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Axel Schmidt prüft die Chlorophyll-Werte seiner Pflanzen. Derzeit bereitet dem Landwirt die Kälte Sorgen.

Regionalbauernverband Wetterau

Bauer Schmidt: Was Landwirten zu schaffen macht

  • vonNiklas Mag
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Mit großen Traktor-Protestaktionen und Grünen Kreuzen an den Feldern hatten Landwirte deutschlandweit in den vergangenen beiden Jahren auf sich aufmerksam gemacht. Weiterhin sind die Sorgen bei Landwirten groß. Auch in der Wetterau, auch in Bad Vilbel.

W o soll ich da anfangen?„, fragt Landwirt Axel Schmidt. Er ist im Vorstand des Regionalbauernverbandes Wetterau-Frankfurt, sein Hof liegt im Frankfurter Stadtteil Harheim, einen Steinwurf von der Grenze zu Bad Vilbel entfernt in direkter Nachbarschaft zum Laupushof. “Das akuteste Thema ist im Augenblick das Wetter„, sagt er. Die Nachtfröste der vergangenen Wochen haben ihm Sorgen bereitet. Kurz vor Ostern habe er 300 Hektar Zuckerrüben eingesät. Die Rübe sei in diesem Stadium des Wachstums sehr empfindlich. “Die Angst, dass die mir kaputt frieren, ist schon groß. Wenn ich neu aussähen muss, sind das insgesamt Kosten von 8000 bis 9000 Euro„, fürchtet Schmidt.

Ähnliche Gedanken macht er sich um das Getreide, denn auch dieses ist wegen des kalten Wetters weit hinter dem Zeitplan. “Der Raps würde jetzt normalerweise auch schon blühen. Aber zumindest bleiben die Schädlinge inaktiv, wenn es so kalt ist.„ Der fruchtbare Boden der Wetterau mache es allerdings möglich, auch bei schlechten Witterungen noch gute Erträge zu erzielen. “Wir können Witterungen nicht beeinflussen, und der Blick in die Glaskugel bringt nichts„, weiß der erfahrene Landwirt.

Probleme mit Gülle-Ausbringung

Es gebe andere Themen, bei denen Engagement deutlich mehr bewegen könne. “Das nie enden wollende Thema bei mir auf dem Hof ist die Düngeverordnung„, beschreibt Axel Schmidt. “Darüber wird heiß diskutiert, aber dieses Jahr wird da nichts mehr.„ Wenn bei Ossenheim bei Friedberg erhöhte Nitrat-Werte im Grundwasser festgestellt werden, wird das gesamte Gebiet “rot„ eingefärbt. “Und da gehöre ich auch noch mit dazu. Für uns bedeutet das, wir dürfen ab einem gewissen Punkt im Jahr den Dünger nicht mehr aufs Feld bringen.„

Die Tiere auf dem Hof seien aber nunmal da und somit auch der Dünger. “Entweder ich muss jedes Mal selbst vorweisen, dass die Nitrat-Werte gut sind oder ich muss mir ein größeres Lager für den Dünger bauen oder die Zahl der Tiere auf dem Hof reduzieren.„ Das sei sehr ineffizient und von Nachteilen geprägt. “Jetzt fahre ich die Gülle in andere Betriebe, wenn ich sie nicht mehr nutzen kann. Nur um dann später wieder nachzukaufen.„ Es müsse dringend eine Differenzierung für die Art der Betriebe und die tatsächlichen lokalen Nitrat-Werte her, fordert Schmidt. Er hoffe, dass sich hier so bald wie möglich politisch etwas tue. Die Pandemie betrifft den Landwirt allerdings recht wenig, erzählt er weiter. Lediglich die Lieferbarbkeit von Ersatzteilen von Maschinen sei manchmal etwas eingeschränkt.

Hunde nicht auf die Felder lassen

Es sind eher die Auswirkungen von Corona, die ihn stören. “Das Wetter wird schöner, und die Leute drängen aus den Städten in die Natur. Das Feld ist ein Freizeitpark geworden„, schildert er seine Beobachtungen. “Vor allem werden die Hunde kreuz und quer durch die Felder laufen gelassen. Was dort gerade wächst, wird dabei zertrampelt.„

Er finde, man könne von der Gesellschaft durchaus verlangen, die Hunde im Feld an der Leine zu halten. Henrik Winkler ist Landwirt im Bad Vilbeler Stadtteil Gronau und macht ähnliche Beobachtungen: “Das Problem sind gar nicht mal die Leute, die müssen halt irgendwo hin, gerade jetzt„, meint er durchaus verständnisvoll. “Es sind eher die Müllablagerungen und der Obstklau..„ Wenn in Ockstadt körbeweise Kirschen geholt werden, werde das zum wirtschaftlichen Schaden für Landwirte. “Aktuell ist es aber vor allem die Kälte, die Sorgen macht. Ich hoffe, es wird bald wärmer.„

Henrik Winkler hatte mit seinem Landwirte-Verbund “Land schafft Verbindung„ in den vergangenen Jahren immer wieder große Protestaktionen in der Wetterau gestartet. “Wir sind auch weiterhin sehr aktiv, wenn wir natürlich wegen der Pandemie nicht mehr so viel machen können. Aber wir blicken gespannt auf die Bundestagswahl und sind auch gespannt, welche Auswirkungen die Kommunalwahlen auf die Landwirtschaft hier in der Wetterau haben„, sagt Winkler. Es gibt nach seinen Worten aktuell viele “politische Schmerzpunkte„. Unter anderem missfalle ihm, wie er sagt, dass die Landwirtschaft im neuen Insektenschutzpaket der Bundesregierung abermals als Übeltäter Nummer eins dargestellt werde. nma

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