1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Büdingen

Anklage: Schwerer Fall von Vergewaltigung

Erstellt:

Kommentare

Büdingen (mig). Ein schwerer Fall von Vergewaltigung in der Ehe ist vor dem Amtsgericht Büdingen eröffnet worden. Er zeigte schon zu Beginn auf, mit welch aufwändigen Maßnahmen die deutsche Justiz konfrontiert sein kann, wenn es sich bei den Betroffenen um Menschen aus dem arabischen Sprachraum handelt.

In diesem Fall geht es um die Frage: Darf das mutmaßliche Opfer das Zeugnisverweigerungsrecht für sich in Anspruch nehmen? Dies steht einer Ehefrau im Prozess gegen ihren Mann normalerweise zu. Oder aber gilt eine Ehe, die im Irak geschlossen wurde, hierzulande nur im Zusammenwirken mit deutschen Dokumenten als eine solche? Dies stellte Staatsanwalt Tom Bayer in den Raum. Die Frau am Zeugentisch ließ jedenfalls wissen, sie würde, wenn dies möglich ist, nichts zur Sache sagen. Der Staatsanwalt hingegen verwies darauf, dass dies so einfach nicht gehe, weil ein vom deutschen Staat anerkanntes Gültigkeitsdokument für die Ehe nicht vorliege.

Abbruch der Beweisaufnahme

Richterin Barbara Lachmann brach die Beweisaufnahme ab, um in dieser Sache rechtssichere Klarheit zu erlangen. Ob das gesamte Verfahren neu angesetzt werden muss, wird sich zeigen, denn eine Fortführung müsste laut Prozessordnung innerhalb der nächsten drei Wochen erfolgen. Dies könnte sich allerdings als schwierig erweisen, weil etliche Beteiligte betroffen sind - neben den Zeugen auch zwei Dolmetscherinnen und eine neu verpflichtete Rechtsanwältin. Sie wurde vom Gericht aktuell bestellt, weil die Ehefrau nicht wusste, dass dieses Verfahren auch auf ihr eigenes Schicksal und das ihrer Kinder Auswirkungen haben könnte. Deswegen hatte sie zunächst auf Rechtsbeistand verzichtet.

Welch naive Auffassungen von deutschem Recht der 39-jährige Angeklagte, der sich derzeit in der Hünfelder Vollzugsanstalt in Strafhaft befindet, an den Tag legt, wurde während seines Auftritts in Büdingen deutlich. Richterin Lachmann musste ihn mehrfach maßregeln, weil seine Einlassungen sowohl inhaltlich als auch die Lautstärke betreffend die zu akzeptierende Grenzen übertrafen. Sein kurioser Vorschlag an die Vorsitzende: Wenn man bei der juristischen Aufarbeitung nicht weiterkomme, möge man ihn doch mitsamt seiner Familie in den Irak abschieben. Und zwar sofort. Die Ehefrau will das aber auf gar keinen Fall.

Außerdem vergaß der bullige Mann offenbar, dass ihn aufgrund der Anklage eine saftige Haftstrafe erwarten könnte. Paragraf 177 des Strafgesetzbuchs hinsichtlich sexuellen Übergriffs, sexueller Nötigung und Vergewaltigung besagt nämlich: Wer gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person sexuelle Handlungen an dieser Person vornimmt, wird mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Das, was in Büdingen passiert sein soll, weist brutale Züge auf. Laut Staatsanwalt war die Familie an jenem Tag zusammengekommen, um mit den Vätern von Ehefrau und Ehemann in der arabischen Heimat telefonisch zu besprechen, wie es weitergehen soll in der Beziehung auf Büdinger Boden. Nach diesem Telefon-Meeting habe sich der Beschuldigte ausgezogen und seine Frau unter Anwendung erheblicher Gewalt zum Sexualverkehr gezwungen. Das mutmaßliche Opfer habe laut und vielfach um Hilfe gerufen, diese aber erst nach Erduldung der Pein erhalten, als die Polizeikräfte eintrafen.

Auch interessant

Kommentare