Büdinger Jugendliche gestalten eigene Radiosendung

Büdingen (sax). Die Dohlberg-Schüler haben vergangene Woche an zwei Projekten mitgewirkt.

In einem Radiobeitrag über das Thema Sexualität, den die Schüler selbst erarbeiteten, und beim Herstellen von Messern erfuhren die Schüler viel über sich selbst. Die besten Radiobeiträge aus ganz Hessen werden beim Hessentag in Oberursel ausgewählt und auf HR 2 gesendet.

"Ein Messer ist eine Waffe", sagt Schulleiter Tobias Michel. Als Aaron Löwenbein ihm vorschlug, die Schüler in der Projektwoche Messer herstellen zu lassen, habe ihm das zunächst Bauchschmerzen bereitet. Löwenbein arbeitet im Xenos-Programm, das gegen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus vorgehen will.

"Wir müssen Schülern auch zeigen, was Gewalt heißt", betont Löwenbein. Dabei meint er nicht nur körperliche Gewalt, wie sie das Messer symbolisiert. Gewalt beginne schon beim abwertenden Umgang mit anderen. Zusätzlich berichtet ein Polizist der Arbeitsgemeinschaft "Gegen Gewalt an Schulen" über den rechtlichen Rahmen der Verwendung von Messern.

Die Idee für das Projekt komme aus Skandinavien, berichtet Löwenbein. Dort sei es fester Bestandteil des Unterrichts aller Jahrgangsstufen. Das Messer stehe für die Möglichkeit, ein Werkzeug zum Guten, aber auch zum Schlechten einzusetzen. Zugleich fasziniere die Ästhetik des Materials.

Das erfahren die Schüler hautnah, als sie ihre Messer selber bauen. Die Klingen sind aus hochwertigen Stählen vorgefertigt. Auch der Griff, den die Jugendlichen aus Hölzern oder Rentierhorn zusammenfügen, ist aufwendig. Zwischen drei und acht Euro koste das Material, wenn es nicht im Rahmen des Xenos-Projekts gestellt werde, erläutert Löwenbein. Aus relativ plumpen Holzquadern entstehen durch geduldiges Schleifen allmählich glänzende, handschmeichelnde Messergriffe.

In einem anderen Projekt geht es um Sexualität. "Es ist einfach nicht schön, wenn man Schlampe genannt wird", erklärt Anastasia, warum die meisten Mädchen sehr auf ihren Ruf achten. Vor allem Jungen redeten viel über Sexualität. "Wenn ich mit meinen Freunden weggehe, sprechen die Jungs viel darüber", berichtet Ayleen. "Das ist ätzend", stimmt Susan zu. Denn oft werde in allen Details geschildert, was man mit der Partnerin gemacht habe.

Einen unterschiedlichen Umgang mit dem Thema erfahren die Schüler bei den Befragungen von Passanten. "Ältere Omas erzählen immer schöne Geschichten, Jugendliche sprechen immer über harte Sachen", sagt Ayleen. Viele allerdings fänden es merkwürdig, über Sexualität zu sprechen. "Manche wollten darüber nicht reden", berichtet Susan von der Reaktion befragter Bauarbeiter. ""Wir können kein Deutsch" haben die richtig gut auf deutsch gesagt", gibt Ayleen eine Ausrede türkischer Mitschüler wieder.

Die Gelegenheit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, entstand durch das Projekt "Hessen hören - so klingt meine Welt". Die Stiftung Zuhören, der Hessische Rundfunk und die Landesanstalt für privaten Rundfunk hatten anlässlich des letzten Hessentags erstmals Jugendliche aufgefordert, Beiträge von drei bis sieben Minuten Länge für das Radio zu produzieren.

Sexualität habe man ausgewählt, weil "die Jugendlichen in einer Phase sind, in der das Thema besonders wichtig ist", erklärt Benjamin Gürkan, Projektbetreuer von Radio Darmstadt.

Letztlich haben die Büdinger Jugendlichen auch die Hoffnung, mit ihrem Beitrag unter den bisher rund 25 Teilnehmern ausgewählt und bei der Siegerehrung am 16. Juni auf dem Hessentag ausgezeichnet zu werden. Alle Beiträge seien im Internet zu hören, erläutert Gürkan. Aber nur die besten würden auch im Radio-Programm von HR 2 gesendet.

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