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Unter Anleitung von Gärtnermeister Michael Bober (2. v. l.) lernen die angehenden Gartenbauwerker, wie man den professionellen Unterbau für einen Teich herstellt. Bürgermeister Klaus Kreß ist beeindruckt von Baufortschritt und Engagement. Neben ihm Stefan Zwätz und Stefanie Friedemann von den Greifvogel-Freunden.

Biotop als Ausbildungsprojekt

  • vonHanna von Prosch
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Wie in einem großen Sandkasten tummeln sich fünf Auszubildende und eine Praktikantin. Sie klopfen mit der Hand den Sand glatt, ebnen Übergänge, legen Wölbungen an. Ihr »Spielplatz« ist der Greifvogelpark, der Sandkasten das künftige Biotop. Die Natur-Baustelle im Goldsteinpark Bad Nauheim wächst Stück für Stück.

Michael Bober und Reinhard Ackermann sind Ausbilder für Gartenbauwerker am Institut für Berufs- und Sozialpädagogik Gießen. Sie freuen sich, dass Stefan Zwätz von den Greifvogel-Freunden Bad Nauheim ihnen dieses Ausbildungsprojekt im Goldsteinpark ermöglicht hat, zumal es für zwei Auszubildende aus dem Wetteraukreis in Heimatnähe ist.

Und es ist ein Projekt, das bleibt, anders als im Übungssandkasten in der Schule, wo nach erledigter Aufgabe alles wieder zugeschüttet wird. Die Jungs sind ganz bei der Sache: Einer mischt Wasser zu feinem, klebrigem Sand, der einen stabilen Untergrund für den Teich bietet. Andere Auszubildende modellieren die Ränder, schaffen Unebenheiten weg. Der Mann mit dem Cutter darf das dicke Teichvlies schneiden.

»Unsere Jungs und Mädchen sollen einmal auf einer Baustelle selbstständig unter Anleitung arbeiten können. Da geht Zeitdruck gar nicht, denn es sind oft sehr motivationsschwache Menschen. Daher ist Lob ist das Wichtigste, um sie bei der Stange zu halten«, sagt Bober.

Beruf bietet beste Aussichten

In der Schule haben sie sich den Teichbau in einem Film angesehen und alle Schritte genau besprochen. Dann folgte die Besichtigung der Baustelle, bevor sie jetzt an zwei Tagen voll im Arbeitseinsatz sind. Der Beruf des Gartenbauwerkers beinhaltet grundlegende Arbeiten, aber auch Pflanzenkunde mit 200 Pflanzennamen. »Die Ausbildung ist beliebt und bietet beste Berufsaussichten«, versichert Bober.

Auch Bürgermeister Klaus Kreß, der im Rahmen eines Urlaubsspaziergangs vorbeischaut, ist von dem Projekt begeistert. Nicht nur wegen des Engagements der Azubis, sondern auch, weil die Greifvogel-Freunde über Jahre durchgehalten hätten, um jetzt für Bad Nauheim eine so wunderbare Naturanlage zu schaffen. »Ich freue mich von Herzen darauf, und ich weiß, ganz viele Schulklassen auch«, sagt der Bürgermeister.

Zwätz zeigt ihm inzwischen die fast fertigen Hütten, die neu gepflanzten Rosensträucher, auch die Weinreben seien schon angegangen. Eine der großen Volieren, zehn Meter lang, drei Meter hoch und zweieinhalb Meter tief, steht bereits als Stahlgerüst. Es kommen noch eine größere und neben dem Eingang zwei kleinere dazu. Auch der morsche Totempfahl vom Waldspielplatz wird hier ein Blickfang sein.

An der Teichbaustelle legen die Azubis auf das Vlies noch die Folie. Die jungen Leute kommen wieder, wenn die Feuerwehr den Teich flutet. Aber den Begriff Teich möchten Zwätz und seine Kollegin Stefanie Friedemann nicht hören. »Wir legen ein Biotop an«, betonen sie, »denn hier sollen Vögel, Insekten und Frösche ein Zuhause finden. Es soll sich alles im ökologischen Gleichgewicht entwickeln.« Und auch die Singvögel wüssten die Nähe der Greifvögel zu schätzen, weil sie bei ihnen sicher sind.

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