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Claudia Taphorn (von links) vom Fachdienst Chancengleichheit des Wetteraukreises im Gespräch mit Hanne Mühle und Kira Geadah.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Bad Vilbel (fei). Frauen brauchen Vorbilder. Für Hanne Mühle ist eines dieser Vorbilder ihre Grundschullehrerin. Das verriet die 68-Jährige ehemalige Rektorin der Dortelweiler Regenbogenschule kürzlich wieder bei der Veranstaltung »Frauenleben - ein Abend mit Musik und Erzählungen«. Als Teil des Wetterauer Frauensommers erzählten Frauen aus drei Lebensphasen aus ihrem Alltag, dazu gab’s Musik, natürlich von Frauen.

Fast 50 zumeist weibliche Gäste lockte das Angebot des Förderkreises Musik der evangelischen Kirchengemeinde Dortelweil und des Fachdienstes Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises ins Kultur- und Sportforum.

Weibliche Musik

Claudia Taphorn vom Wetteraukreis erklärte Ziel des Abends mit dem Titel »Kräht ja doch kein Hahn danach…« sei es, in den Dialog über Chancengleichheit und das Frau-Sein in unserer Gesellschaft zu kommen. Dafür seien der Fachdienst und DortelWeil!Musik eine Kooperation eingegangen, eine Förderung gab’s von Demokratie leben! Wetterau.

Untermalt von musikalischer Begleitung vom Pianistinnen-Duo Tereza Bodnárová und Sibylle Wolf erzählten neben Hanne Mühle, Physiotherapeutin Katharina Lehnhoff und Politikstudentin Kira Geadah von ihren individuellen Erfahrungen.

Die beiden Pianistinnen wählten für den Abend Werke von Komponistinnen aus. »Der Großteil bekannter Komponisten ist männlich. Ich habe von vielen dieser Musikerinnen auch nur durch Recherche erfahren«, sagte Pianistin Bodnárová. Zu hören waren Melodien von Fanny Hensel, Mel Bonis, Cécile Chaminade und Ruth Schontal.

Dazwischen blieb genug Zeit, um zu erzählen. Hanne Mühle,berichtete von Hindernissen, die ihr als berufstätige Mutter entgegenstanden. »Während des Studiums habe ich mein erstes Kind bekommen. Weil mein Mann noch länger studieren wollte, musste ich dann arbeiten gehen. Aber das wollte ich auch. Die Arbeit war mein ganzes Leben.«

Ihre Mutter sei davon gar nicht begeistert gewesen, erzählte die 68-Jährige. »Meine Mutter war total lieb, aber war auch Mutter mit Leidenschaft. Sie konnte es nicht nachvollziehen, dass ich arbeiten gehe und nicht zu Hause bei meinen Kindern bleibe. Das hat sie mir auch gesagt.«

Quälende Gedanken

All die Jahre, in denen sie berufstätig war, habe auf ihr ein großer Druck gelastet, gibt Mühle zu. »Was ist, wenn ich in der Erziehung meiner Kinder versage? Wenn ich keine gute Mutter bin, weil ich arbeiten gehe? Das war immer ein quälender Gedanke«, erinnert sich die vierfache Mutter.

Kira Geadah ist 21 Jahre alt und studiert Poitikwissenschaften. Sie begründete die Ortsgruppe »Fridays for Future« in Frankfurt und wohnt mit zwei Männern in einer Wohngemeinschaft. Auch da gebe es noch typisch männliches und typisch weibliches Verhalten. »Während das Putzen für mich selbstverständlich ist, muss ich meine Mitbewohner oft dazu auffordern. Da gibt es schon einen starken Unterschied.« Auch wenn sie nachts in Frankfurt unterwegs ist, fühlt sie sich als Frau unwohl. »Da muss sich noch was ändern«, forderte sie.

Für die Bad Vilbeler Physiotherapeutin Katharina Lehnhoff bedeutet Gleichheit nicht, dass alle Frauen arbeiten können - sondern dass alle Frauen die Rollen ausfüllen können, die sie wollen. Sie stellt klar, dass das auch für Männer gelten solle.

Erst kürzlich habe es im EU-Parlament einen Fall gegeben, wo ein Abgeordneter nicht in Elternzeit gehen durfte, erwähnte Geadah.

Bei den Besucherinnen kam der Mix aus Musik und Erzählungen gut an. Heike Schlosshan-Salomon fand es sehr gelungen. »Es ist total schön, dass so etwas Qualitatives auch regional möglich ist. Die Kombination aus künstlerischem Schaffen und Diskussion mit Leuten, die hier leben, war sehr angenehm.«

»Ich bin beeindruckt davon, was Frauen komponiert und geleistet haben«, sagte Claudia Horn. Es stimme sie immer ein wenig traurig, dass das Thema Gleichberechtigung immer noch diskutiert werden müsse.

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