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Gerichtsurteil

Nach Bombendrohung in der Wetterau: 30-Jähriger vor Gericht

  • vonOliver Potengowski
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Zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung ist ein 30-jähriger Lette verurteilt worden, der im November 2019 mit einer Bombendrohung für einen Großeinsatz am Büdinger Mathilden-Hospital gesorgt hatte.

Büdingen - Zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung ist jetzt ein 30-jähriger Lette verurteilt worden, der im November 2019 mit einer Bombendrohung für einen Großeinsatz der Polizei am Büdinger Mathilden-Hospital gesorgt hatte. Zu seinen Motiven für die Tat konnte der Mann in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Büdingen nichts beitragen, weil er angab, sich an Details nicht mehr erinnern zu können. Dafür ist die Erinnerung bei den Zeugen seiner Tat umso lebendiger.

Holzfäller sei er in Lettland gewesen, sagt der schmächtige junge Mann. Weil es keine Arbeit gegeben habe, sei er 2015 mit seiner Familie nach Deutschland gekommen; hier habe er als Dachdecker gearbeitet. Nach zwei Jahren sei seine Frau mit den beiden Kindern nach Lettland zurückgekehrt, lässt er übersetzen.

Bombendrohung in Büdingen: Familie zerstört

Er spricht und versteht wenig Deutsch. Doch zwei deutsche Wörter - »Achtung, Bombe« -, die er am Nachmittag des 4. November 2019 ins Foyer des Mathilden-Hospitals rief, haben das gesamte Krankenhaus und viele Polizeikräfte in Aufruhr versetzt. Und sie haben auch seine Familie zerstört. Denn kurz nachdem er noch am Abend des 4. November verhaftet wurde, habe seine Frau die Scheidung eingereicht, erzählt der Angeklagte.

Bevor er an jenem Tag seinen Bruder im Krankenhaus besuchte, muss der Angeklagte erhebliche Mengen Alkohol getrunken habe. Zwischen 2,41 und 3,03 Promille Alkohol habe er zur Tatzeit im Blut gehabt, rekonstruiert ein Gutachten. Richterin Barbara Lachmann sieht dennoch keine Anzeichen verminderter Schuldfähigkeit, ebenso wenig die Zeugen seiner Tat.

Zwei Mitarbeiterinnen des Krankenhauses standen damals gerade am Empfangstresen im Foyer, um Stationsschlüssel zurückzugeben. Da prallte plötzlich ein Gegenstand gegen den Tresen und rollte auf dem Fußboden zurück. Sie seien sehr erschrocken gewesen, berichten die Mitarbeiterinnen, zumal der Angeklagte beim Werfen »Achtung, Bombe« gerufen habe.

Angeklagt ist die Tat als Störung des öffentlichen Friedens. Denn was der Angeklagte warf, war keine speziell angefertigte Attrappe, sondern eine beschädigte oder manipulierte Lautsprecherbox, an der Drähte und eine Platine zu sehen waren und die er seinem Bruder mitbringen wollte. Warum er sie stattdessen in den Eingangsbereich warf, daran könne er sich nicht erinnern.

Bombendrohung in Büdingen: Polizisten getreten

Doch die Kombination aus dem Aussehen des Gegenstands und seinem als Drohung verstandenen Ausruf führte dazu, dass ein Bombenentschärfungskommando des Landeskriminalamts nach Büdingen kam, das Krankenhaus weiträumig abgesperrt wurde und mehrere Stationen evakuiert werden mussten. Von dieser Aufregung hatte der Angeklagte nichts mehr mitbekommen. Mit dem Fahrrad war er Richtung Bahnhof gefahren.

Unterwegs hatte er in einem Supermarkt zwei Flaschen Spirituosen gestohlen, wobei er gefilmt worden war. Auch deshalb wurde er verurteilt.

Eine dritte Straftat floss ebenso ins Urteil ein: Nachdem Polizisten den Angeklagten im Zug am Bahnhof Büdingen festgenommen und auf die Wache gebracht hatten, trat er nach einem Polizisten, der ihn fotografieren wollte. Für einen tätlichen Angriff auf einen Vollstreckungsbeamten sieht das Strafgesetzbuch seit 2017 eine Mindestfreiheitsstrafe von drei Monaten vor.

Bombendrohung in Büdingen: »Ich bedaure es sehr«

Deshalb lehnt Richterin Lachmann den Antrag der Staatsanwaltschaft auf eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen von je 10 Euro, dem der Verteidiger des Angeklagten lobend zustimmt, ab. Lediglich beim Diebstahl sind sie sich mit 20 Tagessätzen einig. Wegen der Störung des öffentlichen Friedens sei der Mann zu vier Monaten, wegen des Angriffs auf den Polizisten zu drei Monaten zu verurteilen. Alle drei Strafen werden zu einer Gesamtstrafe von sechs Monaten, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird, zusammengezogen.

Die schwerste Strafe ist jedoch offenbar, dass der Mann durch die Tat seine Familie verloren hat. Deshalb wirkt sein Schlusswort glaubwürdig: »Ich bedaure es sehr«, erklärt er. »Geben Sie mir bitte die Möglichkeit, ein normales Leben aufzunehmen.«

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