Der Trauerpfad, so nennt Marion Münster-Appel den Weg, den sie fotografiert hat. Durch ihre Arbeit ist sie - im übertragenen Sinn - mit vielen Menschen solche Wege gegangen.
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Der Trauerpfad, so nennt Marion Münster-Appel den Weg, den sie fotografiert hat. Durch ihre Arbeit ist sie - im übertragenen Sinn - mit vielen Menschen solche Wege gegangen.

Begleitung in der Trauer

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Vielleicht liegt es an ihrem Werdegang, der ohnehin nicht ganz typisch ist, sagt Marion Münster-Appel. Früher war sie Theatermalerin, hat dann aber noch einmal neu als Floristin angefangen. Dabei hat es sich ergeben, dass sie sich auf Trauergestecke spezialisiert hat und auf Friedhöfen in der Wetterau arbeitet. Doch das war ihr nicht genug - sie hat sich tiefer mit dem Thema Trauer befasst.

Es war auffällig in diesem Jahr: Die Anfragen für eine Trauerbegleitung sind deutlich gestiegen, sagt Marion Münster-Appel. »Wir sind noch nicht dahintergekommen, woran das liegt.« Vielleicht an den Corona-Maßnahmen, vermuten sie und ihre Kollegen von der Hospizhilfe Wetterau: »Es funktioniert dadurch nicht mehr so gut, dass man nach einem Trauerfall von Freunden und Angehörigen aufgefangen wird.«

Vor drei Jahren hat Marion Münster-Appel die Ausbildung zur Hospiz- und Trauerbegleiterin gemacht, dafür ein Jahr lang regelmäßig Veranstaltungen und Kurse besucht.

Der Umgang mit dem Tod

Nun, mit dem Abschluss der Ausbildung, wird sie hauptsächlich als Trauerbegleiterin eingesetzt - ein Ehrenamt, das Menschen zur Verfügung steht, die sich nach einem Trauerfall Begleitung wünschen. Sei es durch Gespräche oder sei es durch Alltagshilfen wie Einkaufen oder durch gemeinsames Spazierengehen.

Dass Marion Münster-Appel diese Ausbildung absolviert hat, hat viel mit ihrem Beruf zu tun. Die 64-jährige Friedbergerin ist Floristin und - »so hat es sich in den vergangenen 15 Jahren ergeben« - auf Trauergestecke und Grabschmuck spezialisiert.

»Als Floristen sind wir mit dem Pfarrer und dem Bestatter mit die ersten vor Ort nach einem Trauerfall«, erzählt sie. In Vorbereitung auf Beerdigungen kam sie in den vergangenen 15 Jahren sehr oft mit Trauernden in Kontakt, sprach mit ihnen über den Verstorbenen, darüber, wie er war - um für die Trauerfeier ein passendes Gesteck anzufertigen.

Diese Gespräche, »sie sind oft sehr persönlich«, haben die Floristin dazu bewogen, die Trauerbegleiter-Ausbildung zu machen. »Ich wollte mir mehr Hintergrundwissen aneignen.«

Auch ein persönlicherer Grund habe ihre Entscheidung beeinflusst. »Ich werde bald 65, habe Arthrose in den Händen.« Das werde sie letztlich davon abhalten, ihren Beruf weiter auszuüben. »Mit der Trauerbegleiterinnen-Ausbildung habe ich ein Türchen gefunden« - für eine neue Aufgabe.

Dennoch: Daran, ihre Arbeit als Floristin aufzugeben, denkt sie noch nicht. Trotz der ständigen Konfrontation mit dem Thema Tod liebt sie das, was sie tut. Vor allem wegen der Vielseitigkeit: Einerseits sei es die Arbeit mit Naturmaterialien, andererseits der Kontakt mit den Menschen. Und schließlich ist es auch die Verantwortung: »Ich versuche, die Vorstellungen der Angehörigen so gut es geht umzusetzen. Damit sie in die Trauerhalle kommen und alles punktgenau passt.«

Dafür, wie das gelingt, gibt es keine Anleitung; so unterschiedlich wie die Menschen gewesen sind, die zu Grabe getragen werden, sind auch ihre Trauerfeiern. Im Gespräch mit den Angehörigen versucht Marion Münster-Appel das herauszufinden: Wie der Mensch war, was er mochte, was zu ihm passte. Einmal, erzählt sie, habe sie für die Bestattung eines Sportlers - er hat Fußball und Tennis gespielt - den Grabschmuck gestaltet. Die Floristin hat Rollrasen und einen Tennisschläger darin verarbeitet. »Der klassische Kranz verändert sich. Es wird immer individueller.« Zum Beispiel mit Steckmassenformen - Schmetterlinge, Engel, Gitarren. »Es soll dem jeweiligen Menschen entsprechen, der beerdigt wird.«

Klar gebe es auch Fälle, in denen das nicht gewünscht sei, eine zu außergewöhnliche Gestaltung als pietätlos empfunden werde - »das muss ich in dem jeweiligen Gespräch vor der Trauerfeier spüren.«

Überhaupt habe sich die Art von Bestattungen verändert - und damit einhergehend der Grabschmuck: Es gibt immer weniger Erdbestattungen, stattdessen mehr Urnengräber oder Friedwald-Bestattungen.

Durch die vielen Gespräche mit Trauernden hat sich Marion Münster-Appels Beziehung zum Tod verändert, sagt sie. »Meine Akzeptanz ist größer geworden, die Angst davor ist nicht mehr so groß.« Dennoch ist es wichtig, einen gesunden Abstand zu wahren. »Ich sage mir immer, ich bin zu Gast in einem anderen Leben. Ich komme zu den Trauergesprächen, bin ganz da, aber dann muss ich es schaffen, auf Wiedersehen zu sagen.« FOTO: SDA

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