Fürs Foto ohne Maske: Rudolf Glaser freut sich, dass Besuche im Alloheim wieder erlaubt sind. Allerdings nur unter strengen Auflagen. 	 FOTO: PATRICK EICKHOFF
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Fürs Foto ohne Maske: Rudolf Glaser freut sich, dass Besuche im Alloheim wieder erlaubt sind. Allerdings nur unter strengen Auflagen.

Seniorenheime in Zeiten von Corona

Wiedersehen vor Plexiglas: Bad Vilbeler Senior sieht Tochter nur unter strengen Regeln

  • vonPatrick Eickhoff
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Seit rund einer Woche sind Besuche in Altenheimen wieder erlaubt. Endlich kann  der Bad Vilbeler Rudolf Glaser seine Tochter wiedersehen. Aber nur mit Termin.

Rudolf Glaser möchte wieder nach draußen. »Ich brauche nicht viel, außer Licht, Luft und Sonne«, sagt er. Sein Blick schweift aus dem Fenster. Es regnet. »Wir hätten heute Gottesdienst im Innenhof gehabt, aber bei diesem Wetter findet er nicht statt.« Der 78-Jährige sitzt im Bistro des Alloheim Senioren- und Pflegeheims in Dortelweil. Vor ihm steht eine Plexiglasscheibe. Den Mundschutz hat er aufgesetzt. Absperrbänder grenzen den Bereich ab. Der 78-Jährige wird in dieser Woche seine Tochter Sabine wiedersehen. »Mit ihr habe ich in den vergangenen Wochen nur telefoniert.« Eine komische Situation. »Sie kommt über die Terrasse zu einer angemeldeten Zeit, ich sitze ihr auf der anderen Seite gegenüber.«

Seit rund einer Woche sind Besuche in Altenheimen wieder erlaubt. Unter strengen Voraussetzungen öffnet das Heim in Dortelweil dienstags, donnerstags und sonntags. Allerdings nur für Besucher mit Terminen. Diese werden von der Verwaltung vergeben. »An solch eine Besuchssituation müssen wir uns wohl erst mal gewöhnen«, bedauert Glaser. Der 78-Jährige freut sich auf das Wiedersehen mit seinen Liebsten. »Meine Tochter wohnt in der Pfalz. Sie hat ohnehin einen weiteren Weg. Sich persönlich zu sehen ist immer schöner, als nur zu telefonieren.«

Seniorenheime in Zeiten von Corona: Seit rund zwei Monaten nicht vor der Tür

Vielmehr ist es der Stadtteil, der dem 78-Jährigen fehlt. »Ich bin in Dortelweil aufgewachsen.« Rudolf, genannt Rudi, Glaser hat früher in Dortelweil Fußball gespielt, ist seit mehr als 50 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr. »Normalerweise holen sie mich immer sonntags zum Frühschoppen ab. Da sitzt dann meine Generation am Tisch. Wir werden immer die Rentnerband genannt«, sagt er und lacht.

Auf das alles muss Glaser seit rund zwei Monaten verzichten. Kein morgendlicher Gang zur Bäckerei gegenüber des Heims. »Das gehört für mich einfach dazu.« Keine Spaziergänge zum Brunnencenter. Der 78-Jährige vermisst es, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. »Als Stammkunde wissen die Verkäufer, was ich möchte. Wenn ich dann zurück ins Bistro bin, habe ich mit den anderen Bewohnern gequatscht.« Das fehlt ihm.

Alloheim Dortelweil: Viel Zeit im Zimmer

Rudolf Glaser liegt das Wohl der anderen Bewohner am Herzen. Er ist Heimbeiratsleiter. »Im Juni stehen wieder Wahlen an.« Er steht im regelmäßigen Austausch mit den Bewohnern, nimmt sich deren Sorgen und Wünschen an. Bei Problemen steht er mit der Heimleitung in Kontakt. »Wir haben einen Männer- und einen Frauenstammtisch organisiert. Besonders letzterer war immer richtig gut besucht.« Er hofft, dass diese bald wieder stattfinden kann.

Der 78-Jährige ist derzeit viel auf seinem Zimmer. Dann hört er Radio, oder telefoniert mit seiner Tochter und seinen zwei Enkeln. Seit einiger Zeit gibt es im Seniorenheim auch Videotelefonie. In einer Kooperation wurden von der Telekom zwei Tablets und drei Smartphones zur Verfügung gestellt, mit denen kostenlose Videotelefonie möglich ist. Glaser findet das gut. »Ich habe es meiner Tochter vorgeschlagen, aber wir bleiben beim normalen Telefonieren.«

Dennoch sei es wichtig, die eigenen Verwandten auch zu sehen und nicht nur auf dem Zimmer zu sitzen. Das Dortelweiler Urgestein hat deshalb einen ganz eigenen Stammplatz im Foyer des Seniorenzentrums. »Nach dem Essen geht’s nach unten.« Dort sitze er jeden Tag. »So komme ich wenigstens ins Gespräch mit dem Personal oder mit anderen Bewohnern. Auch wenn es nicht dasselbe ist wie sonst.«

Seniorenheim in Zeiten von Corona: Verständnis für Corona-Regeln

Obwohl er auf seinen Stammplatz nichts kommen lässt, würde Rudolf Glaser nichts lieber als wieder an die frische Luft. »Ich war mein ganzes Leben lang gerne draußen.« 40 Jahre ist er bei einer Recyclingfirma in Frankfurt, Mainz und in der Nähe von Ingolstadt tätig gewesen. »Bei Wind und Wetter waren wir draußen. Das hat abgehärtet.« Er ist auch heute noch ein Mensch, der »Power braucht«, wie er sagt.

Angst vor Corona hat Rudolf Glaser nicht. Dennoch müsse man die Gefahr ernst nehmen. »Ich kann die Schutzmaßnahmen verstehen. Ich hoffe einfach, dass es bald vorbei ist.« Der 78-Jährige weiß genau, was er dann als erstes macht. »Ich gehe zum Bäcker und anschließend eine Runde spazieren.«

Seniorenheim Bad Vilbel: Drei Besuchstage und strenge Regeln 

Um Besuch zu ermöglichen, muss sich das Alloheim Pflege- und Seniorenheim in Dortelweil an strenge Regeln halten. »Wir haben drei Besuchstage eingerichtet«, sagt Einrichtungsleiter Johannes Fellner. Die Gäste gelangen über die Terrassentür ins Bistro. Von der anderen Seite kommt der Bewohner an den Tisch, der von einer Plexiglasscheibe halbiert wird. Nicht mehr mobile Bewohner können im Zimmer besucht werden. »Dafür haben wir eine Plexiglasscheibe, die hingeschoben wird. Zudem müssen alle Besucher sich einem sogenannten Kurzscreening unterziehen und die Hygienemaßnahmen inklusive Infektionsschutz einhalten.« Heißt: Die Besucher füllen einen Gesundheits-Fragebogen aus. Außerdem hinterlassen sie ihre Daten, um potenzielle Infektionsketten rekonstruieren zu können.

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