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Erna Halilic (Mitte) hat in ihrem ersten Alloheim-Jahr viel erlebt. Der Wohnbereichsleiterin der Einrichtung in Dortelweil danken zum Tag der Pflege symbolisch Erika Backer (links) und Lenka Wech.

AGO-Seniorenzentrum Bad Vilbel

Wie ein Besuch der Familie

  • vonPatrick Eickhoff
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Heute ist der internationale Tag der Pflegenden. Erna Halilic ist Wohnbereichsleiterin im AGO-Seniorenzentrum in Dortelweil. Sie blickt mit gemischten Gefühlen auf die vergangenen Monate.

Erna Halilic muss verlegen grinsen, als sie hört, was Erika Backer und Lenka Wech erzählen. Die beiden Bewohnerinnen des Alloheim Senioren- und Pflegeheims in Dortelweil sind kurz vor ihrem Mittagessen im Gemeinschaftsraum des Heimes im dritten Stock - um über die Wohnbereichsleiterin und ihre Kolleginnen und Kollegen zu sprechen. »Es ist alles sehr harmonisch hier«, sagt Lenka Wech. »Die Mitarbeiter haben auch in der nicht einfachen Zeit, als wir keinen Besuch empfangen durften, immer dafür gesorgt, dass wir zusammenhalten.«

Aus Angst wird Respekt

96 Jahre alt ist Erika Backer. »Ich bin sehr zufrieden.« Und dann sagt sie den Satz, der die eigentliche Protagonistin des Tages etwas verlegen macht. »Der Besuch der Mitarbeiter ist wie ein Besuch von der Familie.« Erna Halilic ist 69 Jahre jünger als Erika Backer. Seit Anfang vergangenen Jahres arbeitet sie bei Alloheim, zuerst in Nidderau, seit März 2021 in Bad Vilbel. Die Wohnbereichsleiterin kann den beiden nur zustimmen. »Alle hier sind enger zusammengewachsen«, sagt sie. Und auch die Belegschaft sei enger miteinander verbunden. »Es ist alles viel vertrauter geworden. Wir haben viel miteinander und gemeinsam erlebt.«

In diesen Gesprächen spielt Corona eine große Rolle. »Am Anfang war auch ich erst einmal verunsichert«, berichtet die 27-Jährige. »Ich bin ehemalige Asthmatikerin und wusste nicht, was noch auf uns zukommen wird.«

Mittlerweile hat sich die Unsicherheit in Respekt gewandelt. »Man muss sich bewusst sein, dass wir mitten in einer Pandemie sind. Wir setzen hier umfangreiche Coronaschutz- und Hygienemaßnahmen um, zudem werden alle regelmäßig getestet und viele sind zweifach geimpft «

Erna Halilic hat in ihrem ersten Alloheim-Jahr viel erlebt. «Gerade die Zeit, als wir Bewohner hatten, die Corona-positiv waren, war nicht einfach. Zum einen wusste man nicht welchen Verlauf Infektionen bei den Bewohnern nehmen und zum anderen war es auch für mich selbst nicht einfach gewesen.« Auf der anderen Seite sei dadurch auch die Verbindung zwischen Bewohnern und Mitarbeitern deutlich enger geworden. »Wir waren aufgrund der behördlichen Auflagen, wie beispielsweise Besuchsverbote teilweise die einzigen, die für die Bewohner da waren. Wir haben über ihre Sorgen und Ängste gesprochen, aber auch sehr viel Hoffnung gegeben.«

In den vergangenen Wochen und Monaten ist so etwas wie Alltag zurückgekehrt ins Alloheim in Dortelweil. Angehörige besuchen wieder ihre Liebsten. Erna Halilic und ihre Kollegen haben einzelne Aktionen gestartet, die wohnbereichsbezogen angeboten werden. »Vom Spielenachmittag bis zum Waffelbacken ist alles dabei«, sagt sie. Die 27-jährige weiß, wie sehr sich die Bewohner darüber freuen. »Die Gymnastik vor dem Essen machen wir sogar mit. Da wird viel gelacht. Es ist schön, wieder strahlende Gesichter zu sehen.«

Der Alltag kehrt langsam zurück

Sie blickt gerade deshalb positiv nach vorne. »Viele Bewohner sind bereits zum zweiten Mal geimpft. Wenn das weiter so vorangeht, kehren wir hoffentlich schnell zur Normalität zurück.« Die 27-jährige würde gerne wieder reisen. »Das fehlt mir schon«, gibt sie zu. Mit Freunden hat sie hin und wieder in Erinnerungen geschwelgt. Negative Erfahrungen hat sie im Freundeskreis keine gemacht. »Viele meiner Freundinnen arbeiten in ähnlichen Berufen. Aber es gab nicht einmal den Fall, dass jemand sich nicht mit mir treffen wollte, weil ich in einem Pflegeheim arbeite«, sagt sie. »Die wissen, dass wir uns gut schützen und meine Kollegen und ich uns immer an alle Maßnahmen halten.«

Erna Halilic hofft, dass mit sinkenden Inzidenzwerten der Alltag noch mehr zurückkehrt. »Irgendwann haben wir es geschafft«, sagt sie. Die 27-jährige weiß die vergangenen 15 Monate aber jetzt schon einzuordnen. »Eine Erfahrung fürs Leben.«

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