sich gegen das Projekt aus.

Weil die Wahlbeteiligung nur bei 37,2 Prozent lag, sich deshalb nicht die erforderlichen 25 Prozent der Wahlberechtigten gegen (oder für) den Neubau des Sportplatzes auf dem Dohlberg entschieden haben, ist noch einmal die Stadtverordnetenversammlung gefordert. Es gilt aber als sicher, dass das Parlament auch bei seiner dritten Abstimmung über das Thema seine Ablehnung wiederholen wird.

Schon acht Minuten nach Schließung der Wahllokale lag das erste Ergebnis vor. In Dudenrod hatten sich 32,3 Prozent für die Sportplatzverlegung ausgesprochen, 67,6 Prozent der Wähler waren dagegen.

"Die Stadtteilargumentation: ›Ihr kriegt auf lange Zeit keine Investitionen", das zieht", vermutete Bürgermeister Erich Spamer, dass vor allem die Dörfer der Großgemeinde gegen das Projekt stimmen würden.

Tatsächlich war dieses erste Ergebnis ein noch harmloses Menetekel für die Stimmung in einigen Stadtteilen Büdingens. In Diebach stimmten nur 19,4, in Wolferborn nur 14,4 Prozent der Wähler für die Verlegung. Die Ablehnung lag in den beiden Dörfern bei 80,5 beziehungsweise 85,5 Prozent. Die geringste Zustimmung gab es mit 13,5 Prozent auf der Michelau. Dort sprachen sich 86,4 Prozent gegen eine Verlegung aus. Auch in der Kernstadt gab es in allen Wahlbezirken keine Mehrheit für die Verlegung. Einzige Ausnahme bildete Vonhausen, wo nur 48,3 Prozent der Wähler das Projekt ablehnten. 51,6 Prozent stimmten dafür.

"Ach herrje, ach ach ach", stöhnte Klaus Schwarzhaupt von den Freien Wählern, als sich das Debakel abzuzeichnen begann. "Das ist eindeutig, das kippt nicht mehr", sah auch Tim Strehm (FWG) ein. "Die Dummen sterben nicht aus." In Büdingen tobt offenbar auch 40 Jahre nach der Gebietsreform der Kampf Kernstadt gegen Stadtteile. So sinnierte Strehm: "Wenn wir kein Geld für den Sportplatz haben, wie wollen wir dann Geld für die Dorferneuerung Michelau haben?"

Ausgelassen zeigten sich dagegen die Gegner der Verlegung. "Die haben richtig was auf die Ohren gekriegt", freute sich Klaus Merz (CDU). "Das lässt mich ein bisschen an die Vernunft der Bürger glauben", erklärte Stadtrat Reiner Hornung (Pro Vernunft). Die Lügen haben gesiegt, blaffte Strehm ihn an. "Und die haben meistens kurze Beine."

Ähnlich wie er sprachen auch andere Befürworter von Wählerbetrug und Lüge. Sie warfen Magistrat und Stadtverordneten vor, bei ihren Veröffentlichungen falsche Zahlen verwendet zu haben. Detlef Grendel, früherer Vorsitzender der Turnerschaft, forderte, die Kommunalaufsicht und das Verwaltungsgericht anzurufen.

Der Vize-Fraktionsvorsitzende der CDU, Robert Preußer, sieht die Vorwürfe gelassen. "Wir haben nur geprüfte Zahlen aus den Beratungen über die Verlegung verwendet", betonte er. "Lug und Trug" sieht er auf der Gegenseite. Es sei merkwürdig, wenn diese behaupte, über 2700 Unterschriften für die Verlegung gesammelt zu haben, obwohl beim Bürgerentscheid nur 2163 Wähler für das Projekt stimmten.

Preußer hofft, dass die Stadtverordneten nach der Abstimmung zur Sacharbeit zurückkehren. "Wir müssen uns Gedanken machen, was da oben geschieht", forderte er ein Konzept zu den am Dohlberg seit Jahrzehnten brachliegenden Grundstücken.

Er wünsche sich, dass nach der Entscheidung die Spaltung in der Politik und unter den Bürgern beendet wird. Danach sah es am Wahlabend nicht aus. Als Stadtrat Wilfried Molz, früher FWG-Mitglied, Bürgermeister Spamer die Hand reichen wollte, verweigerte dieser jeden Gruß.

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