Alexander Conrads freut sich auf sein Spielfilmdebüt.
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Alexander Conrads freut sich auf sein Spielfilmdebüt.

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Der Wetterau besonders verbunden

  • vonPatrick Eickhoff
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Alexander Conrads weiß genau, was er will. Der Bad Vilbeler ist Filmemacher, hat schon einige Preise auf Festivals gewonnen. Diesen Sommer sollte sein Spielfilmdebüt folgen. Das musste der 28-Jährige wegen Corona verschieben. Für den Wetteraukreis hat er vor Kurzem einen besonderen Film gedreht.

Alles war vorbereitet für Alexander Conrads. Der 28-Jährige ist in den Endzügen seines Studiums an der Filmhochschule Köln. Diesen Sommer sollte sein Spielfilmdebüt folgen. Dann kam Corona. »Jetzt wurden wir um ein Semester verlängert, das ist alles etwas unsicher«, sagt er. In dem Film dreht sich alles um einen jungen Gewaltstraftäter, der sich in eine schwangere polnische Erntehelferin verliebt.

Der Bad Vilbeler liebt es, »komplexe Figuren in komplexen Situationen« darzustellen, wie er sagt. »Ich habe damals überlegt, Psychologie zu studieren. Ich finde es spannend, zu überlegen, weshalb manche Menschen so reagieren und andere nicht.« Das versucht Alexander Conrads auch in seinen Filmen zu vermitteln. »Warum ticken Menschen, wie sie ticken?«

Mit 13 gab’s die erste Kamera

Der 28-Jährige verfolgt seinen Kindheitstraum. Mit 13 gab’s die erste Videokamera. Die erste Möglichkeit, seiner Leidenschaft nachzugehen. »Ich liebe es, Geschichten zu erzählen, Menschen zu berühren und zu unterhalten.« 2011 macht er sein Abitur am Georg-Büchner-Gymnasium, träumt da schon von der Filmhochschule. »Dort sind die Aufnahmekriterien allerdings sehr schwer.«

Heute, sagt der 28-Jährige, sei die Absage für ihn genau richtig gewesen. »Ich habe damals viele Werbefilme gemacht. Das war zur Finanzierung sehr wichtig, aber mir wurde klar, dass ich andere Filme machen muss, um genommen zu werden.« Er geht den Umweg und studiert in Mainz Filmwissenschaften und Audiovisuelles Publizieren, absolviert 2013 ein Semester in den USA. Dort dreht er an der Uni in Memphis seinen ersten Dokumentarfilm »Once there was a cigar box«. Dieser lief erfolgreich auf mehreren Filmfestivals.

Seit März 2017 studiert Conrads Kreatives Produzieren an der Internationalen Filmschule Köln. Nebenbei dreht er Musikvideos für Bands oder Werbefilme. »Das kenne ich aus meinen Jahren als freier Filmemacher«, sagt er.

Und während Corona ihm zwar sein Spielfilmdebüt verschoben hat, hat ihn die Pandemie zu einem ganz besonderen Auftrag geführt. Der 28-Jährige hat für den Wetteraukreis einen Imagefilm gedreht. »Das war schon etwas Besonderes«, sagt er. Das Werk zeigt den Kreis als familienfreundlichen Arbeitgeber und war ursprünglich für den Hessentag geplant. Für Conrads als Vilbeler natürlich etwas Spezielles. »Wir waren viel draußen. Ich komme aus der Wetterau und fühle mich ihr besonders verbunden.«

Solche Aufträge sind für den 28-Jährigen jedoch die Seltenheit. Einen Namen hat er sich mit Kurzfilmen gemacht. 2018 hat er mit »Sardinien« den Deutschen Jugendfilmpreis sowie Publikumspreise beim Landshuter Kurzfilmfestival und bei den Kurzfilmtagen Thalmässing gewonnen. 2019 gab es den Deutschen Nachwuchsfilmpreis für »Löwin« beim »up-and-coming«-Filmfestival in Hannover. Das macht ihn stolz. »Den eigenen Film auf der Leinwand sehen? Das ist unschlagbar.«

Festlegen auf das Format Kino möchte sich der Bad Vilbeler nicht. »Das ist total toll, aber ich hätte auch kein Problem damit, für Streamingdienste zu arbeiten«, sagt er und lacht.

Eines ist Conrads in den vergangenen Jahren jedoch aufgefallen. »Der deutsche Film wird wahnsinnig unterschätzt.« Diesem Thema habe er sich auch in seiner Bachelorarbeit gewidmet. »Es ging um den schlechten Ruf des deutschen Films. Es gibt nicht nur das düstere deutsche Sozialdrama. Es gibt so viele tolle und auch witzige Filme.«

Der junge Filmemacher sei, je mehr er sich damit beschäftigt, mehr und mehr zum Fan geworden. Der deutsche Film werde oft reduziert auf Matthias Schweighöfer und Til Schweiger. Das liege hauptsächlich an der Filmförderung. »95 Prozent aller geförderten Filme spielen kein Geld ein. Die fünf Prozent, die das schaffen, sind von den beiden.« Werbung sei enorm wichtig. »In Hollywood gibt’s das gleiche Budget für die Produktion noch mal als Werbemittel. Das macht viel aus.«

Mit dem von Alexander Conrads gedrehten Clip auf Youtube wirbt der Wetteraukreis für sich als familienfreundlicher Arbeitgeber. Ursprünglich für den Hessentag in Bad Vilbel gedreht, soll er zum Personalmarketing genutzt werden, teilt Landrat Jan Weckler mit - zum Beispiel bei Arbeitgebermessen oder auf Facebook. Besondere Beachtung beim Filmdreh lag laut der Pressestelle auch auf der Darstellung der Vielfalt der unterschiedlichen Aufgabenbereiche und dem Aufzeigen von Frauen in »Männerberufen«. Zu sehen ist der Film auf https://bit.ly/2G9nxhg.

Weitere Informationen zu Alexander Conrads und seinen Filmen gibt es unter alexanderconrads.com. red/wpa

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