Uwe Rumpf ist Obermeister der Bäckerinnung Wetterau. Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bereitet ihm Sorge. FOTO: NMA
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Uwe Rumpf ist Obermeister der Bäckerinnung Wetterau. Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bereitet ihm Sorge. FOTO: NMA

Wetterauer Innungs-Obermeister Uwe Rumpf: Bäckerberuf muss attraktiver werden

  • vonNiklas Mag
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Es mangelt an Auszubildenden im Bäckerhandwerk in der Wetterau. Das hat vielschichtige Gründe, wie Uwe Rumpf aus Bad Vilbel-Dortelweil weiß. Er ist Obermeister der Bäckerinnung.

Für Uwe Rumpf und seinen Familienbetrieb läuft es recht ordentlich. Seit 1970 gibt es seinen Laden in der Kreisstraße. Die Bäckerei ist bekannt und beliebt bei den Dortelweilern auch, weil Rumpf über die Jahre sein Geschäft um eine überdachte Außenterrasse und ein Café erweitert hat. Bis vor kurzem hatte die Metzgerei Lukarsch ihre Dortelweiler Filiale dort.

"Ich habe momentan selbst keinen Auszubildenden", erläutert der Bäcker. "Und das liegt nicht daran, dass wir niemanden wollen würden. Es gibt einfach zu wenige junge Leute, die sich für den Beruf interessieren", bedauert Rumpf. Doch sei das nur einer der Gründe, warum viele Bäckereibetriebe derzeit erfolglos nach Azubis suchen. Und das betrifft auch die Berufsschulen.

Seit diesem Sommer Unterricht nur noch in Friedberg

Wegen den zu geringen Ausbildungszahlen werden die Ausbildungsgänge Bäcker und Bäckereifachverkäufer seit diesem Sommer nur noch in Friedberg unterrichtet, nicht wie zuvor auch in Büdingen.

"Im ländlichen Raum ist es für Bäcker oftmals leichter, Auszubildende zu finden. Dort kennt man den Bäcker im Dorf und die Möglichkeiten sind nicht so umfassend", glaubt Rumpf. Ähnlich sei das damals in dem Dorf im Taunus gewesen, in dem er groß geworden sei. "Hier in Bad Vilbel ist Frankfurt vor den Toren. Da gibt es so viele andere Möglichkeiten." Schließlich betreffe der Mangel an Auszubildenden nicht nur das Bäckerhandwerk, sondern auch Metzgereien, die Gastronomie und viele andere Berufszweige. "Die Arbeitszeiten in dem Beruf wirken auf viele junge Leute abschreckend. Morgens sehr früh anfangen, dazu Samstage und Sonntage."

Unterschied zwischen Industrie- und Handwerksbäcker

Ein weiterer Grund sei, ist sich der Obermeister sicher, dass sich das Bäckerhandwerk in Sachen Ausbildung zu lange selbst im Weg gestanden habe. "Meiner Meinung nach müssen Industrie- und Handwerksbäcker in zwei unterschiedliche Bereiche aufgeteilt werden."

Denn während angehende Bäcker in Handwerksbetrieben noch die Fingerfertigkeit erlernen, die Produkte herzustellen, geht es beim industriellen Backen eher um die Beherrschung der großen Maschinen. "Da ist das eine nicht schlechter als das andere. Aber als Handwerksbetrieb kann ich niemanden einstellen, der zuvor in einem Industriebetrieb gelernt hat", erklärt Uwe Rumpf.

Er selbst nehme als Obermeister auch die Prüfungen junger Bäcker ab und kann weitere Probleme benennen, warum es derzeit so schwierig ist: "Ich plädiere seit langem dafür, dass Block-Unterricht an den Schulen eingeführt wird." Ein gutes Brot könne durchaus drei Tage brauchen. Kommt ein Azubi nur dienstags und freitags in die Berufsschule könne dieser den Prozess unmöglich gut beobachten. Hier sei es gang und gäbe, dass der Lehrer den Teig bereits vorbereitet mitbringt und seine Schüler die letzten Schritte machen.

Selbstständigkeit als Anreiz

Uwe Rumpf glaubt, dass letzten Endes traditionelle Dorfbäckereien wie seine neben großen Filialisten bestehen können. Denn letztere transportieren ihre Produkte meist über viele Kilometer.

"Nun müssen wir uns überlegen, wie der Beruf wieder attraktiv werden kann." Die Möglichkeit, sich als Bäcker selbstständig zu machen, könnte für viele ein Anreiz sein, wenn auch mit dem eigenen Geschäft natürlich viel Aufwand und Arbeit daherkommen. "Bei Dachdeckern zum Beispiel gibt es auch eine Lehrlingsumlage. Betriebe zahlen in einen Topf ein, damit Lehrlinge einige Ausgaben, die in der Ausbildung auf sie zukommen, nicht aus eigener Tasche zahlen müssen." Auf Ideen wie diese komme es nun an.

Uwe Rumpf hofft zudem, bald wieder einen eigenen Azubi in Dortelweil ausbilden zu können: "Es melden sich ab und zu welche, aber viele wollen dann nur Konditor werden, nicht Bäcker." Rumpf selbst habe beide Berufe gelernt. Für seinen eigenen Betrieb in Dortelweil war das definitiv keine schlechte Kombination.

Eigentlich geht es beim Tag des Butterbrotes eher um Landwirtschaft, statt um das Backhandwerk. 1999 hatte die Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft den Tag erstmalig ausgerufen. Damit wollte die Institution das Bewusstsein dafür stärken, wer die Butter aufs Brot bringt. Seit 2009 gibt es die Marketinggesellschaft zwar nicht mehr und der Tag des Butterbrotes wird offiziell nicht mehr ausgerichtet. Doch verleitet der Tag weiterhin dazu, sich über die Herkunft dessen, was auf dem Tisch landet, Gedanken zu machen. nma

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