Andrea Rahn-Farr ist im Milchviehstall für die Fütterung von über 400 Kühen verantwortlich.
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Andrea Rahn-Farr ist im Milchviehstall für die Fütterung von über 400 Kühen verantwortlich.

Modernste Technik

Büdingen: Roboter und Sensoren - so wirkt sich die Digitalisierung auf den Milchviehbetrieb aus

  • vonGeorgia Lori
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Andrea Rahn-Farr (48) ist Agraringenieurin. Mit ihrer Familie bewirtschaftet sie einen Milchviehbetrieb im Büdinger Stadtteil Rinderbügen mit etwa 400 Kühen.

Kühe sind ihre Leidenschaft, »als wunderbare Tiere in ihrer Art und Gelassenheit und das, was biologisch dahintersteht«. Denn Kühe produzieren aus dem Futter das hochwertige Lebensmittel Milch. »Es ist ein biologisches Wunder, dass dies funktioniert«, sagt Andrea Rahn-Farr. Das erste Mal hat sie Kühe im Alter von acht Jahren allein gemolken, als ihre Mutter mit ihrer jüngeren Schwester zur Geburt im Krankenhaus war.

Heute erlebten die »grünen Berufe« eine Renaissance, sagt sie. Sechs Festangestellte sind auf ihrem Hof beschäftigt und derzeit drei Auszubildende. »Wer nicht ausbildet, der braucht sich über Fachkräftemangel nicht zu beklagen«, sagt sie.

Milchviehbetrieb in Büdingen: Milchpreise auf Vor-Corona-Niveau

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft habe schon lange vor Corona begonnen. Sie nennt entsprechende Bereiche wie Sensortechnik im Stall und auf dem Feld, Maschinen, die Unkraut erkennen können, die Versorgung mit Dünger anhand der Blattfarbe oder bei Kühen die Gesundheitsdatenerfassung.

Diese Dinge hätten sich in den letzten 15 bis 20 Jahren entwickelt. Auf jedem Betrieb finde man etwas davon, bis hin zum Melkroboter. Je weniger Dünger oder Pflanzenschutzmittel gebraucht wird, weil es punktgenau appliziert wird, desto ressourcen- und klimaschonender könne gewirtschaftet werden. »Das nennt sich Präzisionslandwirtschaft«, sagt Rahn-Farr, die im Betrieb für die Fütterung zuständig ist. So wird die Ration für die einzelne Kuh regelmäßig überprüft. Eine ausgewachsene, etwa 700 Kilogramm schwere Kuh gibt etwa 30 Liter Milch pro Tag. Die Milch wird an eine Molkerei in Schlüchtern geliefert und von dort nach China exportiert.

Die Futterration pro Kuh und Tag liegt bei 50 Kilogramm. Bewirtschaftet werden deshalb um die 400 Hektar Grün-und Ackerland. 90 Prozent des Futters kommen von dieser Fläche. Biertreber, Rapsschrot und die Rückstände aus der Zuckerherstellung werden hinzugekauft.

Die Milchpreise liegen auf dem Niveau von vor Corona. »Wir hatten ein bisschen Angst, denn die Großverbraucher sind weg. Das hat zu Verwerfungen geführt. Von den Ein-Liter-Verpackungen konnte man nicht genug herbei bekommen und die Zehn-Liter-Eimer sind übriggeblieben«, sagt Rahn-Farr. Die regionalen Molkereien hätten sich jedoch gegenseitig ausgeholfen.

Milchviehbetrieb aus Büdingen: Sender im Halsband und Melkroboter

Das Vor-Corona-Niveau sei gehalten worden, allerdings bei steigenden Kosten und Anforderungen der Milchbauern. »Letzten Endes fehlen uns vier bis fünf Prozent.« Zu den Anforderungen zählt auch die Digitalisierung. Die Kühe profitieren von modernen Berieselungsanlagen, gehen automatisch zum Melken. Die drei eingesetzten Melkroboter überprüfen die Milchqualität vorab. Die Kühe tragen einen Sender am Halsband, der ihr Verhalten überprüft. Der Sender zeigt auch an, wo die Kuh sich aufhält. Die Daten werden an Rahn-Farrs Mobiltelefon gesendet.

Die Sensoren als Frühwarnsystem dienen dem Tierwohl. Wenn eine Kuh erkrankt, wird sie von der Herde separiert und der Tierarzt untersucht sie.

Die Tendenz zur Digitalisierung nimmt allgemein stark zu. So ist bereits ein Gerät auf dem Markt, das die Kuh schluckt und das ihre Körpertemperatur misst. Zudem gibt es eine spezielle Brille, durch die die Tiere nicht nur beobachtet, sondern zusätzlich auch Daten zur Kuh eingeblendet werden.

Die Landwirtschaft nutzt schon seit zwei Jahrzehnten das »Smart Farming«, das Vorreiter bei der Nutzung von GPS-Daten war. Wetter-Apps und Drohnen helfen, Bodenbearbeitungs- und Ernteverfahren zu optimieren. Digitale Lösungen wie bei der Düngung ermöglichen es, Pflanzen effizienter zu versorgen.Futterroboter oder Klimaführungssysteme leisten einen wesentlichen Beitrag zum Tierwohl und erleichtern die Arbeit. Hard- und Software werden stetig weiter verbessert und erlauben, auch den Bereich der Logistik einzubinden. 

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