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Wie lange sprudelt’s noch?

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Von: Patrick Eickhoff

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Der Bad Vilbeler Römer-Brunnen ist eine staatlich anerkannte Heilquelle. © pv

In Bad Nauheim ist eine natürliche Quelle aufgrund der Trockenheit versiegt. Besteht diese Gefahr auch in Bad Vilbel? Stehen die Springbrunnen bald still? Die Stadt und Hassia stehen Rede und Antwort. Sowohl Zierbrunnen als auch die natürlichen Quellen sind nicht in Gefahr.

Temperaturen weit über 30 Grad, kein Regen. In Bad Nauheim hat das vor einer Woche erste Auswirkungen gezeigt. Die natürliche Quelle am Johannisberg, die den Herzbrunnen und den Reinhardsbrunnen in der Nauheimer Innenstadt mit Wasser versorgt, ist aufgrund der anhaltenden Trockenheit versiegt. Die einzige Möglichkeit, die Brunnen aktuell zu bewässern, wäre ihr Anschluss an das öffentliche Leitungsnetz. Die Bad Nauheimer Stadtverwaltung habe sich jedoch gegen diese Maßnahme entschieden. Steffen Schneider, Fachbereichsleiter des Kur- und Servicebetriebs, erklärt die Hintergründe: »Ein Anschluss der beiden Brunnen an das Leitungsnetz wäre nicht nur technisch sehr aufwändig, er würde zudem aufgrund der fehlenden Wasserkreisläufe dazu führen, dass große Mengen an Trinkwasser direkt in die Kanalisation flössen. Dies wollen wir aufgrund der angespannten Grundwasserverfügbarkeit unbedingt vermeiden.«

Stadt arbeitet mit Wasserkreisläufen

Doch wie sieht es in Bad Vilbel aus? In der Quellenstadt sprudelt es schließlich an allen Ecken und Enden. Bürgermeister Sebastian Wysocki (CDU) sagt auf Anfrage dieser Zeitung: »Die Zierbrunnen in der Stadt werden überwiegend mit Leitungswasser betrieben. Wir haben im Gegensatz zu Bad Nauheim auch entsprechende Wasserkreisläufe im Einsatz.« Diese werden im Frühjahr befüllt und im Herbst abgelassen. »Mehr Wasser wird nicht eingespeist«, ergänzt Erster Stadtrat Bastian Zander (CDU). »Außer den minimalen Anteil, den der Wind bei einem großen Brunnen wegweht sowie Verdunstung« Die über 20 Brunnen im Stadtgebiet sind von 8 bis 20 Uhr in Betrieb. »An den großen Kreiseln bis 22 Uhr«, informiert Zander.

Aus natürlichen Quellen werden in Bad Vilbel der Römerbrunnen in Massenheim, der Römerbrunnen an der Büdinger Straße oder der Hassia-Brunnentempel gespeist.

INFO: Leitungsspülung in Bad Nauheim

In Bad Nauheim hofft man darauf, dass nach einer Leitungsspülung im Herbst das Wasser wieder über die natürliche Quelle fließen wird. Bei normaler Schüttung müsse das Quellwasser allerdings zwingend in die Kanalisation abgeführt werden, da es sonst in die Fundamente und Keller der Häuser unterhalb des Johannisbergs einsickern könnte. Der energieintensive Betrieb von Wasserkreisläufen durch Pumpen stellt darüber hinaus angesichts der angespannten Lage auf den Energiemärkten keine kostengünstige Alternative dar und würde sich negativ auf die Bad Nauheimer CO2-Bilanz auswirken. »Es ist somit die ressourcenschonendste Vorgehensweise, die beiden Brunnen zeitweilig nicht zu betreiben.« pm

Stefan Müller, Geschäftsführer Marketing HassiaGruppe, sagt: »Mineralwasservorkommen sind ein wertvoller und sensibler Schatz der Natur, mit dem wir als Mineralbrunnen sehr sorgsam und verantwortungsbewusst umgehen. Der Schutz dieser Quellen hat oberste Priorität und ist durch den Klima-Wandel noch wichtiger geworden.« Die Nutzung der Quellen - das sogenannte Wasserrecht - werde seit Jahrzehnten von den zuständigen Behörden gesetzlich geregelt. Müller beruhigt: »Bei Hassia Mineralquellen entnehmen wir unseren Quellen nur einen Teil der genehmigten Fördermenge. Dadurch ist bei den aktuellen Niederschlagsbedingungen mehr als gewährleistet, dass der Wasserhaushalt im Gleichgewicht bleibt.«

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Noch sprudelt der Römer-Brunnen. Doch wie lange noch? © pv

Mit aktivem Quellenmanagement prüfe und monitore man kontinuierlich: Wasserspiegel, Durchfluss (Fördermenge), Wassertemperatur oder elektrische Leitfähigkeit (Mineralisierung). »Alle zwei Monate führen wir Begehungen und Kontrollen vor Ort durch. Die Berichte und Analysen gehen an die zuständigen Überwachungsbehörden. Zusätzlich nehmen wir mehrmals täglich eigene Proben, die wir analysieren. Schließlich lassen wir die Proben kontinuierlich auch nochmal vom unabhängigen SGS Institut Fresenius untersuchen.«Dabei wird immer auch in die Vergangenenheit geblickt, wie Müller eklärt: »Bei der Analyse auf mögliche Veränderungen eines jeden Brunnens werden nicht nur die jeweiligen Vorjahreswerte, sondern immer auch die Werte der letzten Jahrzehnte in Betracht gezogen und bewertet.« Den wichtigsten Satz, wenn es um die Quellen geht, schiebt der Geschäftsführer hinterher. »Aktuell können wir keine Auswirkungen des Klima-Wandels auf unsere Brunnen erkennen.«

Leitungsspülung in Bad Nauheim

In Bad Nauheim hofft man derweil darauf, dass nach einer Leitungsspülung im Herbst das Wasser wieder über die natürliche Quelle fließen wird. Bei normaler Schüttung müsse das Quellwasser allerdings zwingend in die Kanalisation abgeführt werden, da es sonst in die Fundamente und Keller der Häuser unterhalb des Johannisbergs einsickern könnte. Der energieintensive Betrieb von Wasserkreisläufen durch Pumpen stellt darüber hinaus angesichts der angespannten Lage auf den Energiemärkten keine kostengünstige Alternative dar und würde sich negativ auf die Bad Nauheimer CO2-Bilanz auswirken. »Es ist somit die ressourcenschonendste Vorgehensweise, die beiden Brunnen zeitweilig nicht zu betreiben.«

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Der Hassia-Brunnentempel wird regelmäßig überprüft. © pv

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