Laden-Leerstand

Was wird aus dem Brunnencenter in Dortelweil?

Die Dortelweiler sorgen sich, denn das Brunnencenter wird leerer und leerer. Die Läden schließen und das schon seit Jahren. Nachfolger gibt es keine. Kunden und Mieter sind verunsichert.

Von NMA

Es ist schon ein Paradoxon, das sich in Dortelweil abspielt. Das Brunnencenter, 2005 eröffnet, ist hell, recht modern, ästhetisch, also durchaus ansprechend. Es liegt an der Friedberger Straße und es gibt eine kostenfreie und große Tiefgarage. Ein moderner und großer Supermarkt, dazu Sport- und Technikhändler, zwei Bäcker, ein Eiscafé, Bekleidung, Brillen, eine Apotheke und theoretisch auch einen Friseur, auch wenn diese Fläche momentan leer steht. Zudem ist das Brunnencenter in Dortelweil ohne Konkurrenz.

Zwei Meinungen stehen im Raum über den Zustand des Brunnencenters. Ladenbesitzer Engelhardt sagt, der Zustand sei mehr als kritisch, der Eigentümer ein geschlossener Immobilienfonds der DWS nennt den Leerstand im Center "moderat".

Seit Jahren verschwinden die Läden. Angefangen mit der Schlecker-Insolvenz stehen mittlerweile zahlreiche Geschäfte leer. Vor wenigen Wochen verließ die Blumengalerie das Center. Nun folgen der Optiker Joachim Brüderl, der in Ruhestand geht, und das Modegeschäft Vögele. Die Dortelweiler Filiale wird, anders als die anderen rund 200 Filialen des Konzerns in Deutschland, nicht auf das neue Konzept der neuen Inhaber umgerüstet (diese Zeitung berichtete). Fazit: Das Brunnencenter hat alles, was ein Einkaufszentrum braucht – bis auf funktionierende Geschäfte.

Wie denken Kunden und Geschäftsinhaber darüber? Rüdiger Engelhardt, Geschäftsinhaber und Werbevorstand der Ladengemeinschaft im Center, kann nur noch den Kopf schütteln. "Wir wissen von nichts. Die Geschäfte gehen, aber das Centermanagement sagt immer, sie wüssten auch von nichts", ärgert er sich. "Es tut sich hier einfach gar nichts."

Leere Versprechen

Wenn das Management ihm und den anderen Ladenbesitzern dann doch einmal Bericht erstatte, erweise sich das Erzählte als falsch. "Man habe Nachfolger gefunden und führe weitere Gespräche, heißt es immer."

"Best Worscht in Town" solle das Center neu beleben, hieß es. All das sei nicht eingetreten. Engelhardt liegt das Brunnencenter am Herzen. Seit dessen Eröffnung führt er einen Schreibwarenladen und ist mittlerweile auch an der Eisdiele in der Mitte des Brunnencenters beteiligt. "Wir warten und warten auf Besserung. Es kommen natürlich weit weniger Leute ins Brunnencenter, seitdem es nicht mehr so viele Geschäfte gibt." Sein Umsatz sei im Vergleich zur Blütezeit des Centers um 50 Prozent eingebrochen. "Es wird uns immer das Blaue vom Himmel erzählt. Aber das reicht nicht mehr, es ist fünf vor zwölf", sagt Engelhardt.

In zwei Jahren laufe der Vertrag des Supermarktes aus. Ob der Markt den Mietvertrag verlängert, weiß Engelhardt nicht. Sollte das nicht der Fall sein, wäre das wohl der Todesstoß für das Center. "Es ist traurig, wenn man sich anschaut, wie wenige Kunden hier an einem Samstagmittag herkommen."

Krisengespräch am Mittwoch

Einer davon ist Oliver Beez. Er wohnt erst seit einem Jahr in Dortelweil, nutzt das Center wie die meisten Dortelweiler als Ort für den wöchentlichen Großeinkauf. Doch sind ihm die leeren Ladenflächen damals gleich aufgefallen. "Und das, obwohl es hier eigentlich so viel verschiedene Ware gibt", wundert er sich. Das ausgewogene Verhältnis der Läden und der große Supermarkt seien eigentlich optimal für ein Einkaufszentrum. "Die große Tiefgarage und die Erreichbarkeit zu Fuß machen es nicht ganz erklärlich, warum es hier solche Leerstände gibt."

Eine Dortelweilerin beklagt die Leerstände des Centers. "Früher hat man hier immer eine Menge Nachbarn getroffen, egal, wann man hergekommen ist." Im Center finde sie alles, was für den Alltag benötigt wird. Der Edeka biete trotz seiner Größe eine gewisse Tante-Emma-Atmosphäre. "Die Verkäufer kennt man seit Jahren und man grüßt sich." Deshalb und natürlich auch wegen der Nähe gehe sie weiterhin gerne ins Brunnencenter. Sie hofft, dass sich das Center wieder erholt.

Zum Krisengespräch über die Zukunft des Brunnencenters treffen sich am heutigen Mittwoch Stadt, Eigentümer und Centermanagement.

Kommentar

Rettungsplan nötig

Zwei Meinungen stehen im Raum über den Zustand des Brunnencenters. Ladenbesitzer Engelhardt meint, der Zustand sei mehr als kritisch, der Eigentümer DWS nennt den Leerstand im Center "moderat". Diese Diskrepanz ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Eigentümer selbst anscheinend wenig Ahnung hat, wie es um das Brunnencenter steht. Nun hat sich die Lage in den vergangenen Monaten noch einmal drastisch zugespitzt, so verschwinden zwischen September und Januar Floristin, Optiker und Vögele aus dem Center. Den Edeka als Ankermieter zu haben, reicht für die Attraktivität des Centers nicht aus. Ein Hoffnungsschimmer ist jedoch das angekündigte Krisengespräch am morgigen Tag. Spät aber hoffentlich nicht zu spät, wollen sich die Verantwortlichen endlich an einen Tisch setzen! Die Stadt Bad Vilbel sollte bei diesem Gespräch nun einmal auf den Tisch hauen und klare Aussagen fordern, denn diese hat es vonseiten des Centermanagements oder der Eigentümer noch nie gegeben, sind aber längst überfällig. Denn die Öffentlichkeit hat ihren Blick längst auf die Causa Brunnencenter gerichtet und ist durch die mangelnde Transparenz verunsichert. Insofern wäre es eine Blamage für alle Beteiligten, sollten nach dem Krisengespräch nicht endlich klare Schritte zur Rettung des Centers eingeleitet werden. (Niklas Mag)

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