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Boden - was er ist, was dort lebt

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Von: Redaktion

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In Zusammenarbeit mit der BI »Bürger für Boden« hat Dr. Matthias Peter einen Beitrag formuliert zum Thema Boden. Peter vom Ingenieurbüro Schnittstelle Boden ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bodenkunde und Bodenschutz. In seinem Beitrag erklärt er, was Boden genau ist:

Den Boden kennen die meisten von uns nur als von Pflanzen bewachsene Bodenoberfläche. Bleibt der Boden, die Erde, an unserer Kleidung hängen, ist er nicht einmal mehr Boden, sondern Dreck. Aber die Bodenoberfläche, die wir sehen, ist nur die »Außenansicht«. Der Boden reicht mindestens einen Meter, oft auch tiefer, nach unten. Arbeitet man im Garten, tauchen immer mehr Aspekte des Bodens auf: Ein Regenwurm ringelt sich und versucht möglichst schnell wieder ins Dunkle zu kommen. Tausendfüßer und Asseln wuseln herum, man findet Wurzeln. Der Boden lebt.

Was ist der Boden also? Wenn man es genau nimmt, stehen wir, wenn wir mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, auf einem Schwamm. Einem Schwamm, der gut zur einen Hälfte aus festen Bestandteilen und zur anderen aus Löchern besteht. Die festen Bestandteile sind mineralische Stoffe wie Steine aller Größen bis hin zu fein verriebenen Gesteinsmehlen. Die organischen Bestandteile sind Wurzelreste, Pflanzenreste und deren Ab- und Umbauprodukte, die man als Humus bezeichnet. Zu den organischen Bestandteilen gehören auch noch die lebenden Pflanzenwurzeln und die pflanzlichen und tierischen Bodenlebewesen. Diese festen Bestandteile sind in einer »Bodenstruktur« so miteinander verbunden, dass der Boden trotz der vielen »Löcher« stabil ist. Die »Löcher« im Boden werden Poren genannt und reichen von großen Regenwurmröhren bis hin zu nadelstichfeinen Poren, die man fast mit bloßem Auge nicht mehr sieht.

Durch seinen Aufbau bietet der Boden vielen Lebewesen einen Lebensraum: Die Pflanzen können mit ihren Wurzeln in den Boden wachsen und sich dort verankern, aber auch Wasser und Nährstoffe aufnehmen. Das funktioniert, weil es im Boden viele Nährstoffkreisläufe gibt, die von den sichtbaren und unsichtbaren Bodentieren und Kleinstlebewesen in Schwung gehalten werden. So zerkleinern die Regenwürmer und andere größere Bodentiere die von den Bäumen fallenden Blätter, ziehen diese in den Boden hinein und bereiten sie so für die nächst kleineren Lebewesen auf. Die beschäftigen sich dann mit der weiteren Zerkleinerung und dem weiteren Abbau. Bodenpilze und Bodenbakterien besorgen dann den Rest der Arbeit und zerlegen die Pflanzenmoleküle in die Nährstoffe, die die Pflanzen mit ihren Wurzeln erreichen und aufnehmen können. Die Bodenlebewesen, die wir sehen können, machen nur etwa ein Fünftel des gesamten Bodenlebens aus, die restlichen vier Fünftel teilen sich Pilze und Algen mit den Bakterien. Um die Anzahl der Bodenlebewesen zu verdeutlichen: In einer Handvoll Boden befinden sich mehr Lebewesen, als Menschen auf der Erde leben. Der Boden funktioniert als Lebensgrundlage für alle Lebewesen - denn ohne Boden könnten keine Nahrungsmittel wachsen und keine Pflanzen Sauerstoff zum Atmen produzieren. pm/Foto: Matthias Peter

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