Der neue Gronauer See ist mittlerweile zum Teil gefroren. Die Stadt warnt allerdings vor dem Betreten der Eisflächen. Es besteht Lebensgefahr.
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Der neue Gronauer See ist mittlerweile zum Teil gefroren. Die Stadt warnt allerdings vor dem Betreten der Eisflächen. Es besteht Lebensgefahr.

Surfer und Paddler

Überschwemmungen: Hochwasser-Tourismus – „Katastrophaler Einfluss auf Tiere und Natur“

  • VonNiklas Mag
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Weite Teile der Wetterau kämpfen seit Anfang Februar mit Hochwasser. Andere werden von den Überschwemmungen angelockt – was Folgen haben kann.

Bad Vilbel – „Ich hätte niemals daran gedacht, mal eine Frage zum Thema Wakeboarding zwischen Gronau und Rendel zu beantworten«, sagt Bad Vilbels Stadtsprecher Yannick Schwander auf Anfrage dieser Zeitung. Der Grund: Es kursiert ein Video im Internet, das in den vergangenen Tagen in Bad Vilbel herumging und einen Wakeboarder auf dem neuen Gronauer See zeigt. Aber nicht nur das: Gewässerökologe Gottfried Lehr konnte dieser Tage auch Kanufahrer auf dem vom Hochwasser überschwemmten Gebiet beobachten.

Schon seit rund einer Woche gibt es ähnliche Berichte aus Büdingen. Menschen seien fast eineinhalb Stunden gefahren, um sich dort die überschwemmte Altstadt anzuschauen. Mittlerweile spricht man von »Hochwasser-Tourismus«.

In Bad Vilbel sind nicht nur Wakeboarder und Kanufahrer auf dem neuen Gronauer See kuriose Auswüchse der Hochwasser-Situation. In einem weiteren Video, das in den sozialen Netzwerken kursiert, ist ein junger Mann zu sehen, der sich vom Schützenhofsteg in der Innenstadt mit einem Rückwärts-Salto in die übervolle Nidda stürzt und von der Strömung schnell abgetrieben wird. Das kann schnell gefährlich werden.

Hochwasser-Tourismus in der Wetterau: Auf Wildtiere Rücksicht nehmen

»Ich kann von unserer Seite aus sagen, dass wir durchaus einen solchen Hochwasser-Tourismus wahrnehmen. Dieser kommt in verschiedenen Arten daher«, erläutert Stadtsprecher Schwander. Viele Menschen würden die Absperrungen umgehen, um näher an das Wasser zu kommen. Das sei unerfreulich, da es viel Gefahr birgt. »Auf der anderen Seite gibt es auch Menschen, die beispielsweise mit ihren Hunden die Wassermassen umgehen, daher weiter ins offene Feld laufen und dort zum Teil Wildtiere aufschrecken, die dann auf die bereits zugefrorenen Wasserflächen fliehen. Hier droht dann der Einbruch von Wildtieren, was im schlimmsten Fall zum Ertrinken führen kann«, weiß Schwander.

Am Dienstag hatte Markus Lorenz, stellvertretender Wehrführer in Gronau, einen Einsatz der Feuerwehr geschildert, wo genau das geschehen ist. »Drei Rehe waren in der Eisfläche eingebrochen und drohten zu ertrinken. Zwei Rehe konnten sich total entkräftet selbst retten, eines ist leider entkräftet im Eis ertrunken. Aufgescheucht durch Hundespaziergänger, sind die Rehe leider auf die Eisfläche geflüchtet und eingebrochen«, schreibt er auf Facebook und appelliert: »Bitte geht nicht im Überflutungsgebieten spazieren, das Wild hat durch das Wasser seine Einstände verloren und benötigt Ruhe in der wenigen Deckung der Hecken und Grünstreifen.«

Genauso können die neuen Eisflächen für Menschen gefährlich werden. Schwander sagt: »Weiter ist zu befürchten, dass bei diesen Temperaturen und den Folgen, also dem Zufrieren des entstandenen Sees, Menschen auf die Idee kommen könnten, dies zum Freizeitvergnügen zu nutzen. Hiervor warnen wir ausdrücklich, denn nicht nur die Eisdecke könnte sehr dünn sein und einbrechen, sondern die entstandenen Seen sind teilweise sehr tief, das Wasser entsprechend kalt, sodass Lebensgefahr besteht.«

Hochwasser-Tourismus in der Wetterau: Aufklären statt verbieten

Was ein Verbot von Wakeboarding, Wasserski und Kanufahren zwischen Gronau und Rendel angeht, könnten Kreis und Untere Naturschutzbehörde besser Auskunft geben. Doch auch Gewässerökologe Gottfried Lehr weiß: »Die Wiesen dort sind FFH-Gebiet, die dürfen nicht betreten werden.« Die Naturschutzgebiete seien mit oder ohne Flut zu schützen und nicht zu stören. Angesprochen auf die Kanufahrer und den Hochwasser-Tourismus entlang des Gronauer Sees meint Lehr: »Die Natur ist kein Rummelplatz. Aber hier sollte man nicht den Zeigefinger erheben oder Verbote aussprechen, sondern aufklären, welchen katastrophalen Einfluss auf die Tiere und die Natur so ein Verhalten nimmt.«

Die Nidda scheint vorerst aus dem Gröbsten heraus zu sein. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zeigt in den Prognosen für die kommende Woche einen stetig sinkenden Pegelstand an. Gestern Mittag lag der Pegel demnach sogar nur noch bei rund 250 Zentimetern. Meldestufe I ist erst bei über 300 Zentimetern erreicht. Die Messstation der Nidder in Windecken zeigte gestern an, dass der Fluss, der im weiteren Verlauf durch Gronau fließt, Meldestufe II wieder unterschritten hat, Tendenz sinkend. (nma)

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