Christoph Röder zeigt, wie man computergesteuert die 3D-Darstellung einer Bronzekanne bewegen kann.
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Christoph Röder zeigt, wie man computergesteuert die 3D-Darstellung einer Bronzekanne bewegen kann.

Bronzezeit digitalisiert

  • vonOliver Potengowski
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Weit über 2000 Jahre alt sind die Funde aus den Fürstengräbern, die in der Keltenwelt am Glauberg gezeigt werden. In einer neuen Sonderausstellung, die teilweise auch im Internet zu sehen ist, zeigt das Museum, wie Computertechnik die empfindlichen Funde besser begreiflich machen kann.

Ausschließlich Nachbildungen werden in der neuen Sonderausstellung "Keltenwelt digital" gezeigt, die noch bis zum 14. März im Landesmuseum auf dem Glauberg zu sehen ist. Doch obwohl die Originale der Exponate nur wenige Schritte weiter ebenfalls in den Vitrinen stehen, lohnt sich der Rundgang durch die Sonderschau. Sie zeigt, wie die Technik des 21. Jahrhunderts für Laien, aber auch für Archäologen sinnvoll genutzt werden kann.

Denn ein wichtiger Teil deren Arbeit ist die möglichst detailgenaue Dokumentation der Befunde und Funde einer Grabung, um späteren Forschergenerationen das eigene Wissen zu übermitteln. Traditionell wird dabei fotografiert und von Hand gezeichnet. Doch diese klassischen Techniken erlauben nur die Darstellung in zwei Dimensionen.

Halsreif nur zweimal geöffnet

Erst die moderne Computertechnik ermöglicht, die Funde nicht nur in den drei räumlichen Dimensionen zu erfassen, sondern auch, sie mit einem 3-D-Drucker zu reproduzieren. Dadurch können detailgetreue Nachbildungen der oft sehr empfindlichen jahrtausendealten Fundstücke mit vergleichsweise geringem Aufwand hergestellt werden, mit denen überdies Experimente möglich sind.

Vor einem Jahr hat die Keltenwelt begonnen, die in dem Museum gezeigten Funde gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für grafische Datenverarbeitung zu digitalisieren. 20 Exponate seien bereits erfasst, berichtet Christoph Röder, Mitarbeiter der Keltenwelt. Für die Forscher des Instituts bieten die sehr detailreichen Exponate eine gute Gelegenheit, ihre 3-D-Scanner zu perfektionieren.

Am Beispiel eines goldenen Halsreifs, der in einem der Gräber gefunden wurde, verdeutlicht Röder die Vorteile der digitalen Dokumentation. Der Verschluss des Schmucks sei seit seiner Entdeckung aus Sorge, ihn zu beschädigen, erst zweimal geöffnet worden: bei der Restaurierung und ein zweites Mal für die Digitalisierung. Durch den digitalen Datensatz ist es jetzt möglich, die Öffnung des Verschlusses beliebig oft zu simulieren. Dadurch war es den Forschern möglich, die Mechanik zu verstehen, die es dem keltischen Besitzer erlaubte, den Halsring ohne fremde Hilfe an- und auszuziehen. Röder erklärt, dass es anhand dieser Dateien auch möglich wäre, einen solchen Halsreif computergesteuert drucken zu lassen.

In anderen Vitrinen sind solche 3-D-Drucke von Exponaten ausgestellt. An ihnen wird deutlich, dass es durch die im Computer gespeicherten Datensätze auch einfach möglich ist, ein originales Fundstück maßstabsgerecht zu vergrößern oder zu verkleinern. In einer Vitrine steht die im Original mannshohe Sandsteinfigur des Keltenfürsten rund 20 Zentimeter groß hinter einer hockenden, etwa gleich großen Figur. Beide tragen den gleichen Brustpanzer. Während die Statue des Keltenfürsten stark verkleinert wurde, ist die Figur im Schneidersitz, die im Original nur wenige Zentimeter groß ist und den Rand einer Bronzekanne ziert, deutlich vergrößert.

Die Vorteile einer solchen starken Vergrößerung für die Darstellung im Museum zeigen sich auch bei einer reich verzierten Gewandspange aus dem Grab des Keltenfürsten. Erst in der achtfachen Vergrößerung werden manche Details und Figuren deutlich. Auch die Mechanik der Spange erschließt sich für den Laien erst in dem großen Maßstab.

Ein Bildschirm zeigt eine im Original aus dünnem Bronzeblech hergestellte Kanne. Durch das Material und das Alter ist sie inzwischen sehr zerbrechlich. Wenn Besucher an den Bildschirm herantreten, scheint die Kanne plötzlich auf sie zuzuschweben.

Zwei Kameras erfassen die Augen des Betrachters und passen die Darstellung aus zwei leicht überlagerten Bildern der Kanne so an, dass ein dreidimensionales Bild entsteht. Besucher können sogar scheinbar ihre Hände in den Bildschirm strecken, die Kanne greifen und drehen - undenkbar mit dem Original.

Digitaler Ersatz für den Notfall

Röder erklärt, dass die Digitalisierung eine umfangreichere Informationsvermittlung ermöglicht. Diese Dokumentation von Fundstücken hat für die Wissenschaft einen weiteren Vorteil: Sollten die Originale beschädigt werden oder verloren gehen, können die Forscher immer noch auf die digitalen Dateien zugreifen.

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