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Rainer Hackel zieht es aus familiären und künstlerischen Gründen immer wieder auf den afrikanischen Kontinent. Dieses Bild ist in einem afrikanischen Dorf entstanden.

Begeistert von Afrika

  • VonHanna von Prosch
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Als der ostdeutsche Dichter Rolf Schilling nach der Wende Ernst Jünger besuchte, rief der voller Bedauern aus: »Da konnten Sie ja gar nicht nach Afrika in der DDR!« Auch Rainer Hackel trägt die Begeisterung für Afrika in sich, die bei fast jedem seiner Bücher eine Rolle spielt. Der nun erschienene Essayband »Jünger in Afrika« ist ein Beispiel dafür.

Die Liebe zu Afrika kommt für den Nieder-Mörlener Rainer Hackel, Lehrer an der Ernst-Ludwig-Schule, nicht von ungefähr. Seine Frau stammt von dort, seit 20 Jahren fährt er regelmäßig dorthin. »Ghana ist für mich meine eigentliche Heimat - zu Deutschland und den Deutschen habe ich ein sehr gebrochenes Verhältnis«, sagt Hackel. Das spiegelt sich auch in seinem neuen Buch. Jüngers Erfahrungen entsprechen seinen eigenen. Als 18-Jähriger besuchte er den alten Herrn und erlebte eine eindrucksvolle spontane halbe Stunde.

Das archaische dörfliche Leben auf dem Schwarzen Kontinent und die Lebenskraft der tropischen Natur, in der man sich in Afrika an »vergangene Erdalter« erinnert fühle, gefällt auch Hackel.

Fremde und unheimliche Welten

Jünger kam als 16-Jähriger dorthin und hatte Erwartungen »vom Wilden und Ursprünglichen« - ganz anders als die, die er in der Fremdenlegion machte. Die Eindrücke aus weiteren Besuchen beschreibt er in »Afrikanische Spiele« als: »die Blumen größer, ihre Farben tiefer, ihre Gerüche brennender«. Hackel stellt Aufsätze, Werke und Ansichten von Schriftstellern und Philosophen in den Kontext des jeweiligen Kapitels, analysiert sie und verknüpft sie mit seiner eigenen Sichtweise.

Als Zweites hat er sich den wenig bekannten, aber von ihm wie von Jünger verehrten DDR-Schriftsteller Rolf Schilling und seine Gedichte vorgenommen. Wer sich auf Schillings Gedichte einlasse, betrete fremde und zuweilen auch unheimliche Welten, die von Göttern, Faltern, Schlangen und Einhörnern bevölkert sind. Man werde an Opfersteine, Quellen und in den Harz geführt, aber auch nach Angkor, China und in Traum-Welten entführt. Hackel lobt Schillings berückende Lautmagie und gibt Beispiele, die neugierig machen.

Auf glatten Boden begibt sich der Autor mit der Betrachtung von Leni Riefenstahls Film »Triumph des Willens«. Dabei geht er auch auf ihr Erstwerk »Das blaue Licht« ein. Er stellt die Regisseurin der brillanten Fotografin - unter anderem afrikanischer Naturvölker - gegenüber, gibt detaillierte Einblicke in Absicht, Inhalt und Entstehen der Filme. Die ästhetische Kontinuität und die künstlerisch-cineastische Transformation im Zusammenhang mit dem Nazi-Regime veranlasst ihn zu einer Deutung ihres Schaffens, inklusive der Rassismus-Frage.

Kollwitz und »Die Poesie des Elends«

Ein weiteres Kapitel widmet er dem Bildhauer Arno Breker und seiner Beziehung zu Afrika. Breker porträtierte die Präsidenten der Elfenbeinküste und des Senegal lebensgroß, aber auch Figuren wie »Der Kaffeepflücker« oder »Die Baumwollträgerin«. Interessant ist, wie Hackel den Bezug von Künstler sowie zeit- und gesellschaftsgeschichtlichen Zusammenhängen herstellt. So auch in der durch ihre Tagebuchaufzeichnungen bereicherten lebendigen Auseinandersetzung mit der DDR-Malerin Käthe Kollwitz.

Er nimmt die Leser mit in die Bildbetrachtungen und in ihr von Höhenpunkten wie von Krisen, insbesondere durch das Altern, gezeichnetes Leben. »Die Poesie des Elends« in ihrer Malerei, bedeutete für sie die stille Würde der Arbeiterfrau, es sind Alltagsszenen, die sie inspirierten. Hackel beleuchtet auch ihr Verhältnis zum Christentum. An Kollwitz und Breker interessierten ihn neben der ästhetischen Faszination die Frage nach der Autonomie der Kunst beziehungsweise das Verhältnis zur Politik.

Die erwähnten Künstler sollten den Lesern schon ein Begriff sein, um alles nachvollziehen und einordnen zu können. Man kann sich aber auch inspirieren und mitreißen lassen und dabei Neues entdecken.

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