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Auf dem Niddaplatz stehen wieder Sitzgelgenheiten zum Verweilen, die ruckzuck besetzt sind. Das Leben kehrt zurück. Viel zu lange hat die Quellenstadt das missen müssen.

Gelockerte Regeln

Endlich wieder Leben auf dem Niddaplatz in Bad Vilbel

  • vonNiklas Mag
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Dolce Vita am Wochenende in Bad Vilbel und Karben: Einkaufsbummel, in der Außengastronomie verweilen und an der Nidda sitzen. Trotz allem haben die Menschen das Virus noch im Blick.

Bad Vilbel/Karben – Kaum noch Platz ist am Samstagmittag auf der Frankfurter Straße in Bad Vilbel. Mit Einkaufstüten spazieren die Menschen aneinander vorbei, etwa die Hälfte trägt trotz aufgehobener Maskenpflicht zur Sicherheit den Schutz vor dem Gesicht. Die Außengastronomien sind voll, der Wochenmarkt auf dem Niddaplatz floriert und die Stufen am Fluss, der Bad Vilbel durchzieht, sind besetzt mit Menschen. »Wie schön ist es, dass man jetzt wieder richtig in der Stadt unterwegs sein kann?«, sagt Raphael Köb, Schauspieler und Sänger bei den Burgfestspielen, der Samstagmittag durch die sonnendurchflutete Einkaufsstraße schlendert.

Lockerungen in der Wetterau: Die Bad Vilbeler Ladentür weit geöffnet

Köb gehört bei den Burgfestspielen mittlerweile zur regelmäßig wiederkehrenden Besetzung, verbringt seit Jahren seine Sommer in der Quellenstadt. »Wir waren eben in der Stadt frühstücken, jetzt geht es los zu einem Spaziergang«, berichtet er und rückt seine Sonnenbrille zurecht. Seine Kollegin und Mitbewohnerin Annette Lubosch ist bei »Sister Act« in der Burg engagiert und zum ersten Mal in Bad Vilbel. »Die Stadt ist heute kaum wiederzuerkennen im Vergleich zu der Zeit vor einigen Wochen«, sagt sie. »Schön zu sehen, wie belebt jetzt alles ist.«

Während die beiden sich auf den Weg ins Grüne machen, hat Christiane Pötter ihren Arbeitstag fast beendet. Die »Knopfloch«-Inhaberin führt ihren Strick- und Nähladen bereits seit Jahren mitten an der Frankfurter Straße und hat die Tür am Samstag weit offen. »Damit hier drin immer gut gelüftet ist. Das geht jetzt ja wieder«, sagt sie und deutet gen Sonne. Wegen der geringen Ladenfläche und den Auflagen habe sie in den vergangenen Wochen nur Waren zur Abholung an der Tür angeboten. »Damit konnte ich alle Kosten decken und ein Bisschen ist sogar übrig geblieben. Trotzdem kamen die Leute angestürmt, als ich wieder richtig öffnen konnte.«

Sie sei sehr dankbar für die treue Kundschaft, die sie habe, wünscht sich aber auch weiterhin Vorsicht: »Manche Menschen kommen ohne Maske in den Laden und werden dann auch schnell bissig. Ich hoffe, dass die Leute weiter auf die notwendigen Hygiene-Regeln achten und nicht gleich alle kuscheln. Damit die Zahlen unten bleiben«, erklärt sie. »Aber natürlich freue ich mich, dass alles wieder offen ist und ich die langen Schließungen überstanden habe.« Beate Giebel ist eine von Pötters letzten Kundinnen an diesem Samstag. Blaues Garn braucht sie und schwingt sich danach wieder auf ihr Fahrrad.

Lockerungen in der Wetterau: „Die Leute sind ausgehungert“

»Das Wetter hat es einem in den vergangenen Wochen zusätzlich schwer gemacht, das beste aus der Situation zu machen«, sagt sie. »Toll, dass man wieder überall rein kann, aber Vorsicht und Abstand müssen natürlich weiterhin sein.« Mit ihren Kindern treffe sie sich vorerst weiter nur draußen. »Aber das ist ja kein Problem. Gestern war ich in Kreilings Sommergarten essen und das war einfach herrlich.«

In Karben zeigte sich am Freitag ein vorsichtiges Bild an der Neuen Mitte. Ganz sicher scheinen sich manche noch nicht zu sein, ob sie einfach wieder in die Geschäfte hineinspazieren können, doch sind einige Kunden unterwegs.

Stefanie Köllner begrüßt im Modeladen Steengrafe wieder Besucher. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass kein Test benötigt wird. »Man merkt schon, die Leute sind ausgehungert«, sagt sie. »Das wird auch kommuniziert. Viele kommen in den Laden und sagen, wie froh sie sind, wieder einkaufen gehen zu können.« Doch auch die Karbener sind vorsichtig: »Wir kriegen derzeit viele Anrufe von Kunden, die nachfragen, ob sie einen Test oder einen Termin brauchen.«

Bürgeremeister mit Video-Botschaft

Zum Wochenende hat sich Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) per Videobotschaft in den sozialen Netzwerken an die Vilbeler gewendet: »Ich freue mich, dass viele von Ihnen mit angepasstem Verhalten dazu beigetragen haben, dass die Infektionszahlen so deutlich gesunken sind.« Er wolle dazu aufrufen, weiterhin die in Bad Vilbel zuständigen Teststationen aufzusuchen, um die Verbreitung von Corona weiter zu vermeiden. »Beachten Sie bitte auch die Abstands- und Hygieneregeln. Gleichwohl appelliere ich herzlich an Sie, nutzen Sie die Angebote der Gastronomie und des Handels.« Die Stadt hat in diesem Zusammenhang unter anderem vielen Gastronomen unbürokratisch mehr Platz für die Außengastronomie zur Verfügung gestellt. nma

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