Seit sechs Jahren leitet Mehrdad Najafi-Pour das Unternehmen Taxi Schumann. Ohne finanzielle Hilfe müsse er in wenigen Wochen schließen, sagt er. 
+
Seit sechs Jahren leitet Mehrdad Najafi-Pour das Unternehmen Taxi Schumann. Ohne finanzielle Hilfe müsse er in wenigen Wochen schließen, sagt er. 

Kaum noch Fahrten

Wetterauer Taxiunternehmen in der Corona-Krise

  • vonNiklas Mag
    schließen

Nicht nur Gastronomen kämpfen gegen die Corona-Krise, auch Taxiunternehmen trifft es gerade hart. In Bad Vilbel und Bad Nauheim blicken die Taxi-Chefs der Zukunft mit großer Sorge entgegen.

Dass Mehrdad Najafi-Pour bereits bessere Zeiten mit seinem Taxibetrieb Taxi Schumann erlebt hat, ist ihm anzuhören. Der Einfall des Coronavirus in Deutschland hat den Unternehmer wie auch so viele andere hart getroffen. An den Zahlen gibt es für Najafi-Pour nichts mehr schönzureden: "Wir haben 95 Prozent unseres Umsatzes verloren", berichtet er. "Ohne Hilfe von der Regierung halte ich maximal noch zwei Monate durch", schätzt er.

Sieben Fahrer sind bei Najafi-Pour angestellt, doch diese fahren nun seit rund zwei Wochen so gut wie keine Touren mehr. "Ich treffe mich demnächst mit meinem Steuerberater. Wir wollen die entsprechenden Anträge für die Hilfspakete der Regierung stellen", kündigt er an. In den vergangenen Nächten habe er vor Sorge um seinen Betrieb kaum geschlafen. "Ich weiß einfach nicht, was ich noch machen soll. Mache ich einfach dicht? Alles geht kaputt", sagt er.

Corona-Krise: Mehrere Tausend Euro Fixkosten

Ähnliches erlebt Mohammad Tafazoli aus dem Vorstand der Taxizentrale Bad Nauheim. Auch in seinem Betrieb sei der Umsatz ganz massiv eingebrochen: "Wir spüren unter anderem, dass die Altersheime abgeriegelt sind", zählt er auf. Zum Schutz vor dem Virus, stehen viele der Heime unter besonderem Schutz, hinaus dürfen die Bewohner nicht. Entsprechend fallen die Fahrten für die mobilitätseingeschränkten Senioren weg. Von Flughafenfahrten oder den Fahrten für Feiernde am Wochenende ganz zu schweigen.

"Wir versuchen momentan, unsere Kapazitäten etwas herunterzufahren", fährt Tafazoli fort. "Wir haben beispielsweise den Nachtdienst, der bei uns von 23 Uhr bis 5 Uhr geht, auf eine Person reduziert." Statt wie sonst ein besetztes Büro zu haben, muss derzeit ein einzelner Fahrer in Bereitschaft mit einem Handy genügen. "Das geht auch gut, denn es kommen höchstens einzelne Fahrten pro Nacht."

Die Taxizentrale in Bad Nauheim ist mit rund 28 Fahrzeugen und 50 Mitarbeitern verhältnismäßig groß. "Dementsprechend groß sind auch unsere Fixkosten", sagt der Unternehmer. "Die Autos müssen gewartet werden, möglicherweise Raten abbezahlt werden, dazukommen die Versicherungen", zählt er auf. "Da sind wir schon bei mehreren Tausend Euro Fixkosten alleine für die Autos. Da haben wir von Miete oder den Mitarbeitern noch gar nicht gesprochen", sagt er.

Corona-Krise: Fahrgäste sollten hinten einsteigen und kaum mit dem Fahrer sprechen

Genau wie sein Bad Vilbeler Kollege schätzt er - mit den wenigen Fahrten, die es momentan gibt - die Überlebensdauer des Betriebes auf zwei Monate. Anträge für Kurzarbeit oder Regierungshilfe wolle man stellen und natürlich habe man versucht, einige Sofortmaßnahmen zu ergreifen, um die Fahrer bei den wenigen Fahrten, die es noch gibt, zu schützen. Denn genau wie Supermarktangestellte oder Krankenpfleger kommen diese unweigerlich mit Fremden in Kontakt und verbringen mit diesen Zeit auf engem Raum. "Taxiunternehmen haben eine gesetzliche Betriebspflicht, und diese schreibt auch vor, dass wir jeden fahren müssen."

Man habe die Fahrer und die Kunden darauf hingewiesen, dass die Fahrgäste derzeit nach Möglichkeit hinten einsteigen und eben nie mehr als zwei Fahrgäste ein Taxi nehmen. Auch die Kommunikation mit dem Fahrer sollte auf ein Minimum beschränkt werden, um Infektionen zu vermeiden.

Corona-Krise: Betriebspflicht

Die Betriebspflicht soll die ständige Verfügbarkeit von Taxen in Deutschland regeln. Nach dem Personenbeförderungsgesetz müssen Taxiunternehmen ihren Betrieb nach den Bedürfnissen des Verkehrs und dem Stande der Technik aufrechterhalten. "Der Gesetzgeber will so sicherstellen, dass der öffentliche Verkehr ohne Beeinträchtigungen stattfindet. Daher müssen die mit einer Genehmigung ausgestatteten Taxiunternehmer ihr Geschäft auch tatsächlich ausüben", informiert der Bundesverband Taxi online.

Die weitere Konkretisierung der Betriebspflicht erfolge weiterhin in Gebietskörperschaften durch behördlich festgelegte Dienstpläne und Bereitstellungszeiten. Beim Verstoß gegen die Pflicht können laut Gesetz Beförderungsgenehmigungen widerrufen werden. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare