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Büdingen hat einen neuen Botschafter in Berlin

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Büdingen (sax). Im Sitzungssaal des historischen Rathauses hat Ortsvorsteherin Sabine Kraft-Marhenke am Samstag verkündet, dass der diplomatische Dienst der Stadt »trotz notorisch knapper Kassen« aufgestockt wird. Möglich wird die Ernennung eines zweiten Botschafters nach Hans Muth, da das Amt des Repräsentanten eine ehrenamtliche Aufgabe ist.

Bürgermeister Erich Spamer ließ es sich nicht nehmen, dem neuen Botschafter Richard Meng als »ranghöchsten Repräsentant der Stadt in Berlin« auf seine Aufgaben hinzuweisen. Der Büdinger Meng habe »die Empfänge für Staatsgäste nach Büdingen umzuleiten und vor Ort zu organisieren«, forderte Spamer augenzwinkernd. Zugleich stellte er auch die Rangfolge zwischen Ehrenamt und dem bisherigen Wirken Mengs klar. Meng sei zukünftig nur noch »im Nebenberuf als Pressesprecher des Berliner Senates tätig«.

Kraft-Marhenke stellte die Ernennung des Botschafters in eine Reihe guter Botschaften aus Büdingen, die in letzter Zeit zu vermelden gewesen seien. Neben der Erweiterung des 50er-Jahre-Museums und der Ernennung des von Lothar Keil wieder kultivierten Wilden Steins sei auch die Taufe eines Airbus auf den Namen Büdingen darunter. Auf europäischen Strecken habe die Stadt damit gewissermaßen einen fliegenden Botschafter bekommen.

Die Botschafter aus Fleisch und Blut hätten eine ähnliche, wenngleich intensivere Funktion. Sie sollen »Büdingen in der Region, deutschlandweit und darüber hinaus bekannt machen«.

Spamer wies in seiner Aufzählung der Aufgaben und Pflichten des Botschafters auch darauf hin, dass dieser dem Bürgermeister Tür und Tor bei Staatsempfängen in Berlin zu öffnen und ihn über wichtige Entwicklungen zu informieren habe. Richard Meng sei außerdem an die Weisungen des Bürgermeisters gebunden, scherzte er. Ließ der neue Botschafter die meisten der Pflichten noch gelten, wies er jedoch zurück, sich Spamers Weisungen fügen zu müssen. »Es gibt nur zwei Auswege: Entweder du änderst das in ›ist nicht an Weisungen‹ gebunden, oder du gibst keine Weisungen.«

Auch die Stadt und ihre Bürger seien für den Erfolg seines Wirkens für Büdingen mitverantwortlich, betonte Meng. »Die Stärke einer Kommune ist der Zusammenhalt der Kommune.« Entwicklungen in Berlin zu erfahren, hieße auch, Fragen an den Botschafter zu stellen. Er werde keine Berichte nach Büdingen schicken.

Er versprach aber, neben seinem Werben für die Stadt auch ein offenes Ohr für die Büdinger zu haben. Er lobte in diesem Zusammenhang das Wolfgang-Ernst-Gymnasium, das an der Tradition festgehalten habe, die 12. Klassen nach Berlin fahren zu lassen. Für diese Kontinuität dankte er dem Gymnasium. Die Leiterin Susanne Gebauer bekam stellvertretend für die Schule eine Ehrenmünze der Stadt Berlin überreicht.

»Ich bin Teil einer Generation, die hinausgegangen ist«, beschrieb Meng seinen Lebensweg. »Ich bin in eine Zeit hineingeboren, in der Bildung das Tor zum Leben war.«

»Dass Berlin so blüht, hängt mit den jungen Menschen zusammen, die dort hingehen«, sagte Meng. Die Kommunen sollten den Wegzug der Jugend nicht nur als Problem, sondern auch als Chance begreifen. Die Menschen, die die Stadt verließen, könnten Fäden zur Heimat knüpfen. Er wünsche sich noch weitere Botschafter auch aus jüngeren Generationen.

Endgültig wieder in der Heimat angekommen dürfte Meng sich gefühlt haben, als er die Oberhessische Hymne von »de Säu im Garde« mitgesungen hatte. (Foto: sax)

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