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55-Jähriger gesteht Missbrauch dreier Enkelinnen

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Kindesmissbrauch durch eine Person aus dem persönlichen Umfeld ist – so die Gießener Richter bei der Urteilsverkündung – leider keine Seltenheit.	(Symbolfoto: dpa)
Kindesmissbrauch durch eine Person aus dem persönlichen Umfeld ist – so die Gießener Richter bei der Urteilsverkündung – leider keine Seltenheit. (Symbolfoto: dpa) © DPA Deutsche Presseagentur

Büdingen/Gießen (sha). Ein Großvater missbraucht seine drei Enkeltöchter. Am Wochenende, wenn die sieben, zehn und elf Jahre alten Mädchen bei ihm übernachten, vergeht er sich an ihnen.

An vier Samstagen kommt es zu Übergriffen, teils schwerer sexueller Missbrauch. Dann berichtet eines der Kinder der unbeteiligten ältesten Schwester, was passiert ist. Die wendet sich an die Mutter, die sofort die Polizei einschaltet.

»Diese Tat – sexueller Missbrauch von Kindern im persönlichen Umfeld – ist leider nicht ungewöhnlich«, stellt Vorsitzender Richter Dr. Patrick Gödicke am Donnerstag bei der Urteilsverkündung der Ersten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts fest. Immerhin ein Aspekt ist anders – im positiven Sinne: »Der Angeklagte steht zu seiner Tat und ist dabei, zu begreifen, was er angerichtet hat.« Tatsächlich hatte der 55-jährige Büdinger alle Vorwürfe eingeräumt und es den Opfern somit erspart, noch einmal vor Gericht als Zeugen auftreten zu müssen. Das schlug sich auch im Urteil nieder: vier Jahre Haft.

Erst Malprogramm, dann Pornofilme

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre gefordert. Gödicke wies jedoch daraufhin, dass es ohne das Geständnis des Mannes »sehr zweifelhaft« gewesen wäre, ob die Taten aus dem Frühjahr 2012 hätten nachgewiesen werden können. Gleichwohl betonte der Richter: Auch wenn die Kinder nicht noch einmal vernommen werden mussten – sie und ihre Familie werden »ein Leben lang an den Folgen zu tragen haben«. Das hatte auch Staatsanwalt Dr. Christian Matejko unterstrichen. Denn: Nach Aussage der Mutter der Opfer war selbst die unbeteiligte Tochter massiv durch die Übergriffe beeinträchtigt worden, musste das Gymnasium verlassen und landete schließlich auf der Hauptschule. Zudem habe die Jugendliche begonnen, sich zu ritzen.

Auf Nachfrage des Vorsitzenden gestand der Angeklagte auch, die Situationen, in denen es zu den Übergriffen kam, provoziert zu haben: Die Mädchen hatten gerne an seinem Computer gespielt. Mehrere Bilddateien pornografischen Inhalts habe er so abgespeichert, dass die Kinder darauf stießen, wenn sie ein Malprogramm benutzten. Nachdem er dann mit ihnen am PC weitere Pornofilme und Bilder angesehen hatte, sei es zu den sexuellen Handlungen gekommen.

Der 55-Jährige räumte auch ein, dass er den Enkeltöchtern manchmal einen Klaps angedroht habe, sollten diese etwas nicht tun. Dennoch habe er sofort mit Dingen aufgehört, die den Kindern Schmerzen bereitet hätten, betonte der Büdinger mehrfach. Zögerlicher äußerte sich der Mann zu weiteren perversen Neigungen.

Eigenen Angaben zufolge hat der 55-jährige Angeklagte ein Alkoholproblem. Wegen des geregelten (Berufs-)Alltags des Mannes sahen die Richter dessen Schuldfähigkeit jedoch nicht beeinträchtigt. Der Sachverständige empfahl, den therapiewilligen Mann – eingestuft als pädophil in einer Nebenströmung – für einen Teil der Haftzeit in einer Entziehungsanstalt unterzubringen. Eine solche Anordnung bezog die Kammer in ihr Urteil mit ein.

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