Masche vom hilfsbereiten Handwerker: Rainer Benthaus berichtet von einem Betrugsversuch mit Dachrinnenreinigung.    	FOTO: JÜRGEN W: NIEHOFF
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Masche vom hilfsbereiten Handwerker: Rainer Benthaus berichtet von einem Betrugsversuch mit Dachrinnenreinigung. FOTO: JÜRGEN W: NIEHOFF

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Betrüger haben es auf Senioren abgesehen

  • vonJürgen W. Niehoff
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Sind ältere Menschen leichtgläubiger? Trotz Warnungen werden immer wieder Rentner Opfer von Betrügern. Der Vorsitzende des Nidderauer Seniorenbeirats, Rainer Benthaus, nimmt eigene Erfahrungen zum Anlass, vor den Maschen von Kriminellen zu warnen.

E ine 83-jährige Rentnerin übergibt Betrüger Bargeld und Goldmünzen in sechsstelligem Wert.« Diese Meldung gab die Polizei des Main-Kinzig-Kreises kürzlich bekannt. Zugleich teilten Polizeisprecher Michael Malkmus und auch die Nidderauer Ordnungsamtsleiterin Alexandra Laubach mit, dass in letzter Zeit eine Vielzahl an Mitteilungen über Anrufe falscher Polizeibeamter aus dem Main-Kinzig-Kreis darunter auch aus Nidderau eingegangen sei.

Bei der mittlerweile allseits bekannten Masche geben sich Anrufer als Polizeibeamte aus und versuchen unter einem Vorwand an Wertgegenstände und Bargeld zu gelangen. Aber es gibt noch anderen Tricks, mit denen die Betrüger die Gutgläubigkeit von älteren Menschen auszunutzen versuchen.

»Handwerker« macht Angebot

»Bei mir hat vor Kurzem ein junger Mann in typischen Handwerkerklamotten an der Haustür geklingelt und mir weiszumachen versucht, dass die Dachrinnen meines Daches über und über mit Laub verstopft seien. Ihm sei gerade ein Kunde ausgefallen und deshalb könne er sich entgegenkommenderweise um meine Dachrinnen kümmern«, schildert der 67-jährige Rainer Benthaus aus Eichen sein Erlebnis. Obwohl er das Angebot sofort dankend abgelehnt habe, habe der vermeintlich hilfreiche Handwerker weiter auf ihn eingeredet. Die Verstopfung würde einen kostspieligen Schaden am Haus nach sich ziehen, denn das Regenwasser würde nun an der Hauswand herunterlaufen. Er würde die Reinigung deshalb auch unverzüglich und zu einem Festpreis von nur knapp 300 Euro ausführen.

Aber Benthaus blieb bei seinem Nein. »Ich hatte von dieser Masche im Fernsehen gehört, verbunden mit der Warnung, bloß nicht darauf hereinzufallen, weil die vermeintlichen Handwerker nach Erhalt der Vorkasse unter einem Vorhalt gleich wieder verschwänden«, so Benthaus weiter. Weil er nicht nur Rentner, sondern auch Vorsitzenden des Seniorenbeirats der Stadt Nidderau ist, nahm er den Vorfall zum Anlass, auf anwachsende Zahl von Betrügereien aufmerksam zu machen.

Egal, ob Enkeltrick mit Bezug auf die Gefahren der momentanen Coronavirus-Pandemie, falsche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die Coronatests für 5000 bis 7000 Euro verkaufen wollen, bis hin zu falschen Mitarbeitern der Telekom oder Microsoft, die Homeoffice einrichten wollen, die Palette der Einfälle ist riesig.

Unbemerkt Daten auslesen

Darauf wurde auch vor Kurzem beim Informationsaustausch der Sicherheitsberater für Senioren« in Neuberg im Main-Kinzig-Kreis hingewiesen. Schwerpunkt bei diesem Teffen war neben den inzwischen bekannten Enkeltricksbetrügereien vor allem das Vorgehen von Tätern, mittels Lesegeräten kontaktlos von den Opfern unbemerkt Kartendaten auslesen und somit Geldüberweisungen vornehmen zu können.

Weiter warnt die Polizei vor falschen Mitarbeiter von Kreditinstituten, die vorgeben, die TAN-Generatoren der Opfer überprüfen zu müssen. Wegen der Corona-Krise sei dies nur telefonisch möglich und deshalb sollten die Angesprochenen den Betrügern einige TANs verraten. Auch Drohmails seien der Polizei inzwischen gemeldet worden. So würden vor allem ältere Menschen angerufen und ihnen würde gedroht, dass Familienangehörige mit Covid-19 infiziert würden, sofern sie keine Geldzahlung leistet.

Die Polizei empfiehlt, bei solchen Anrufen auf keine Forderung der Anrufer einzugehen, das Gespräch sofort zu beenden und die örtliche Polizeidienststelle zu informieren. Es handele sich in fast allen Fällen um altbekannte Betrugsmaschen, die lediglich an die Corona-Lage angepasst seien. In Nidderau haben sich mittlerweile drei Senioren zu Sicherheitsberatern für Senioren von der Polizei ausbilden lassen. »Die treten jetzt in Vereinen oder in Altenheimen auf, beraten aber auch im Einzelgespräch und ziehen im Bedarfsfall die Polizei hinzu«, berichtet Benthaus. Je aufgeklärter die Menschen seien, umso weniger hätten die Betrüger Aussicht auf Erfolg.

Die Polizei rät: Wenn von fremden Personen gesagt wird: »Ich muss mal zur Wasserleitung, zur Heizung, zum Stromkasten, die Telefonleitung überprüfen oder komme zur Rauchmelderkontrolle« und sie haben keine Sicherheitskette an der Tür, dann lassen Sie diese versperrt, schauen Sie durch den Türspion und sprechen Sie durch die geschlossene Tür. Seien Sie bei Haustürgeschäften grundsätzlich skeptisch und aufmerksam. Lassen Sie keine fremden Personen in Ihre Wohnung und rufen Sie im Zweifelsfall die Polizei, leisten Sie keine Vorkasse! jwn

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