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Baugebiet nach Jahren vollendet

  • vonOliver Potengowski
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Ein sattes Defizit war vor Jahren beim ersten Bauabschnitt des Neubaugebiets Weidgasse in Bingenheim entstanden. Der Schock saß in der Gemeinde so tief, dass man den zweiten Bauabschnitt erst jetzt umsetzte. Dieser werde sich kostendeckend vermarkten lassen, erwartet Bürgermeister Wilfried Mogk. Eine Nachbarin kritisiert die Maßnahme.

Acht Bauplätze hatte Echzell im ersten Bauabschnitt des Bingenheimer Neubaugebiets Weidgasse erschlossen. Doch statt damit Geld in die klamme Kasse der Gemeinde zu spülen, mussten sogar noch 500 000 Euro an die Hessische Landgesellschaft (HLG), die mit der Erschließung beauftragt war, gezahlt werden (s. Info-Kasten).

Damit war der Ärger für die Gemeinde und auch die Bauherren aber noch nicht vorbei. Wegen des hohen Grundwasserstands und des nicht ausreichend tragfähigen Untergrunds wurde das Bauen auf den Grundstücken in der Weidgasse deutlich teurer als erwartet. Ein Ehepaar berichtete der Wetterauer Zeitung damals, im April 2014, dass sie wegen der Bodenverhältnisse nicht nur auf den Keller verzichtet hätten. Spezialfirmen hätten für eine Gründung auf Betonpfählen für eine standsichere Bebauung mehr als 52 000 Euro verlangt. "Das ist fast genau so viel, wie wir damals für das Grundstück bezahlt haben", klagte das Paar.

"Nachdem die Kommune schon so viel draufgelegt hatte, hatten viele Angst, den Rest zu erschließen", berichtet nun Bürgermeister Mogk über die Wirkung der zunächst misslungenen Entwicklung des Baugebiets, die in die Zeit vor seinem Amtsantritt fiel. Trotzdem wurde der zweite Bauabschnitt mit weiteren fünf Bauplätzen jetzt erschlossen. Drei Grundstücke seien bereits verkauft, erklärt Mogk. Durch einen Quadratmeterpreis von 170 Euro werde man den zweiten Abschnitt kostendeckend vermarkten können.

Aus den Erfahrungen mit dem ersten Bauabschnitt haben Echzell und HLG weitere Lehren gezogen. Wie bei den ersten acht Grundstücken gibt es eine Empfehlung, entweder auf einen Keller zu verzichten oder diesen als "weiße Wanne" auszuführen. Diese Konstruktion soll verhindern, dass Grundwasser durch Boden oder Wände in den Baukörper des Kellers drücken kann. "Viele bauen heute nur mit einer Bodenplatte", stellt Mogk fest, dass auch ohne die besonderen Gegebenheiten der Weidgasse viele Bauherren auf den Keller verzichten und so keinen Nachteil hätten.

"Es gibt für jeden Bauplatz ein Bodengutachten", erläutert Mogk den Unterschied bei der Vermarktung des zweiten Bauabschnitts zum ersten. Günther Thias von der HLG ergänzt auf Anfrage der WZ, dass auch Gründungshinweise Teil des Gutachtens seien.

Eine Nachbarin kritisiert die Erschließung des zweiten Bauabschnitts dennoch grundsätzlich. Sie spricht von "eigentlich unbebaubarem Grund" und behauptet, die "HLG vermarktet Torfboden". Um dort Bauplätze entstehen zu lassen, sei ein übermäßiger Aufwand an Arbeit und Maschinen notwendig. Durch die Erschütterungen seien bereits Schäden an ihrem Haus entstanden, erklärt sie gegenüber der WZ.

Der HLG war offenbar bereits vor Beginn der Arbeiten bewusst, dass sie sich mit der Erschließung auf schwierigem Grund bewegt. Auf Anfrage erklärt die Gesellschaft des Landes Hessen, dass es jedoch nur eine Nachbarin gegeben habe, die Schäden durch die Bauarbeiten angemeldet habe.

Nachbarin beklagt Schäden am Haus

Der Zustand des Hauses dieser Nachbarin sei vor den Erschließungsarbeiten durch ein Beweissicherungsgutachten erfasst worden. Während der Arbeiten habe in ihrem Haus ein Erschütterungsmessgerät gestanden, das bei einem Überschreiten der Grenzwerte sofort über Mobilfunk eine Meldung an das überwachende Büro abgesetzt hätte. Eine solche Meldung wegen Erschütterungen durch die Bauarbeiten habe es jedoch nicht gegeben. Die Anwohnerin habe dennoch Schäden an ihrem Haus beanstandet, die der Sachverständige, der auch das Beweissicherungsgutachten erstellt habe, auch begutachtet habe.

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